Kampfflugzeuge des syrischen Regimes haben am Dienstag zum ersten Mal die zweitgrößte Stadt Aleppo beschossen. Das berichtet ein BBC-Korrespondent. Zudem sollen sich in der Nähe der Altstadt, einem Weltkulturerbe, Rebellen und Soldaten des Regimes heftige Kämpfe liefern. Zuletzt hatten die Aufständischen die "Befreiungsschlacht um Aleppo" ausgerufen und angeblich einige Stadtteile erobert. Die Truppen von Diktator Bashar al-Assad starteten daraufhin eine Gegenoffensive.
Iranischer General droht "verhassten Arabern"
Ein hochrangiges Mitglied der iranischen Streitkräfte hat das Ausland unterdessen mit scharfen Worten vor einer Einmischung in Syrien gewarnt. General Masoud Jazayeri, der in der Vergangenheit mit vehementen Attacken gegen Israel und den Westen hervorgetreten war, wandte sich am Dienstag insbesondere an die "verhassten Araber" - eine Anspielung auf Saudi-Arabien und Katar. Bisher hätten Syriens Verbündete nicht in den Konflikt eingegriffen, sagte der General und Pasdaran-Führer der Nachrichtenagentur Fars. "Sollte dies geschehen, würden entscheidende Schläge gegen die Front des Gegners ausgeführt werden und besonders gegen die verhassten Araber."
Von wem diese Schläge kommen würden, sagte er nicht. Das syrische Volk sei wütend auf die Staaten, die die Rebellen unterstützen, und werde Rache nehmen, sagte Jazayeri. Konkret nannte er die USA, die Türkei, Katar und Saudi-Arabien.
Die syrische Führung in Damaskus rudert indes in der Frage nach der Existenz und dem möglichen Einsatz von Chemiewaffen zurück. Das arabische Land würde "niemals chemische und biologische Waffen nutzen", betonte Jihad Makdissi, der Sprecher des Außenministeriums, nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens am Dienstag. Erst am Vortag hatte Makdissi eine andere Botschaft vermittelt: Syrien würde Chemiewaffen zwar nicht gegen die Aufständischen im eigenen Land, wohl aber im Fall eines Angriffs "äußerer Aggressoren" einsetzen. Die Aussage war im Ausland als Drohung aufgefasst worden, zumal das Regime von Präsident Bashar al-Assad nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken.
Sicherung der Waffen, "sofern sie existieren"
Am Dienstagvormittag hatten die Rebellen bekannt gegeben, die syrische Führung würde die chemischen Waffen an grenznahe Flughäfen des Landes verlegen. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) wollte weiters "genaue" Kenntnisse über die Standorte der Waffen und Anlagen zu ihrer Herstellung haben. Um welche Flughäfen es sich handeln soll, teilte die FSA nicht mit. Makdissi erklärte dies damit, dass die Militärführung die Waffen in Regionen bringen wolle, die von den Aufstandsgebieten weiter entfernt sind. "Es ist nur natürlich, dass diese Waffen, insofern sie existieren, sicher gelagert werden", so der Sprecher.
Der oppositionelle "Syrische Nationalrat" (SNC) stiftete am Dienstag mit einer Ankündigung Verwirrung: Zunächst hieß es, der SNC sei bereit, eine Übergangsregierung unter einem Vertrauten von Präsident Bashar al-Assad zu akzeptieren. Man könnte der Übertragung von Assads Aufgaben nach dessen Abgang an eine der Persönlichkeiten des Regimes zustimmen, sagte Georges Sabra, ein Sprecher des SNC, der Nachrichtenagentur AFP in Beirut. Später ruderten die Rebellen zurück. SNC-Sprecherin Bassma Kodmani erklärte, dass eine Übergangsregierung unter der Führung eines Assad-Vertrauten nicht infrage komme.
V
(Red./APA/AFP/dpa/Reuters)
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