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Syrien: Kofi Annan vermittelt nicht mehr

03.08.2012 | 08:06 |   (Die Presse)

Der Ex-UN-Generalsekretär ist monatelang erfolglos zwischen Regime und Rebellen gependelt. Das Hickhack im Sicherheitsrat hat ihm den Rest gegeben.

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Washington/ag./SIG  Kofi Annan, der UN-Gesandte für Syrien, gibt frustriert auf: Er wird sein Amt mit 31. August zurücklegen, wie UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Donnerstag „mit großem Bedauern" bestätigte. Mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elaraby, sei er in Gesprächen über einen Nachfolger, sagte Ban.
Annan selbst nannte als Grund für seinen Abgang „gegenseitige Schuldzuweisungen und Unstimmigkeiten" innerhalb des UN-Sicherheitsrates. Er habe „nicht alle Unterstützung bekommen, die der Fall verdient". Sein Nachfolger werde möglicherweise neue Ansätze finden müssen, so Annan, der aber die Hoffnung äußerte, dass sein Sechs-Punkte-Plan zur Befriedung Syriens weiterhin relevant bleiben werde.

Denn die Lage scheint ernster denn je. Über 200.000 Syrer sind auf der Flucht, mehr als 19.000 wurden bei den Gefechten in den vergangenen Monaten getötet. Auch in der Nacht auf Freitag sollen allein in Hama in Zentralsyrien mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen sein, wie Oppositionelle und Einwohner berichteten. Die Regierungstruppen hätten bei der Durchsuchung eines Stadtteils Mitglieder dreier Familien umgebracht. In Damaskus kamen beim Einschlag mehrerer Granaten mindestens 20 Bewohner eines Palästinenserlagers ums Leben, wie Ärzte berichteten. Sicherheitskräfte hätten das Feuer kurz vor dem abendlichen Fastenbrechen eröffnet, bei dem Muslime wieder Nahrung zu sich nehmen können.

Moskau bedauert

Der ehemalige Chef der Vereinten Nationen hatte in den vergangenen Monaten mehrere Friedenspläne vorgelegt, die jedoch allesamt gescheitert sind. Zuletzt war nur noch Russland ein vehementer Verfechter von Annans notorisch erfolglosen Bemühungen. Moskau hat denn auch Annans Schritt umgehend bedauert. Im Westen hatte man zusehends den Eindruck, Russland, das Syriens Machthaber Bashar al-Assad die Stange hält, würde Annans Versuche als Ausrede missbrauchen.
Annan war am 24. Februar zum gemeinsamen Vermittler der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga ernannt worden, um sich für das Ende der Gewalt und der Menschenrechtsverletzungen einzusetzen. Im April hatte er einen Waffenstillstand zwischen der Regierung von Bashar al-Assad und der Oppositionsbewegung ausgehandelt, an den sich beide Seiten in der Folge aber nicht hielten.

Angesichts der zunehmenden Heftigkeit der Gefechte zwischen regimetreuen Truppen und Soldaten der Rebellen sind die Aussichten auf erfolgreiche Vermittlungen zwischen Assad und den Aufständischen alles andere als gut. Zu dieser Einsicht dürfte auch die US-Regierung gelangt sein, wie ein Bericht des Nachrichtensenders CNN nahelegt. Demnach soll US-Präsident Barack Obama die CIA und andere US-Dienste zur verdeckten Unterstützung syrischer Rebellen ermächtigt haben. Insider sagten, dass Obama den Geheimerlass bereits vor einiger Zeit unterzeichnet habe. Die Direktive sehe vor, dass die USA mit einer geheimen Kommandozentrale zusammenarbeiten, die von der Türkei und anderen Verbündeten betrieben wird.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete vergangene Woche, dass die Türkei, Saudiarabien und Katar im südtürkischen Adana nahe der syrischen Grenze einen geheimen Stützpunkt aufgebaut hätten. Von dort würden die Rebellen, die gegen das Assad-Regime kämpfen, mit Ausrüstung versorgt. In der Nähe befindet sich auch ein US-Luftwaffenstützpunkt. Die Türkei bestreitet, Rebellen mit Waffen zu beliefern. Unabhängig von der geheimen Anordnung des Präsidenten gab die US-Regierung am Mittwoch bekannt, 25 Millionen Dollar für syrische Oppositionelle bereitzustellen.

Militärflughafen unter Beschuss

Die Opferzahl in Syrien steigt indes weiter: Alleine am Donnerstag sollen nach Berechnungen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 60 Personen getötet worden sein. Besonders intensiv waren die Gefechte rund um Aleppo, wo Rebellentruppen dem Ansturm der Assad-treuen Einheiten standzuhalten versuchen. Den Aufständischen ist es nach eigenen Angaben gelungen, mit einem erbeuteten Kampfpanzer einen Militärflughafen zu beschießen. In Hauptstadt Damaskus sollen Soldaten des Regimes einen Vorort gestürmt und dabei Dutzende Zivilisten getötet haben.

Nach Schätzungen der UN-Ernährungsorganisation FAO droht Syrien neben einer weiteren Eskalation des Bürgerkriegs auch eine Hungersnot. Der Konflikt hätte demnach die Ernte behindert, drei Millionen Menschen könnten im kommenden Winter auf Lebensmittelhilfen angewiesen sein.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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23 Kommentare
1 0

Unverantwortlich

die uebernahme eines solchen amtes bzw die beibehaltung eines solchen ist keiner frage der zufriedenheit mit der inneren organisation der VN oder der unstimmigkeiten darin, sondern eine solche im namen des
syrischen volkes, des auf einen solchen vermittler, da er schon bestellt wurde, vertraut. dass kofi jetzt sein amt abgibt ist einerseit ein zeichen des oft in solchen fallen politisch abhangigen sicherheitsrates, aber zugleich auch ein schlechtes signal nach aussen. denn nun wird die aussichtlosigkeit einer friedlichen losung in syrien signalisiert, die nur kontraproduktiv sein kann. zumindest hatte die offiziele begrundung des rucktritts anders lauten mussen!

