Die syrische Militärführung hat nach den Worten eines ranghohen Überläufers Chemiewaffen aus den Lagern geholt, um sie für den Einsatz vorzubereiten. "Sie haben sie aus dem Lagern geholt und an andere Standorte verlegt", sagte General Mustafa Sheikh, am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Sheikh ist bereits im Jänner desertiert ist und befindet sich derzeit in der Türkei.
"Sie wollen das Land in Brand setzen. Das Regime kann nicht stürzen, ohne ein Blutbad anzurichten", fügte der General hinzu. Seine Angaben können nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Die syrische Regierung bestreitet die Verlegung der C-Waffen.
Die USA beobachten nach Angaben des US-Präsidialamtes sehr genau die syrischen Chemiewaffen-Lager. "Wir glauben, dass sich die syrischen Chemiewaffen-Lager weiterhin unter Kontrolle der syrischen Regierung befinden", teilte Regierungssprecher Tommy Vietor am Samstag mit.
Weiter Kämpfe in Damaskus
In der syrischen Hauptstadt Damaskus dauern die verlustreichen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen an. Armee-Hubschrauber griffen in der Nacht zum Samstag Berichten von Einwohnern zufolge Stellungen der Rebellen mit Raketen an. Zudem nahmen Panzer von der Ringstraße aus das Zentrum ins Visier, das die Rebellen nach dem Anschlag auf die Führung des Sicherheitsapparats zum Teil eingenommen hatten.
Leicht bewaffnete Aufständische nahmen Einrichtungen der Sicherheitskräfte und Straßensperren unter Beschuss. Die heftigen Gefechte in Damaskus halten seit rund einer Woche an. In den vergangenen Tagen hatten die Aufständischen deutlich an Boden gewonnen, den die Regierungstruppen zurückerobern wollen.
"Regime drei Tag ohne Führung"
"Das Regime war die letzten drei Tage ohne Führung. Aber die Luft- und Bodenangriffe in Damaskus und den Vororten zeigen, dass es seine Schlagkraft nicht verloren hat und sich neu aufstellt", sagte ein Oppositioneller. Bei einem Anschlag am Mittwoch waren vier der engsten Mitarbeiter von Präsident Bashar al-Assad getötet worden, darunter ein Schwager des Machthabers.
Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte nannte den Donnerstag und den Freitag wegen des gewaltsamen Todes von 550 Menschen die beiden verlustreichsten Tage seit Beginn des Volksaufstands gegen Assad vor bald eineinhalb Jahren. Während ihrer Offensive brachten die Rebellen auch drei Grenzübergänge zum Irak und zur Türkei unter ihre Gewalt. Am Übergang Bab al-Hawa erlaubten Kämpfer die Plünderung eines Geschäfts für zollfreie Waren, der zum Imperium eines Assad-Cousins gehört.
Kämpfe in Aleppo
Auch in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo dauerten die Kämpfe zwischen der Armee und den Aufständischen an. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gingen die Gefechte am Samstag den zweiten Tag in Folge weiter. Demnach halten die Kämpfe im Stadtviertel Salaheddin bereits seit Freitagvormittag an. Einwohner seien wegen der Offensive auf der Flucht, teilten die oppositionellen Örtlichen Koordinationskomitees (LCC) der Protestbewegung mit.
In Aleppo hatte sich der Widerstand gegen Präsident Assad erst in den vergangenen Monaten gebildet. Dort war es nach Beginn der Revolte im März 2011 lange Zeit ruhig geblieben. Inzwischen gilt die Universität von Aleppo als Zentrum der Widerstandsbewegung der Stadt.
Zwei weitere Generäle geflüchtet
Unterdessen sind zwei weitere syrische Generäle zusammen mit einer Gruppe anderer Offiziere in die Türkei geflüchtet. Das berichtete ein türkischer Behördenvertreter am Samstag. Damit erhöhte sich die Zahl der in die Türkei geflüchteten syrischen Generäle auf 24. Insgesamt sind 43.000 syrische Flüchtlinge in der Türkei registriert.
Der iranische Verteidigungsminister Ahmad Vahidi sprach am Samstag mit dem neuen syrischen Verteidigungsminister Fahd Jassim al-Freij am Telefon über den jüngsten Anschlag auf den inneren Führungskreis des Regimes in Damaskus. Wie die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete, sagte Al-Freij, seine Regierung sehe sich einer Verschwörung der USA und Israels gegenüber.
Al-Freij war erst am Donnerstag als neuer Verteidigungsminister angelobt worden. Am Mittwoch war sein Amtsvorgänger Daoud Rajha zusammen mit weiteren ngen Vertrauten des syrischen Machthabers bei einem Bombenattentat in Damaskus getötet worden.
(APA/Reuters/AFP)
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