24.05.2013 13:37 Merkliste 0

Syrien: Washingtons Angst vor einem "failed state"

24.07.2012 | 18:19 |  Von unserem Mitarbeiter ANSGAR GRAW (Die Presse)

Die Regierung Obama sieht ein Ende des Regimes von Syriens Präsidenten Bashar al-Assad als Schwächung Teherans. Die USA gewönnen hingegen mehr Handlungsspielraum. Der Risken ist man sich allerdings bewusst.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Washington. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die Zeit des Assad-Regimes in Syrien ausläuft, wird er in den USA in einer besonderen Absetzbewegung gesehen: Tausende Flüchtlinge aus dem Irak kehren dieser Tage aus dem benachbarten Syrien in ihre keineswegs sichere Heimat zurück.

Im Weißen Haus gibt es inzwischen täglich hochrangige Besprechungen zur Entwicklung in Syrien. Präsident Barack Obama habe Bemühungen um eine Verhandlungslösung eingestellt, berichtet jetzt die „New York Times“.

 

Chancen und Gefahren

Doch gar so frisch ist die Erkenntnis der Regierung keineswegs, dass die Herrschaft Bashar al-Assads zu Ende geht. Schon vergangenen Herbst zeigten sich hochrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses überzeugt, der Assad-Clan habe den Kampf um die Macht verloren, der Sieg der Rebellen sei nicht mehr zu verhindern.

Aus US-Perspektive verbinden sich Gefahren, aber auch Chancen mit dem Sturz Assads. Gefahren werden darin gesehen, dass mit den Rebellen sunnitisch-islamistische Kräfte an die Macht drängen. Syrien könnte zu einem „failed state“, einem gescheiterten Staat werden, der von Religionskriegen zerrissen wird wie einst der benachbarte Libanon. Immerhin reklamierte die Rebellengruppe „Liwa al-Islam“ (Brigade des Islam) nicht nur die Verantwortung für das Bombenattentat vergangene Woche gegen Spitzen der Sicherheitskräfte, sondern angeblich auch für Attacken gegen Christen im Damaszener Bezirk Bab Tuma und die Ermordung einer christlichen Familie. Christen wie Drusen könnten bald zu den Verfolgten in Syrien gehören, weil ihnen Unterstützung Assads vorgeworfen wird.

 

Iran verliert wichtigsten Partner

Vorteile werden in Washington hingegen darin gesehen, dass der Iran mit dem Ende des Regimes seinen wichtigsten Partner in der Region verliert. Das würde einen gewaltigen Machtverlust für Teheran bedeuten. Die USA, die sich ohnehin künftig stärker auf den asiatisch-pazifischen Raum konzentrieren wollen, gewönnen hingegen mehr Handlungsspielraum.

Die Folgenabschätzung war aber so schwierig, dass die USA mit dem Status quo der vergangenen Monate recht gut leben konnten: Sie forderten mit Europäern und Arabischer Liga schärfere Sanktionen gegen Damaskus und durften sich darauf verlassen, dass Russland und China die regelmäßigen Anträge im UN-Sicherheitsrat blockieren würden.

In dieser Simulation von Aktionismus hatten Peking und Moskau den Schwarzen Peter und bescherten Washington ein hervorragendes Alibi für die eigene faktische Tatenlosigkeit.

Die – später relativierte – Drohung des Regimes, Chemiewaffen gegen Angreifer von außen einzusetzen, erhöht jedoch den Handlungsdruck für Washington. Obama habe gegenüber der Regierung Damaskus „klargemacht, dass es ihre Verantwortung ist, die Arsenale zu sichern, und sie zur Verantwortung gezogen werde, wenn sie das nicht tue“, sagte James Carney, Sprecher der Weißen Hauses.

 

Washington gegen Militäraktion

Auf israelische Vorschläge, Assads Massenvernichtungswaffen durch Militäraktionen auszuschalten, soll Washington gleichwohl ablehnend reagiert haben, auch, weil man fürchtet, in eine militärische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden. Washington will den Einsatz von Bodentruppen in jedem Fall vermeiden. Zum einen bleibt der Irak ein warnendes Beispiel für langfristige teure und blutige Verstrickungen. Zum anderen droht die Möglichkeit, dass Israel im Spätsommer oder Herbst einen Militärschlag gegen Irans Atomanlagen durchführt und die USA in einen daraus resultierenden Konflikt oder Krieg hineingezogen werden. Ein paralleles militärisches Engagement in Syrien könnte die Kräfte der USA überdehnen.

