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Syrien: Die Schlacht am Ursprung der Menschheit

28.07.2012 | 18:20 |  von Martin Gehlen (Die Presse)

In der historischen Stadt Aleppo könnte sich das Schicksal des syrischen Aufstands entscheiden. Regierungstruppen haben mit dem Sturm der Rebellenstellungen begonnen.

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Die seit Tagen befürchtete Schlacht um Aleppo, die zweitgrößte Stadt Syriens, hat begonnen. Kampfhubschrauber dröhnten am Samstag im Tiefflug über die Dächer. MiG-Düsenjets operierten am Himmel über der syrischen Wirtschaftsmetropole, in der 2,5 Millionen Menschen leben.

Mit dem Morgengrauen begannen die am Stadtrand aufmarschierten Truppen des Regimes, die südwestlichen Bezirke Salah al-Din, Hamdaniya und Fardous mit schwerer Artillerie zu beschießen. Panzer operierten in den Straßen, während sich die Soldaten nach Angaben von Menschenrechtsgruppen mit den in den Wohnvierteln verschanzten Rebellen heftige Gefechte lieferten. Auf Videos, die über das Internet verbreitet wurden, sind brennende Wohnungen zu sehen sowie hohe Rauchwolken von Granatentreffern. „Sie belagern unser Viertel”, erklärte ein Bewohner gegenüber dem Sender CNN. „Es gibt keinen Strom, das Essen wird knapp.” In Panik suchten die Menschen Schutz in den unteren Etagen ihrer Häuser oder flüchteten sich in öffentliche Parks. Tausende hatten sich bereits in den letzten Tagen im Umland in Sicherheit gebracht. Der ersten großen Fluchtwelle könnten bald bis zu eine Million Menschen folgen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die internationale Gemeinschaft könne angesichts der Vorgänge nicht weiterhin Beobachter und Zuschauer bleiben. Westliche Staaten hatten tags zuvor vor einem drohenden Massaker gewarnt, während die syrische Staatszeitung „Al Watan“ für Aleppo „die Mutter aller Schlachten“ ausrief. Man werde alle Terroristen ausmerzen und dann werde Syrien wiederauferstehen, propagierte das Regimeblatt. Die russische Regierung sprach am Samstag von einer „heraufziehenden Tragödie“, zeigte aber als langjähriger Verbündeter Verständnis für das Vorgehen von Präsident Bashar al-Assad. Es sei unrealistisch zu glauben, eine Regierung könne akzeptieren, „wenn bewaffnete oppositionelle Gruppen eine Stadt wie Aleppo besetzen“, erklärte Moskaus Außenminister Sergei Lawrow. In Syrien gebe es Gewaltexzesse von allen Seiten, sagte er und warf dem Westen vor, die Kämpfer der Opposition zu unterstützen. „Der Preis dafür ist noch mehr Blut.“ Der Iran bekräftigte durch seinen Energieminister Majid Namjou, Teheran werde Damaskus „in dieser schwierigen Situation nicht alleine lassen“.

Weite Teile von Aleppo glichen derweil einer Geisterstadt. Die Rebellen, die während der letzten Wochen einen Stadtteil nach dem anderen unter ihre Kontrolle gebracht hatten, richteten in Wohnungen Notlazarette ein. Ihre Kämpfer jedoch, die sich überwiegend aus Deserteuren rekrutieren, sind den loyalen Truppen Assads mit ihrer schlechten Ausrüstung und Bewaffnung stark unterlegen. „Nein“, antwortete einer ihrer Kommandeure auf die Frage eines CNN-Reporters, ob die Rebellen genug Munition hätten. „Es wird kommen wie in Homs.“ Dort hatte sich die „Freie Syrische Armee“ wochenlang in einigen Stadtteilen verschanzt, die von Assads Truppen dann in wochenlangem Beschuss dem Erdboden gleichgemacht wurden. 80 Prozent von Homs sind inzwischen zerstört, mehr als eine Million ihrer Bewohner auf der Flucht. Am Samstag setzte sich mit Ikhlas Badawi das erste Mitglied des syrischen Parlaments in die Türkei ab. „Ich konnte die Grausamkeiten nicht mehr länger mitansehen“, erklärte die Abgeordnete aus Aleppo und rief ihre Parlamentskollegen auf, sich ebenfalls der Revolution anzuschließen.

