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Rumänien: Absetzung von Basescu gescheitert

30.07.2012 | 16:11 |   (DiePresse.com)

Der Präsident überlebt das Referendum wegen zu geringer Wahlbeteiligung - und droht seinen Gegnern wegen des "versuchten Staatsstreichs".

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Das Referendum zur Amtsenthebung des rumänischen Präsidenten Traian Basescu ist nach amtlichen Hochrechnungen an einer zu geringen Wahlbeteiligung gescheitert. Wie die Wahlleitung in Bukarest Montag früh nach Auswertung fast aller Daten mitteilte, gaben nur 46,13 Prozent der rund 18 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab; mehr als 50 Prozent wären nötig gewesen. Endgültige amtliche Angaben wurden am Abend erwartet.

Demnach bleibt der wegen seiner Sparpolitik unbeliebte Basescu im Amt, obwohl nach Hochrechnungen des Wahlbüros 87,55 Prozent der Wähler für seine Absetzung gestimmt hatten. Er überstand damit zum zweiten Mal ein Amtsenthebungsreferendum. Bereits 2007 hatten Rumäniens Sozialisten und Liberale erfolglos versucht, den Präsidenten auf diesem Weg zu stürzen.

Vorwurf des Verfassungsbruchs

Das neue Verfahren hatte die Parlamentsmehrheit des sozialistischen Ministerpräsidenten Victor Ponta angestrengt. Der Regierungschef und die verbündeten Liberalen werfen Basescu Amtsmissbrauch und Verfassungsbruch vor. Dem hatte das Verfassungsgericht widersprochen, jedoch schaffte Ponta das Einspruchsrecht der obersten Richter per Regierungsdekret ab. Dies hatte heftige internationale Kritik und Zweifel an der Rechtstaatlichkeit des EU-Landes zur Folge.

Ponta zeigte sich nach dem Referendum zunächst unversöhnlich und verwies auf den hohen Stimmenanteil gegen den Staatschef. "Basescu ist kein legitimer Präsident mehr", sagte er am Montagvormittag. Bereits am Wahlabend hatte Ponta Basescu indirekt zum Rücktritt aufgefordert: "Jeder Politiker, der sagt, er könne das Votum von ungefähr neun Millionen Rumänen ignorieren, lebt fern der Realität". Doch dann kam die Kehrtwende: Am Montagnachmittag versicherte der Premier, er wolle keine Konfrontation mehr mit Basescu suchen.Nach den Möglichkeiten einer Aussöhnung befragt sagte er: "Es braucht zwei Menschen, um Tango zu tanzen." Er habe seine "Lektionen" aus den vergangenen Wochen gelernt, sagte Ponta weiter

Nun geht es darum, ob Basescu seine neu bestätigte Macht nutzen kann, um seiner schwächelnden bürgerlichen Partei PDL bei der Parlamentswahl Ende dieses Jahres zum Sieg zu verhelfen. Der seit 2004 amtierende Basescu kann nur noch zwei Jahre lang Staatschef bleiben, denn 2014 läuft seine zweite Amtszeit ab. Ein drittes Mal darf er laut Gesetz nicht kandidieren.

"Gegen Staatsstreich gestimmt"

Basescu feierte sich als Sieger des Referendums. "Die Rumänen haben gegen den Staatsstreich gestimmt", sagte er, zeigte aber auch Verständnis für seine Kritiker: "Mir ist bewusst, dass es Unzufriedenheit gibt nach all dem, was in den letzten Jahren geschehen ist, und ich bin überzeugt, dass der Bruch in der Gesellschaft beseitigt werden muss." Mit Blick auf seinen oft als aggressiv und launisch kritisierten Führungsstil versprach Basescu, für "ein Gefühl der Versöhnung zu sorgen".

Basescu kündigte allerdings später mit Blick auf die Regierung an, seine politischen Gegner wegen des versuchten "Staatsstreichs" zur Verantwortung zu ziehen. Konkrete juristische Schritte nannte er nicht.  Diejenigen, die "verfassungswidrige" Rechtsakte beschlossen hätten, um den "Staatsstreich" gegen ihn einzuleiten, sollen "von den staatlichen Institutionen zur Verantwortung gezogen werden", sagte Basescu vor laufenden Fernsehkameras in Bukarest.

Das Referendum markiert den vorläufig letzten Höhepunkt im Machtkampf zwischen Basescu und Ponta. Anfang Juli hatte die Regierungsmehrheit in einem umstrittenen Eilverfahren die Vorsitzenden beider Parlamentskammern ausgetauscht und damit den Weg für die Suspendierung Basescus geebnet. Anschließend versuchte Ponta, die Regel zur Mindestbeteiligung bei der Volksabstimmung per Dekret außer Kraft zu setzen. Dem widersprach jedoch das Verfassungsgericht.

