London. Gäbe es bei Olympia die Disziplin „Ins-Fettnäpfchen-Treten“, hätte Mitt Romney schon vor Beginn der Londoner Spiele die Goldmedaille verdient. Gleich zu Beginn seines Besuchs in der britischen Hauptstadt stellte der republikanische US-Präsidentschaftskandidat im Interview mit dem US-Sender NBC die Fähigkeit seiner Gastgeber infrage, erfolgreiche Spiele zu organisieren. Die Probleme mit fehlenden Sicherheitskräften und dem drohenden Streik der Grenzbeamten seien „beunruhigend“ und „nicht gerade ermutigend“ gewesen, so Romney, der 2002 die Winterspiele in Salt Lake City organisiert hatte. Auch den Enthusiasmus der Briten stellte er infrage: „Werden sie gemeinsam den olympischen Moment feiern? Das werden wir erst nach Ende der Spiele wissen.“
Die britischen Medien waren „not amused“: „Wer hat den eigentlich eingeladen?“, titelte die „Mail-Online“. Und der Chefredakteur der Onlineplattform „PoliticsHome“, Paul Waugh, twitterte: „Man braucht schon ein spezielles Talent, um seine Gastgeber zu beleidigen.“ Auch Premier David Cameron erklärte leicht verschnupft, natürlich sei Großbritannien bereit – und das werde er Romney auch persönlich sagen.
Belastetes Verhältnis
Das Verhältnis der beiden gilt als belastet, seit der Premier sich bei seinem letzten US-Besuch weigerte, den politisch ähnlich gesinnten Kandidaten zu treffen. Auch gestern versagte Cameron dem Gast die gewünschten Bilder eines potenziellen Präsidenten auf Antrittsbesuch: kein Empfang vor der Downing Street, keine gemeinsame Pressekonferenz. Auch das Gespräch hielt er kurz – stattdessen musste Romney eine halbe Stunde mit Vizepremier Nick Clegg vorliebnehmen.
Da hatte sich Romney längst den nächsten Fauxpas geleistet: Beim Treffen mit Oppositionsführer Ed Milliband entfiel ihm offenbar kurz dessen Name – und so sprach er den leicht verdutzt wirkenden Labour-Parteichef mit „Mr. Leader“ („Herr Führer“) an.
Zuvor hatte er bereits versucht, eine schwerwiegendere Scharte auszuwetzen: Der „Daily Telegraph“ hatte unter Berufung auf einen anonymen „Berater“ berichtet, Romney könne die „spezielle Beziehung“ beider Länder besser verstehen, weil er, anders als US-Präsident Barack Obama, „Teil des angelsächsischen Erbes“ sei – eine Äußerung, die von vielen politischen Beobachtern auf beiden Seiten des Atlantiks als latent rassistisch gewertet und von Romney selbst prompt dementiert wurde.
Mit seiner Reise, die ihn auch nach Israel und Polen führt, will Romney seine außenpolitischen Meriten mehren. Stattdessen ernteten sogar seine gestrigen Abendtermine Negativschlagzeilen: Der ehemalige Hedgefonds-Manager traf sich mit Unterstützern aus der Londoner City zu Cocktails und Dinner. Zwischen 5000 und 75.000 Dollar hatten die Gäste für diese Ehre spenden müssen.
Streit um Spende
Das Problem: Laut Medienberichten sind viele von ihnen Banker von Barclays – jener Bank, die im Zentrum des Skandals um die Manipulation von Interbank-Zinssätzen steht. Sie sollen Romney bereits eine Million Dollar gespendet haben, als Gastgeber des gestrigen Dinners war eigentlich Ex-Barclays-Chef Bob Diamond geplant – bis der wegen des Libor-Skandals seinen Hut nehmen musste. Eine Gruppe britischer Parlamentsabgeordneter hatte Barclays deshalb aufgefordert, sich lieber um die Aufarbeitung der Affäre zu kümmern, als für Romney Wahlkampf zu machen.
''Romney Olympics': Mormonen-Familie in perfekt inszenierter Idylle
Mitt Romney: ''Polit-Chamäleon'' ist gescheitert
Obama: Entzaubert, aber wiedergewählt
Politik per Pinsel: Obama als das personifizierte Böse
Welt des TerrorsWo die Gefahr am größten ist
Politik skurrilLieß Putin Superbowl-Ring mitgehen?
Zitate der Woche''Weniger grillen und chillen''
Politik per Photoshop Wenn Bilder lügen