Aleppo ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Syriens und der  Wirtschaftsmotor des Landes. Die örtlichen Fabriken produzieren vor allem Textilien und Lebensmittel, Arzneien und Zement. Lange blieb Aleppo von den Kämpfen verschont. Es gab zwar größere Demonstrationen, die meisten Auseinandersetzungen aber beschränkten sich auf das Gelände der Universität. Die Altstadt mit der Zitadelle gehört zum Unesco-Weltkulturerbe, die Stadt selbst ist einer der ältesten urbanen Siedlungsplätze der Menschheit. Seit osmanischer Zeit ist Aleppo ein bunter Kosmos aus Volksgruppen und Religionen. Die Mehrheit der Bürger sind Sunniten, überwiegend Araber, aber auch Kurden. Alawiten machen etwa fünf Prozent der Bürger aus. In den wohlhabenden Stadtteilen wohnt die größte christliche Minderheit des Landes, zu der vor allem Armenier, Maroniten und Orthodoxe gehören. Wie Damaskus hat auch Aleppo an seinen Rändern große Trabantensiedlungen mit ärmerer Bevölkerung, die in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem ländlichen Umland zugezogen ist. Hier vor allem konzentriert sich der Widerstand gegen das Assad-Regime.

Weder die Truppen Assads noch seine Gegner haben im landesweiten Konflikt bisher militärisch die Oberhand gewinnen können. Nach Schätzungen der Opposition wurden bisher insgesamt mindestens 18.000 Menschen in den Kämpfen getötet, allein Ende der Woche soll es 160 Tote gegeben haben. Ein Rückschlag in Aleppo würde für die Aufständischen bedeuten, dass sie ihren Plan, in absehbarer Zeit die Hauptstadt Damaskus einzunehmen, wohl nicht realisieren könnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2012)

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56 Kommentare
 
1 2
Antworten Gast: Gesichtschirurg
28.07.2012 19:46
3 24

Re: aleppo ursprung der menschheit -

Sagt Ihnen das Wort Mesopotamien etwas ? Nein ? Dachte ich mir....

Re: Re: aleppo ursprung der menschheit -

ääh - mesopotamien?
macht nix, ein gesichtschirurg ist nun einmal kein anthropologe (und auch kein historiker).

Re: Re: aleppo ursprung der menschheit -

das war -ist- allerdings 1.000 km entfernt

was für Idioten dürfen sich hier äußern

Antworten Antworten Antworten Gast: Gesichtschirurg
29.07.2012 02:07
0 4

Re: Re: Re: aleppo ursprung der menschheit -

Nachdem Sie sich gerade selbst betitelt haben können Sie gerne mal auf der Landkarte nachsehen:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Karte_Mesopotamien.png&filetimestamp=20090223195151

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Information anstelle von Märchen gibt es im SPIEGEL-Forum


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Dann hoffen wir mal, daß die islamistischen Terroristen vernichtend geschlagen werden.



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Re: Herr Erdogan, muss das sein?

Die "Rebellen" sind ja im Dienst der Nato. Und die Türkei ist in der Nato. Das ist jetzt wirklich keine Überraschung.

Re: Herr Erdogan, muss das sein?

Die Drahtzieher: Türkei, Saudi Arabien, Katar


4 0

Re: Und Ban Ki-monn ist "sehr besorgt"...

Erstaunlich, dass der überhaupt noch frei herumrennt. Der Angriffskrieg auf Libyen war ja u.a. sein Werk.

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Mit Allah gegen Assad

in Syrien werden die Islamisten unter den Rebellen immer mehr und die wollen aus Syrien einen Gottesstaat machen. Darin werden sie auch von Saudi Arabien, Katar, der Türkei u.a. unterstützt:http://www.spiegel.de/politik/ausland/in-syrien-kaempfen-radikale-islamisten-gegen-das-assad-regime-a-846752.htm

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Re: Mit Allah gegen Assad

Träum weiter

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Re: Re: Mit Allah gegen Assad

Ich träume nicht, Sie wollen die Realität nicht zur Kenntnis nehmen. Außerdem stammt der Artikel nicht von mir sondern vom SPIEGEL.

