Washington/Ag. Wären die USA ein Krebspatient und das Terrornetzwerk al-Qaida der Tumor, dann würde die Diagnose der behandelnden Ärzte wie folgt lauten: Das bösartige Geschwür sei zwar erfolgreich bekämpft worden, doch nun gebe es Sorgen um mögliche Metastasen.
Zu genau diesem Schluss kommt das US-Außenamt in seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht über den Terrorismus. Zwar habe man die originäre Terrorgruppe im Vorjahr durch die Liquidierung von Mastermind Osama bin Laden und weiterer hochrangiger Strategen entscheidend (und unumkehrbar) schwächen können – als Beleg führen die Studienautoren die Tatsache an, dass die Zahl der terroristischen Angriffe 2011 mit 10.283 Vorfällen weltweit auf das niedrigste Niveau seit 2005 gefallen ist.
Problematisch sei aber der zeitgleiche Aufstieg von radikalislamischen Splittergruppen in Afrika – etwa der Sekte Boko Haram in Nigeria, der al-Shabaab-Milizen in Somalia oder der „al-Qaida im islamischen Maghreb“, die lange Zeit als schwächste Masche des lose geknüpften Terror-Netzwerks gegolten hatte, nun aber dank einer intensiven Kampagne von Entführungen im Vorjahr ihre Kriegskasse aufgefüllt haben soll.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)
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