London. Eigentlich hatte Wladimir Putin nur seiner Judo-Leidenschaft frönen wollen: Bei seinem ersten Besuch in London seit 2003 wollte der Träger des schwarzen Gürtels zuschauen, wie seine Landsleute ihre Gegner auf die Matte schmissen.
Doch die heimischen Probleme holten den russischen Präsidenten ein, bevor er Donnerstagfrüh in Heathrow landete: Eine Gruppe britischer Musiker, darunter The-Who-Gitarrist Pete Townshend und die Frontmänner von Pulp und Franz Ferdinand, forderten den Kreml-Chef in einem offenen Brief in der „Times“ auf, der russischen Punk-Band Pussy Riot einen „fairen Prozess zu gewähren“. Drei Mitglieder der Gruppe stehen derzeit in Moskau wegen „Rowdytums“ vor Gericht. Putin hat sich für ein mildes Urteil ausgesprochen. "An dem, was sie getan haben, ist nichts Gutes dran. Ich denke dennoch nicht, dass sie allzu hart dafür bestraft werden sollten", fügte er hinzu.
Auch das schwierige Thema Syrien blieb Putin nicht erspart: Bei einem einstündigen Gespräch versuchte Premier David Cameron erneut, den Präsidenten zur härteren Haltung gegenüber dem Assad-Regime zu bewegen. Zuvor hatte Putin-Berater Sergej Markow der BBC erklärt, Russland habe im Vergleich zum Westen „kein spezifisches Interesse“ an Syrien. Russland und China hatten die letzten beiden UN-Resolutionen für ein Ende der Kämpfe in Syrien mit einem Veto blockiert. Die Unterstützung der syrischen Opposition sei „unverantwortlich“, weil die Gegner Assads „enge Kontakte zu al-Qaida“ pflegten. „Russland kämpft nicht gegen den Westen. Russland wehrt sich nur gegen die irrationale Politik des Westens gegenüber Syrien“, so Markow.
Getöteter Ex-Agent kein Thema
Putin selbst musste seine Haltung im Anschluss an das Treffen mit Cameron nicht verteidigen – der britische Premier wollte dem Gast die Laune durch lästige Journalistenfragen nicht verderben. So erklärte Putin, Großbritannien und Russland stimmten in einigen Aspekten überein und würden daran arbeiten, eine „praktikable Lösung“ für Syrien zu finden – ohne zu definieren, wie diese aussehen solle. Cameron sagte, man hätte zwar „Differenzen“, aber das gemeinsame Ziel sei ein Ende des Konflikts.
Großbritannien ist an einer Verbesserung der schwierigen Beziehungen interessiert – vor allem um den bilateralen Handel voranzutreiben. Das Verhältnis zwischen Moskau und London ist seit der Ermordung des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko 2006 gestört, zumal Russland sich weigert, den Hauptverdächtigen und Ex-Agenten Andrej Lugowoi auszuliefern. Doch auch dieses Thema wollte Cameron seinem russischen Gast diesmal ersparen: Schon in der vergangenen Woche hatte er erklärt, worum es ihm bei Putins Besuch ging: „Meine Priorität sind diese Handelsverträge, diese Investitionen.“
Und so dürfte ein wichtiges Thema auch Putins Lieblingssport Judo gewesen sein. Cameron durfte Putin als Erster gratulieren, als dessen Landsmann Tagir Khaibulaew die Goldmedaille holte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