12 2

Re: Mit Allah gegen Assad

genau so ist es

Re: Re: Mit Allah gegen Assad

Der Islamismus ist die Größte Gefahr in Syrien und in der Region.

ich hoffe das die Regierungstruppen die Lage stabilisieren

den Kriegstreibern in den USA, der Türkei und sonstigen Idioten gehört kräftig auf die Finger ...

gilt ebenfalls für die "gleichgeschaltete" europäische Presse

wenigstens Israel ist realistisch, alles was nach Assad kommt ist schlechter (Schlächter)

Antworten Gast: werbistdu
28.07.2012 18:35
3 29

Re: ich hoffe das die Regierungstruppen die Lage stabilisieren

Deine Drogen möchte ich mal nehmen!
Alles was nach Assad kommt, kann nicht mehr schlimmer werden.
Oder sollen noch mal 10000 sterben, bevor die Nato oder arabische Liga endlich was unternimmt.
Das Regime Assad ist Geschichte, begreifft es endlich

Re: Re: ich hoffe das die Regierungstruppen die Lage stabilisieren

..sonstiger Idiot ...

alles was nach Assad kommt ist schlechter

SHARIA

Re: ich hoffe das die Regierungstruppen die Lage stabilisieren

... wenn das stimmen würde , mit Israel, sollte ISRAEL mal schnell der gewählten Regierung des Staates Syrien helfen ....

Re: Re: ich hoffe das die Regierungstruppen die Lage stabilisieren

der Feind meines Feindes ist mein Freund

Gast: Frontschwein (pic)
28.07.2012 13:14
15 5

Warum Syrien?

Durch einen "befreiten" syrischen Luftraum führt die kürzeste Flugroute von Israel in den Iran.
Die dort völkerrechtswiedrig zu bombardierenden Ziele wurden ja schon genannt.

Gast: Roman²
28.07.2012 12:26
7 2

Dasstimmt so nicht

<i>"Der Kampf um die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum des Landes gilt als möglicher Wendepunkt des seit 16 Monaten andauernden Konflikts. Weder die Truppen Assads noch seine Gegner haben militärisch die Oberhand gewinnen können."</i>

Syrische Truppen haben mehrfache "Kesseldurchbrüche" der Terroristen unterbinden können. Waffendepots und LKW mit Waffen wurden aufgespürt, geleert oder vernichtet.
Fünf PKW mit Waffen und Terroristen wurden ebenfalls vernichtet.

Die sogenannte und alles entscheidende Schlacht um Aleppo entpuppt sich als letzter Schlag gegen in größeren Gruppen agierende Terroristen.

Bei den Einsätzen der syrischen Armee wurden zwei italienische Ingenieure befreit.

Polen hat seine Botschaft in Syrien geschlossen, manche sagen, "evakuiert".

Dazu muss man wissen, dass Polen die Interessen der USA in Syrien vertreten hat. Folgerichtig haben die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Syrien aufgegeben.

Eine ausländische Intervention rückt demnach in greifbare Nähe.

tinyurl.com/c8fxfo7

tinyurl.com/cstsnm3

tinyurl.com/d73tpr9

Derweil entzündet sich in Tadschikistan ein weiterer Krisenherd.

Willkommen in Olympia!

Antworten Gast: Terex
28.07.2012 13:24
9 2

Re: Dasstimmt so nicht

Sollte die Türkei, Israel oder Jordanien aktiv in diesem Krieg gegen Syrien angreifen, dann wird Iran (Russland incl. China) sich aktiv auch einmischen. Die Iraner sind auf alles vorbereitet und werden mit ihren Panzern an den Jordan kommen.

"und werden mit ihren Panzern an den Jordan kommen."

Nicht einmal an den Euphrat kommen sie.

Im übrigen ist die Türkei bereits Kriegspartei.
Erdogan will den Türken wieder das erste kriegerische Erfolgserlebnis seit 1566 bieten (nimmt man das Armenenmassaker von 1916 aus, das sich in der Gegend von Aleppo vollendete)

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Re: Re: Dasstimmt so nicht

Auch wenn ich mir wünschen würde, dass andere Staaten in einem Fall einer militärischen Intervention gegen Syrien ebenfalls militärisch auf der Seite Assads eingreifen, der Iran wird das nicht sein. Dem fehlen die militärischen Möglichkeiten. Stichwort Panzer, die Panzerwaffe, was aber noch schwerer ins Gewicht fällt, die Luftwaffe des Irans kämpft immer noch mit den Folgen (=den horrenden Verlusten) aus dem ersten Golfkrieg gegen den Irak. Dank der internationalen Embargos konnte bis heute kein gleichwertiger Ersatz aufgebaut werden. Militärisch hat der Iran - konventionell - kaum etwas über die eigene Landesverteidigung Hinausgehendes zu melden.