Für alle Fälle hat das Pentagon jedoch Planungen vorgenommen, welche Truppenteile in welcher Zahl und zu welchen Kosten eingesetzt werden müssten, sollte ein Bürgerkrieg in Syrien dies erfordern. Zu möglichen Szenarien gehören die Einrichtungen von Flugverbotszonen und die Sicherung von chemischen Waffen.

 

Zeit des Einflusses geht vorüber

Das amerikanisch-russische Muskelspiel über den Syrien-Konflikt kann nicht davon ablenken, dass die Zeit auswärtigen Einflusses auf den Nahen Osten zurückgeht. Der Irak entzieht sich immer mehr Washingtoner Bevormundung, vom Iran ganz zu schweigen. Und der sogenannte Arabische Frühling zeigt klar die Grenzen amerikanischer, aber auch europäischer oder russischer Wirkungsmacht auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

132 Kommentare
 
12 3 4
0 1

Verantwortung

Die USA-, EU-unis haben uns chemische u biologische Waffen beschert - und zur "Belohnung" stecken wir immer mehr Steuergeld genau in diese Unis, schreien alle Politiker nach wie vor unreflektiert nach "Bildung" ...

Interessant finde ich, dass die Flüchtlinge wieder aus der Türkei zurückkehren,

diese Nachricht kommt mit der Nachricht, dass die Regierung in Damaskus und anderen Landesteilen wieder Oberhand gewinnt!

Was sagt uns das?

Aus der Türkei???? - Wo liest du das????

Tausende Flüchtlinge aus dem IRAK kehren dieser Tage aus dem benachbarten Syrien in ihre keineswegs sichere Heimat zurück.

Gast: Niemals vergessen!
25.07.2012 08:54
15 0

Beschämend, dass unser Aussenministerium

unter der Führung Spindeleggers den bewaffneten Regierungssturz durch die Opposition unterstützt, auch wenn es nur verbal sein sollte. Mehr Bedacht wäre dem Aussenministerium sehr gut gestanden statt syrische Christen ans Messer zu liefern!

Spindelegger (O-Ton): "Wir müssen versuchen, auch Syriens Christen dafür zu gewinnen, dass sie sich der Opposition anschließen"

Die Presse berichtete: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/742772/Tuerkische-Warnung-an-Assad_Regime-kann-nicht-ueberleben

Gast: Initiativen
25.07.2012 08:44
10 0

300 Kämpfer bereit Waffen niederzulegen!

Hauptproblem sind rund 100 *ausländische* bewaffnete Rebellen, die weder die Absicht noch die Möglichkeit haben ...

http://www.fides.org/aree/news/newsdet.php?idnews=30567&lan=deu

12 0

Es handelt sich um eine radikal*lamische Invasion -

ein beinhart kalkuliernder Westen sieht zu.
Medien&Presse sind gleichgeschaltet.
Wer will, kann ja dann im kommenden Sch*ria-Staat Urlaub machen.

Gast: zweivorzwölf
24.07.2012 23:19
5 0

Das kleine Licht

Da regen sich alle über das kleine Licht Assad auf. Dabei gibt es Land, dass seit Jahrzehnten die Erde mit Kriegen überzieht und dabei mehrere Millionen Menschen ermordet und verstümmelt hat. Dieses Land liegt schon wieder in Lauerstellung um weiter zu morden. Aber alle regen sich über das kleine Licht Assad auf.

Gast: Rater
24.07.2012 22:22
4 0

Syrien: Washingtons Angst vor einem "failed state"

Schon blöd dass die alle zurückin den Irak fliehen, und nicht nach Europa um dort zu unfreiwilligen Werkzeugen im US-Europäischen Wirtschaftskrieg zu werden.

3 1

Aleppo ?

Da gibt es doch diese Zitadelle. Da war ich auch oben. Ist recht nett da -- gewesen.


