Die oppositionellen syrischen Kräfte haben sich am Freitag auf den möglicherweise entscheidenden Kampf um die Wirtschaftsmetropole Aleppo vorbereitet. Unter dem Motto "Aufstand der zwei Hauptstädte - der Befreiungskrieg geht weiter" riefen die Aufständischen zu neuen Demonstrationen auf. Die der Regierung nahestehende Zeitung "Al-Watan" sprach sogar von der "Mutter aller Schlachten" in Aleppo. Die Armee werde weiter "Terroristen" aufspüren und "vernichten" und dann werde Syrien die Krise überwinden, hieß es in dem Bericht.
Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, zeigte sich in der Nacht auf Freitag beunruhigt von den Geschehnissen in dem umkämpften Land. Sie warnte, das "Regime" von Staatschef Bashar al-Assad scheine ein Massaker in der zweitgrößten Stadt des Landes zu planen. Es gebe "glaubhafte Berichte über Panzerkolonnen", die vor der Stadt zusammengezogen würden. Die Armee setze inzwischen zudem nicht mehr nur Kampfhubschrauber, sondern auch Flugzeuge im Kampf gegen die Rebellen ein.
"Assads Tage sind sicher gezählt"
"Unsere Herzen sind bei den Menschen in Aleppo", sagte Nuland. "Das ist ein weiterer verzweifelter Versuch eines untergehenden Regimes, die Kontrolle zu behalten, und wir machen uns große Sorgen darüber, was sie in Aleppo anrichten könnten." Zugleich bereiten sich die USA auf ein baldiges Ende der Herrschaft von Diktator Assad vor. "Assads Tage sind ganz sicher gezählt" sagte Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, am Donnerstag. Deshalb gelte es jetzt, "mit der Opposition zusammenzuarbeiten, um einen Übergang vorzubereiten."
Doch leicht dürfte das nicht werden: Laut Sicherheitskreisen plant die syrische Armee eine Gegenoffensive. Denn die rund 2000 Rebellen in Aleppo sollen Unterstützung von 1500 bis 2000 weiteren Aufständischen erhalten haben. Die Opposition bestätigte die Angaben. Zudem errichteten hunderte Kämpfer der Rebellen am Freitag Blockaden aus Sandsäcken und richteten Feldlazarette ein, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Quer über einer Zufahrtstraße wurde ein Bus gestellt, um diese zu blockieren.
"Die militärische Verstärkung ist in Aleppo eingetroffen, wir rechnen jeden Moment mit einer großangelegten Offensive", sagte ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Demnach schickte die Armee rund hundert Panzer nach Aleppo.
Erstmals ist unterdessen ein syrisches Parlamentsmitglied in die Türkei geflohen. Die Abgeordnete Ikhlas al-Badawi erklärte am Freitag im Fernsehsender Sky News Arabia, sie habe sich abgesetzt, um dem "tyrannischen Regime" von Assad und seiner seit fast 50 Jahren herrschenden Baath-Partei zu entkommen.
Soldaten töteten Dreijährigen
Abseits von Aleppo gehen die blutigen Gefechte auch in anderen Regionen des Landes weiter: Syrische Soldaten haben nach jordanischen Angaben am Freitag das Feuer auf eine Gruppe von Flüchtlingen eröffnet und dabei einen dreijährigen Buben erschossen. Der Junge erlag sofort seiner Schussverletzung am Hals. Die Truppen sollen weiters auf Flüchtlinge aus Syrien, die in Turra die Grenze zu Jordanien überqueren wollten gefeuert haben.
Ein jordanischer Grenzschützer berichtete, zwei Personen sei die Flucht gelungen, etwa zehn weitere seien aufgrund der Schüsse zurück auf syrisches Gebiet gerannt. Jordanien hat bereits mehr als 140.000 Flüchtlinge seit Beginn des Syrien-Konflikts aufgenommen.
(APA/AFP/dpa/Reuters)





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