Der Schritt stieß auch bei der EU-Kommission und den anderen EU-Partnern auf scharfe Kritik. Auf Druck der EU wurde Ponta zudem gezwungen, eine Anfang Juli beschlossene Einschränkung der Rechte des Verfassungsgerichts zurückzunehmen. Bis zum Jahresende wurde Rumänien unter verschärfte Beobachtung der EU gestellt.

Die EU-Kommission zeigte sich zunächst zurückhaltend zu dem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren gegen Basescu. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte am Montag in Brüssel, die Kommission wolle das Resultat nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass noch kein offizielles Ergebnis der Abstimmung vorliege. Die EU-Kommission habe aber das Referendum genau verfolgt. Es habe auch einen Briefwechsel zwischen Ponta und EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso gegeben, sagte der Sprecher.

Der Vorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament, Hannes Swoboda, rief alle Parteien in Rumänien zu einer konstruktiven Zusammenarbeit auf. "Die politischen Kräfte müssen verantwortlich für das Land handeln und die Machtkämpfe beenden, die Rumäniens Glaubwürdigkeit und Position in Europa gefährden könnten", betonte Swoboda am Montag in einer Pressemitteilung.

Ulrike Lunacek, Europasprecherin der Grünen, forderte, die "gefährliche Politfarce in Rumänien zu beenden. Basescu und Ponta müssten ihren Machtkampf einstellen. Rumänien müsse die Grundwerte der Europäischen Union respektieren.

(APA)

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24 Kommentare
Gast: der lügenbaron
31.07.2012 13:41
0 2

über die intelligenz der referendums-defraudanten


In vielen gottvergessenen Winkeln des Landes, die niemand kannte außer Fuchs und Hase bei Nacht, ist am Tag des Referendums der Fremdenverkehr förmlich explodiert, hervorgetan haben sich Distrikte wie
Olt, Heimat großer Söhne - und Töchter! - wie der niemals vergessene Ceauşescu, die sich für die schlauesten im ganzen Donau-Karpaten-Raum halten: in Coloneşti haben 184,28% der eingetragenen Wähler (2 779 Wahlzettel bei 1 508 Wahlberechtigten) ihre feste Unterstützung der saubersten Regierung seit den Dakern abgestempelt und gefaltet, weitere 16 Ortschaften des Kleinstkalibers haben im sozialistischen Wettbewerb die 100%-Beteiligung locker überstiegen
Dolj mit Radovan (126,25%) als Leader von weiteren acht Gemeinden mit über 100% Teilnahme
absoluter Spitzenreiter ein Kaff mit 250% Wahlbeteiligung namens Lepşa im Distrikt Vrancea (1200 Stimmen bei 347 registrierten Wahlberechtigten) wo allerdings seit zehn Jahren der Urlaub am Bauernhof blüht (vermutlich eine Woche im voraus vom sozialistischen bzw. freiheitlichen Karpatenverein mit Beschlag belegt).

Gast: Familie Jo. Kurt u. Anna Nass van Eyesgastein
30.07.2012 23:16
3 0

also wenn ich Politiker bin und fast 90% der Bevölkerung.....

...will mich NICHT, dann trete ich nicht nur zurück, sondern gehe in Azul!
be.es:stellt euch vor, eine Familie mit 10 Köpfen und wenn der Oberkopf nach Hause kommt gehen 8 Köpfe weg, weil sie den Oberkopf nicht sehen können.......also wie lange kann so eine Familie "überleben"???

Gast: der lügenbaron
30.07.2012 20:17
1 2

demographie und realitätsbezug


Die Regierungspolitiker dürften eiusdem farinae aus ein und derselben Tüte geknetet sein, einer glutenfreien, die sich im Oberstübchen niedergeschlagen hat.
Dieser Dragnea, seines Zeichen Parteisekretär, hat sich schier Unglaubliches beim Referendum geleistet und stündliche Berichte über die Wahlbeteiligung aus allen Wahllokalen im Distrikt Teleorman angeordnet. Nun rückt er mit seinem intellektuellen Meisterstück heraus und will Einwohnerzahlen, die er sich einbildet, welche aber nicht vorliegen können.
Die EU hat einen Zensus für 2011 festgelegt, dessen Grunddaten innerhalb zweier Jahre gemeldet werden müssen, also 2013. Eine der Sofortmaßnahmen der neuen Macht war zwei Direktoren des Statistischen Zentralamtes zu feuern weil die neuen Daten nicht vorlagen - wie man sieht, im Hinblick auf das Referendum (einer wurde wieder eingestellt).
In ihrer blödsinnigen Gier nach der totalen Macht konnten diese Denker und Lügner es nicht abwarten und mußten nach sechs Wochen losschlagen - nach der alten Volkszählung, was sonst. Jetzt fabulieren sie von einer anderen demographischen Wirklichkeit welche noch niemand kennt.
Langsam aber unaufhaltsam rückt ihnen Artikel 7 des EU-Vertrags auf die Pelle, denn nur die Zwangsjacke kann sie ruhigstellen.