0 2

Vorschlag - Operation Mole Cricket 19 reloaded

dann ist das Drama in 2 Tagen gelaufen ...


Wenn man keine Wort glaubt,


Gast: Hamdudeldei
24.07.2012 14:29
24 6

nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken

Ja was denn sonst, mittlerweile bruesten sich ja schon diverse Anglo-Soeldnerfirmen in den Medien mit ihren "Erfolgen". Freilich hat aber jeder mit ein bisschen Hirn von Anfang an erkannt, dass es sich hier um einen weiteren schmutzigen NATO-Krieg handelt.

Antworten Gast: werbistdu
24.07.2012 17:37
3 4

Re: nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken

Ach nein, ich dachte immer, die Tiroler Schützenkompanie steht dahinter, jetzt bin ich dank deiner Hilfe aufgeklärt

Antworten Gast: Kiebitz
24.07.2012 16:07
3 2

"mittlerweile bruesten sich ja schon"

wer?
wann?
wo?
Quellen?

Re: nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken

Hirn einschalten...da krepieren keine Statisten...ist euch das echt wurst?

Antworten Antworten Gast: Hamdudeldei
24.07.2012 17:00
15 2

Re: Re: nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken

Das ist mir gar nicht wurscht, allerdings habe ich kapiert, dass die gleichen Drahtzieher, die skrupellos zehntausende Libyer und Syrer opfern wie nix, das Gleiche ohne Gewissensbisse auch bei uns anzetteln wuerden, wenn es ihnen nur dienlich erschiene.

Antworten Antworten Antworten Gast: B i n g o
25.07.2012 09:11
8 0

die gleichen Drahtzieher ... das auch bei uns anzetteln

"die gleichen Drahtzieher, die skrupellos zehntausende Libyer und Syrer opfern wie nix, das Gleiche ohne Gewissensbisse auch bei uns anzetteln wuerden, wenn es ihnen nur dienlich erschiene."

Das kann man doppelt unterstreichen!!

Re: Re: Re: nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken

Aber wir haben ja nur Wasser - Moment mal - Au weia Wasser könnte auch noch einmal interessant werden! Bitte die Tiroler Schützenkompanie dringend modernisieren!

Re: Re: Re: Re: nicht müde wird, die Rebellion als "vom Ausland gesteuert" zu brandmarken

Nicht notwendig, sobald die EU zu einem gemeinsamen Staat geworden ist und die europäischen Staaten zu EU-Bundesländern, gehört das Wasser nicht mehr uns, sondern Brüssel.

reinste propaganda

zum syrien thema !

bin gespannt ob jemals rauskommt wer da am meisten in diesen konflikt mitgemischt hat...: usa?...engländer ?.....israelis ??????


Re: Christen fliehen

das ist doch der nato egal, es geht um den ungehinderten zugriff auf das öl in kurdistan und die pipeline ans mittelmeer.

die andere route werden sie nie kontrollieren können bzw. ist sie viel zu teuer, ums sie dauerhaft kontrollieren zu können!

syrien können sie vielleicht einmal konrtrollieren, aber kurdistan ... auch wenn chevron und exxon sehr viel geld reinstecken, das wird nicht laufen!

siehe wsj.com, da steht die hintergrundinfo!

asia times hat ausgezeichnete info über den hintergrund des konfliktes!

demokratie, nö, fürn arxxx, hier gehts um planspiele die pearl, wolfowitz und die anderen falken schon vor jahren ausgearbeitet haben!

;-)

4 0

Re: Re: Christen fliehen

Was ist Kurdistan? Meinen Sie die Bergtürken?

Antworten Antworten Gast: werbistdu
24.07.2012 17:38
4 2

Re: Re: Christen fliehen

Ja, Ja, wenn man die Hintergründe für einen Konflikt zu wenig kennt, kommt man halt mit der ÖL-Masche.
Wo haben den die Serben ihre Ölfelder?

0 1

Re: Re: Re: Christen fliehen

Ausserdem haben die oeltheoretiker die shaleoel und erdgasrevolution in den usa verschlafen welche die usa zum gasreichsten land der welt und moeglicherweise in einigen jahren zum erdoelhauptproduzenten macht.

 
12 3 4