Israel könnte im Alleingang einen Militärschlag im Iran planen, möglicherweise schon im Herbst: Eine Reihe öffentlicher und privater Statements hat diese Befürchtungen in den USA verstärkt. "Als Iraner würde ich mich in den kommenden Wochen fürchten", erklärte der frühere Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Efraim Halevy, nach Angaben der "New York Times" von Donnerstag.
Wie das israelische Onlineportal "Ynet" weiter berichtete, sieht Halevy als Zeitfenster für einen möglichen israelischen Militärschlag die kommenden zwölf Wochen. Mit seiner Erklärung reagierte der Ex-Mossad-Chef auf die Einschätzung amerikanischer Regierungsvertreter, wonach des Atomprogramm des Iran in frühestens 18 Monaten ein "kritische Stadium" erreichen werde.
Halevy meinte, Israel führe nicht gerne Krieg im Winter. Außerdem fürchte Israels Premier Benjamin Netanyahu eine schwindende Unterstützung durch die USA, sollte Präsident Barack Obama wiedergewählt werden. Sollte dagegen der Republikaner Mitt Romney gewinnen, sei es unwahrscheinlich, dass dieser gleich nach Amtsantritt einen Krieg beginne.
US-Regierung glaubt nicht an Angriffspläne
Demgegenüber verlautete laut "New York Times" aus amerikanischen Regierungskreisen, man sei zuversichtlich, dass Israel keine unmittelbaren Angriffspläne habe und gewillt sei, den USA die Führung im Fall eines künftigen militärischen Vorgehens gegen den Iran zu überlassen. Ein Militärschlag werde nicht vor dem kommenden Jahr erfolgen.
Im Juli hatten Vertreter Israels und der USA, einschließlich der Verteidigungsminister Ehud Barak und Leon Panetta, ihre Gespräche zum Thema intensiviert. Am Mittwoch hatte Panetta gegenüber Barak in Israel versichert, die USA würden an der Seite des jüdischen Staates stehen, sollte der Iran Atomwaffen entwickeln. Man habe Optionen vorbereitet, um sicherzustellen, dass dies nicht geschehe.
In den vergangen drei Wochen waren zahlreiche Abgesandte der US-Regierung zu Israels Ministerpräsident Netanyahu gereist, darunter Außenministerin Hillary Clinton und Sicherheitsberater Thomas Donilon. Zudem war der republikanische Präsidentschaftskandidat Romney zwei Tage vor Panettas Besuchs in Israel.
"Zeit läuft ab"
Netanyahu warnte am Mittwoch, die Zeit für Diplomatie laufe ab. Der Iran glaube ungeachtet aller kraftvollen Erklärungen nicht daran, dass der Westen ihn in der Entwicklung der Bombe stoppen werde. "Das muss sich schnell ändern, denn die Zeit, dieses Thema friedlich zu lösen, läuft ab", sagte Netanyahu.
(APA)
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