Damaskus/Wien/Ag. Westliche Politiker warnen vor einem „neuen Massaker“, regimetreue syrische Medien sprechen von der „Mutter aller Schlachten“: In der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo stehen massive Kämpfe zwischen Armee und Rebellen bevor. Diplomaten schließen nicht aus, dass die Gefechte sogar entscheidend für den Ausgang des Bürgerkrieges sein könnten. Das Regime von Präsident Bashar al-Assad hat für heute, Samstag, den Start einer Gegenoffensive angekündigt, um die Wirtschaftsmetropole von den Rebellen zurückzuerobern.
„Wir befürchten, dass wir in Aleppo ein Massaker erleben werden, und es scheint, dass sich das Regime dafür in Stellung bringt“, warnte gestern eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Sie verwies auf „glaubwürdige Berichte“ über Panzerkolonnen, die sich auf Aleppo zubewegten, sowie Angriffe durch Hubschrauber. Dies sei eine ernste Eskalation der Bemühungen der Assad-Regierung, die Rebellion niederzuschlagen. „Wir machen uns große Sorgen, wozu sie in Aleppo fähig sein könnten.“
Rotes Kreuz zieht Personal ab
Der Oppositionelle Abu Mohammad al-Halabi berichtete gestern der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon aus der Stadt, das Regime ziehe Truppen und Panzer vor den Toren Aleppos zusammen. „Die von Rebellen gehaltenen Viertel werden beschossen.“ Schulen dienten den Menschen als Unterschlupf: „Wenn eine Bombe eine Schule trifft, dann gibt es eine Katastrophe.“
Das Rote Kreuz zieht wegen der Gewalt einen Teil seines Personals ab. Auch der syrische Rote Halbmond, eine Schwesterorganisation des Roten Kreuzes, habe einige Einsätze in Aleppo unterbrochen, hieß es.
Die US-Regierung zeigte sich zuversichtlich, dass das Ende des Regimes bevorstehe: „Assads Tage sind ganz sicher gezählt“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Deshalb gelte es jetzt, „mit der Opposition zusammenzuarbeiten, um einen Übergang vorzubereiten“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)
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