Es ist ein Dokument von wilder Leidenschaft: „Was ich mit diesem Kissen anstelle, würde ich gerne mit Dir machen“, sagt die Frau, die sich, allein mit BH und Unterhose bekleidet auf dem Hotelbett räkelt, das erwähnte Kissen quer unter ihrem Bauch. „Hier bin ich, allein, voller Sehnsucht und Vorfreunde auf unser Treffen am Dienstag!“ Als sie ihren Oberkörper hebt, sagt sie dem Adressaten: „All das, was du hier siehst, gehört Dir, nur Dir!“
Es war ein sehr privater Videogruß, den Karin Bolaños offenbar während einer Dienstreise filmte, um ihn ihrem Geliebten zukommen zu lassen. Doch zum Unglück der stellvertretenden Ministerin für Jugend und Kultur der Republik Costa Rica gelangte das Filmchen in die sozialen Netzwerke des mittelamerikanischen Landes. Binnen weniger Stunden wurde die schmachtende Funktionärin zum Gespött des spanischsprachigen Amerikas.
Bolaños‘ Vorgesetzen blieb nichts anderes übrig, als die 39-Jährige zu entlassen. Der Jugend- und Kulturminister Manuel Obregon verlautbarte, dass die in dem Video verbreitenden Inhalte strikt privater Natur seien und nichts mit ihrem Wirken in öffentlicher Funktion zu tun hätten. Dennoch sei die Entlassung nötig, „damit sie diese Angelegenheit privat regeln kann“, sagte der Minister.
Über die Identität des Empfängers, den die liebestolle Beamtin „pequis“ (etwa: mein Kleiner) nennt, ist bislang nichts bekannt. Allerdings steht zu vermuten, dass es sich nicht um ihren Ehemann handelt. Die Mutter einer 14-jährigen Tochter ist seit etwas über zehn Jahren mit dem Parlamentsabgeordneten Víctor Hugo Víquez verheiratet, die Ehe ist nach Berichten der lokalen Presse seit einiger Zeit in einer schweren Krise. Die Ministerin hat im Vorjahr ihren ehemenn wegen häuslicher Gewalt angezeigt. Nach der Veröffentlichung des Videos hat sich der Abgeordnete vom Parlament drei Tage beurlauben lassen.
Der Wirbel um das Video ist nur der letzte einer Reihe von Skandalen, die der Regierung der Präsidentin Laura Chinchilla in Umfragen inzwischen 53 Prozent Ablehnung einbrachten, einer am Montag publizierten Umfrage zufolge halten 75 Prozent der Bürger Costa Ricas ihre Regierung für korrupt.
Wer den Mitschnitt in Umlauf brachte, ist immer noch unklar. Womöglich wurde die Funktionärin Opfer eines Komplotts. Am Anfang ihrer Liebesbotschaft raunt Karin Bolaños ihrem Geliebten zu: „Du verlangst viel von mir, wirklich, denn ich bin es nicht gewöhnt, solche Sachen zu machen.“
Costa Rica: Ministerin in Unterwäsche sorgt für Wirbel
31.07.2012 | 20:03 | von Andreas Fink (DiePresse.com)
Während einer Dienstreise schickte die stellvertretende Ministerin für Jugend und Kultur einen sehr privaten Videogruß.
12 Kommentare
Peinliche Intrige und mediale Verblödung
Wie kam man zu diesem Video ?
Wer hat dieses Video abgefangen ?Ist es nicht Privatsache ?
Warum erwartet man von einer Frau Treue und Klostertum, während bei Männern alles erlaubt ist und mit Augenzwinkern toleriert wird ?
Für mich besteht kein Zusammenhang zwischen dem Privatleben und der Postion in diesem Fall.
Re: Wie kam man zu diesem Video ?
Politische Intrige plus Korruption.Wer erinnert sich nicht an Scotland Yard, das eigens die intimen Privatgespräche des Kronprinzen abhörte, um die Bänder an die Murdoch-Journaille zu verkaufen ?
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