Am Montag geht der Kampf um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo weiter. Schauplatz der Feuergefechte dürfte vor allem das südwestliche Viertel Salaheddin sein. Die Sicherheitskräfte brachten es nach eigenen Angaben am Sonntagabend unter ihre Kontrolle, doch von Rebellen heißt es, sie wären weiter in dem Stadtteil präsent und der Kampf gehe weiter. Ein BBC-Journalist vor Ort berichtet, die Aufständischen würden einen Guerilla-Krieg gegen die Regierungstruppen in der Stadt führen. Über Verluste gab es Montag zunächst keine Angaben.
Nach Schätzungen des Roten Kreuz und des Roten Halbmond sind in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 Menschen aus der Stadt geflohen. Aber noch viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften sich in der Stadt aufhalten. "Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen", erklärte die UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Sonntagabend in New York. Die humanitäre Lage ist weiterhin schwierig. Die Einwohner litten unter Nahrungsmangel und Stromausfällen, berichtet die BBC.
Rebellen sichern Nachschubroute
Die Rebellen sicherten unterdessen nach eigenen Angaben eine wichtige Nachschubroute von Aleppo zur nahe gelegenen türkischen Grenze. Nach stundenlangen Kämpfen nahmen sie am Montag den strategisch wichtigen Checkpoint Anadan mehrere Kilometer nördlich von Aleppo ein. Damit dürfte es ihnen leichter fallen, sich aus der Türkei mit Lebensmitteln und Waffen zu versorgen.
Türkei schickt Truppen an die Grenze
Aus Furcht vor einer Eskalation der Lage in Aleppo schickte die Türkei am Montag Truppen und schweres Gerät an die syrische Grenze unweit der Millionenstadt. Ein Konvoi aus rund rund 20 Truppentransportern sowie Fahrzeugen beladen mit Flugabwehrbatterien und Panzerfahrzeuge seien in der Nähe der Stadt Kilis an der Grenze stationiert worden, berichteten staatliche Medien und Augenzeugen am Montag. Die Gegend auf syrischer Seite soll teils von kurdischen Kämpfern kontrolliert werden, die mit der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) verbündet sind. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan drohte vergangene Woche, kurdische "Terroristen" auch auf dem Staatsgebiet Syriens zu verfolgen.
Nach türkischen Angaben desertierte zuvor der stellvertretende Sicherheitschef der Mittelmeer-Stadt Latakia, ein Brigadegeneral, gemeinsam mit elf anderen Offizieren in die Türkei. In den vergangenen 24 Stunden seien insgesamt 600 Syrer in die Türkei geflohen, die Gesamtzahl liege damit bei 43.500 Menschen.
Die syrische Armee vereitelte inzwischen nach eigenen Angaben den Grenzübertritt bewaffneter Gruppen aus Jordanien und dem Libanon. Dabei sei es in der Nähe der Städte Homs und Daraa zu Kämpfen gekommen, bei denen Dutzende Eindringlinge getötet und verwundet wurden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Montag. Überlebende seien zurück in die jeweiligen Länder geflüchtet.
Die Angaben der syrischen Armee und der Rebellen können größtenteils nicht aus unabhängiger Quelle bestätigt werden, da das Regime die Einreise ausländischer Journalisten in das Land soweit als möglich verhindert. Nur vereinzelt ist eine Verifizierung von Ereignissen im Kriegsablauf möglich.
Syrische Golanhöhen: Lage entspannt sich
Während sich die Situation an mehreren Grenzenpassagen offenbar verschärft, blieb die Lage in den zuletzt umkämpften Golanhöhen nach Angabe des österreichischen Bundesheeres vergleichsweise ruhig. Das syrische Militär und die Rebellen hätten sich weitgehend aus dem umliegenden Gebiet zurückgezogen. Auch einen großen Ansturm von Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland, wie er von Israel - das die Golanhöhe besetzt - befürchtet wird, sei nicht zu beobachten, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Wien.
Syrischer Diplomat in London quittiert Dienst
Der hochrangigste Diplomat Syriens in Großbritannien hat seinen Dienst eigenen Angaben nach aus Protest gegen die Regierung in Damaskus quittiert. Der Geschäftsträger der Botschaft, Khalid al Ayoubi, wolle nicht länger für ein Regime arbeiten, dass solch "gewalttätige Akte gegen seine eigene Bevölkerung" verübe, teilte das britische Außenamt am Montag mit.
(APA/dpa/Reuters)
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