Antworten Antworten Gast: Roman²
28.07.2012 13:51
2 0

Re: Re: Dasstimmt so nicht

@Terex

Ich denke, bevor die Panzer kommen, gibt es Schläge auf die andere Art.

Denn, wenn es zu dem von ihnen beschriebenen Szenario käme, würden die Türken, Saudis, Katarer und andere am Start sein wollen.

Das wäre dann der Großkrieg, an dem Israel sicher auch beteiligt wäre.

Zuerst kommen die Marschflugkörper, Mittelstreckenraketen und die Fernartillerie. Zeitgleich gäbe es starke Schiffsbewegungen an allen strategischen Orten.
Bereits an diesem Zeitpunkt müsste es eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates und der UNO geben, da dieser Konflikt automatisch Iran und Israel in Konfrontation brächte.

Die Frage,wie lange die jeweilige Fernartillerie bräuchte, um die generischen Schiffe und Flugabwehrsysteme zu vernichten, geschweige denn Raketenabschussrampen oder Kasernen, kann wohl kaum jemand beantworten.

Ganz abgesehen natürlich davon, dass Russland und China ebenfalls gezwungen wären, Stellung zu beziehen.

Es käme darüber hinaus zu starken Truppenbewegungen im Kaukasus und in Zentralasien, da dort ebenfalls militärische Infrastruktur der Kriegsparteien verteidigt werden müsste.

Alles in allem kann sich keiner wünschen und vorstellen, welche Dimension eine Eskalation der Lage um Syrien und Iran mit sich bringt.

Wir wissen nur, dass alle Konfliktpartner entschlossen sind, ihr Souveränität mit Waffengewalt zu verteidigen.

Und dann käme noch der NATO-Bündnisfall...

Eine andere Geschichte...

Beide Konfliktparteien müssten die Gewalt beenden

Guter Wunsch, schlechte Aussichten.

Denn es gibt nicht zwei Konfliktparteien sondern allein schon auf Seiten der "Aufständischen" dutzende inhomogene Gruppen.
Die innersyrische Opposition unterscheidet sich stark von den vielen Oppositionsgruppen, die ihre Anweisungen von außer syrischen Kommandanturen erhalten. Und eine nicht unbeträchtliche Anzahl der Aufständischen nutzt die "Demokratiewelle" für persönliche Bereicherung, Begleichung alter Rechnungen und Befriedigung tiefster Bedürfnisse. Gemeinsam ist ihnen nur, dass sie keine Verhandlungen führen wollen.
Die Machtzentrale der NWO-Organisation und ihre Vasallenstaaten, allen voran England, Frankreich, Türkei und die Golfstaaten mit Israel, schüren die Auseinandersetzungen mit Geld- und Waffenlieferungen samt ausreichend Nachschub von Söldnern.
De facto befindet sich die Syrische Armee seit über einem Jahr im Kriegszustand auf eigenem Territorium mit diesen Schurkenstaaten.

Wir sollten uns die Führer dieser Länder und deren Hintermänner gut im Gedächtnis behalten. Ihnen bleibt vorerst nur, den Kampf blut- und siegreich fortzuführen, oder im besten Falle, nach misslungener Zielerreichung -und anschließenden Sturz durch freie Volksgemeinschaften- den Rest ihres Daseins hinter Gittern verbringen zu müssen.

Re: Beide Konfliktparteien müssten die Gewalt beenden

Sehr treffender Kommentar und Glückwunsch an DiePresse, das Herr Mandl nicht der Zensur zum Opfer gefallen ist ....
Ich wünsche den Journalisten überhaupt mehr Mut und Standfestigkeit und Zusammenhalt um gegen die Zerstörung der Meinungsfreiheit durch wenige global Herrschende anzukämpfen ....

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Woher haben die Rebellen

Nur das Geld für den notwendigen Nachschub für Waffen und Munition her ?
Oder opfern die ihr Erspartes ?
eher scheinen sie von außen ferngesteuert und versorgt.
Ja man kämpft nicht mehr selber sondern lässt kämpfen,dass praktiziert die USA perfekt seit Jahren.

 
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