Gast: der lügenbaron
30.07.2012 14:16
1 2

nackte zahlen


Die erforderliche Wahlbeteiligung für die Erreichung von 50% plus einen lag bei
9 176 793, das entspricht einem Gesamt der Wahlberechtigten von 18 353 584. Nach Auszählung in 99,97% aller Wahllokale lag die Beteiligung bei 46,23%, macht
8 484 863, davon 87,52% mit Ja, ergibt 7 425 595.
Im Falle der Beanstandung der eines Landes der dritten Welt würdigen Betrügereien könnte die halbe Million auch gestrichen werden (wird kaum geschehen, da man einem am Boden liegenden Gegner nicht nachtreten sollte) - sagen wir also rund 7 Millionen Băsescu-Angefressene (Slogans der Putschisten-Partei: "Er hat dir deinen Lohn/deine Pension/deine Beihilfe/dein Spital genommen - nimm ihm den Sitz!". Was diese Bewohner einer Parallelwelt, die sich einmal mehr legitimiert sehen alt eingeübte kommunistische Lebensart wieder einzuführen hingegen nicht einsehen wollen, ist die simple Annahme, daß gut 11 Millionen Bürger nicht für sie sind.

Re: nackte zahlen


Nicht hingehen ist aber keine Gegenstimme!


Antworten Antworten Gast: der lügenbaron
30.07.2012 18:15
1 3

Re: Re: nackte zahlen


Wenn ein Quorum vorgegeben ist, dann doch.

Der rumänische Präsident


dürfte ja noch unbeliebter sein als unser Bundesheinzi!

Aber ganz sicher bin ich mir da auch nicht!


Re: Der rumänische Präsident

Keine Frage. Basescu hat 8 Millionen erklaerte Gegner. Soviele schafft der unsrige noch lange nicht.

Gast: Gast1234
30.07.2012 09:36
1 1

Fehler

'Auch die rund 15 Millionen Ungarn in Rumänien enthielten sich größtenteils ihrer Stimme'

75% der Rumaenen (knapp 20 Mio Einwohner) sind Ungarn???

Gast: Gast: Presse-Leserin
30.07.2012 09:14
5 0

Genauigkeit bei Zahlen?

Sehr geehrteR SchreibendeR, bei einer Gesamtbevölkerungszahl von rund 21,5 Mio. EW macht es, wie es scheint, schon einen Unterschied, ob die ungarische Minderheit in Rumänien 1,5 oder 15 Mio. Einwohner zählt, gerade, wenn es um deren Enthaltung bei besagter Abstimmung geht.


Re: Genauigkeit bei Zahlen?

Danke für den Hinweis, wurde ausgebessert.

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Ist

es nicht sozialistische Tradition, unangenehme Personen aus ihren Ämtern, mit allen Mittel, fair oder unfair, zu entfernen?

Re: Ist

weder sozialistisch noch Tradition, ganz einfach männliche Machtkämpfe, Urinstinkte.

Antworten Gast: zrucktwo
30.07.2012 08:24
5 0

Re: Ist

Ah, Sie sind ein gelernter Österreicher?

Gast: Lipinski
29.07.2012 21:35
6 0

Wieder

Wieder berichtet Frau Balomiri für die APA? Dann wundert mich ihre Neutralität nicht...

Der Neid könnte einen fressen, ...

... wenn man über den eigenen Tellerrand blickt und in Europa funktionierende Demokratien findet.

Re: Der Neid könnte einen fressen, ...

..danke , die Ostblockdemokratie brauchen wir nicht !!! Ich hab sie an der eigenen Haut erlebt. Politische Barbarei !!!

Re: Re: Der Neid könnte einen fressen, ...

Die westeuropäischen Pseudodemokratien sind nur dem Anschein nach besser.

Re: Re: Re: Der Neid könnte einen fressen, ...

Da bleibt nur der Weg des Ausprobierens übrig.

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Dürfen wir bitte auch?


Antworten Gast: Zenzine
29.07.2012 16:42
6 5

Re: Dürfen wir bitte auch?

Wieso? Was interessiert Sie der rumänische Staatschef, dass Sie ihn auch absetzen wollen?

3 2

Re: Re: Dürfen wir bitte auch?

Stellen Sie sich nicht dümmer, als Sie sind. Oder sind Sie am Ende ...

Antworten Antworten Antworten Gast: Schrumpelpilzchen
30.07.2012 08:23
1 3

Re: Re: Re: Dürfen wir bitte auch?

Warum fragen Sie, ob wir auch den rumänischen Staatschef absetzen dürfen? Wenn Sie nachdenken, kommen Sie dahinter, dass das für uns gar nicht möglich ist. Eh klar. Was soll dieser Unfug dann?

Re: Re: Dürfen wir bitte auch?

aber über die Kärtner Landeschefs abzustimmen, wäre ein Anfang.