Gast: Bewunderer
03.08.2012 17:36
0 1

Spätpensionist

Mit 74 Jahren gibt Kofi auf. Es ist bewundernswert, dass sich jemand so lange und über das gesetzliche Pensionsalter hinaus für den Frieden auf der Welt einsetzte.
Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, so steig ab.
Mögen Kofi Annan weiter leuchtende Diplomaten folgen und einen Gegenpol darstellen, zu den dunklen Führern der Welt wie Adolf H. Josef S. und Al Assad.

Gast: dauergast
03.08.2012 16:37
4 0

aus die maus

endgültiges aus für den globalistenspin - die party ist vorbei!

gerade meldet reuters:

"The chief leader of Syrian Free Army (FSA) has stated on Friday that the Syrian Free Army has tactically withdrawn from Aleppo province after
severe clashes took place yesterday between the regular army and FSA

In his first “unusual” statement, Riad Al-Asaad said that the Syrian Free Army will withdraw from all Syrian cities due to the huge losses caused upon the soldiers, as well, the betrayals made by rebels, due to in-fighting amongst them, for money and positions. They are expected to re-coordinate in Turkish territory where they have set up secret bases under the close supervision with the Turkish government and the Israeli intelligence
service."

und alle diese "phösen Vt´ler" mit ihren "unseriösen quellen und blogs" hatten wieder mal die nase vorne ...

http://blogs.reuters.com/jeffrey-goldfarb/2012/08/03/riad-al-asaad-syrian-free-army-pulls-back-tactically-from-aleppo/


vielleicht täusche ich mich,


aber ich halte Herrn Kofi Annan grundsätzlich für einen integren Herrn!?

Gast: A.B.C.
03.08.2012 15:37
1 0

Hat wer was anderes erwartet

Es kommt nicht oft vor, dass jemand sein Scheitern zugibt, darum hat er meine uneingeschränkte Hochachtung, auch dazu gehört Mut, vorallem in der Politik.

Dass er auf verlorenem Posten steht, war unter den Bedingungen doch ohnehin klar, aber immerhin einen Versuch war es wert.

das ist ein Afrikaner

sollte als erstes in Afrika "aufräumen"

hat dann für die nächsten 500 Jahre zu tun

Re: das ist ein Afrikaner

Afrikaner, Asiate, Amerikaner oder wer auch immer, solche Statements spielen den Kriegstreibern in die Hände.

Mensch bleibt Mensch, und der ist im Gegensatz zur Meinung der Medien zu 99% friedlich, hilfsbereit und tolerant.
Wer das nicht glaubt sollte anstatt Nachrichten zu lesen mit seinem Nachbar sprechen.

Gast: Das Freie österreichische Bundesheer
03.08.2012 11:29
7 0

Mit welcher copy&paste Arbeit

wird das österreichische Aussenministerium heute wieder seine intellektuelle Kapazität eindrücklich unterstreichen? Wir sind gespannt!

Kofi Annan vermittelt nicht mehr ...

Für die Katz, das Ganze.

Abgedackelte Polit-Funktionäre und Geltungsdrang: Zwillingsbrüder! Wären sie in ihrer aktiven Funktion nur halb so agil - die Welt wäre i. O.!

Niete ?

Mit Herrn Anann verbinde ich eine Vielzahl von diplomatischen Pleiten

2 1

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/prof-michel-chossudovsky/der-krieg-der-usa-und-der-nato-gegen-syrien-werden-sich-westliche-und-russische-marineverbaende-bal.html


Gast: *** Mark Poller ***
02.08.2012 20:12
13 5

Ein zynischer Westen auf Seiten der Halsabschneider!

"Syriens Opposition" - das sind großteils islamistisch geprägte Religionskämpfer (Sunniten gegen Schiiten gegen Alawiten gegen Christen gegen...), gewöhnliche Verbrecher, extremistische Islamisten und angehende Terroristen, die aus dem gesamten arabischen Raum nach Syrien geschafft worden sind.

Wenn hier die Staatsmacht Assads ausgeschaltet wird dann erst steht das tatsächliche Blutbad bevor!

Was tatsächlich abläuft hat man ja an den sog. "Massakern" gesehen:

Die "Aufständischen" verwickeln die Armee in der Nähe ihrer geplanten Opfer in Kämpfe. Sind die Kämpfe in vollem Gange schicken die "Aufständischen" ihre Mörder und Halsabschneider in die Häuser der zuvor genau ausgesuchten Opferfamilien und schneiden ihnen die Kehle durch, während draußen die Regierungs- Artillerie zu hören ist.

Dann verschwinden die Halsabschneider und die Leute mit den Kameras kommen. "Böser böser Assad! Ihr müsst uns helfen."

Ein widerliches zynisches "Freiheitskämpfer"- Spiel! Und Obama fördert es mit 25 Millioen Dollar!

Re: Ein zynischer Westen auf Seiten der Halsabschneider!

Ich weiß nicht ob es hier tatsächlich so ist. Neu wäre diese Strategie jedenfalls nicht.
Leider ist es kaum möglich als Ottonormalverbraucher die Seriosität derartiger Berichte zu prüfen.

Unschuldsengel werden in diesem Fall beide nicht sein. Wer schlimmer ist? Keine Ahnung.

Antworten Gast: werbistdu
02.08.2012 22:08
2 11

Re: Ein zynischer Westen auf Seiten der Halsabschneider!

Ich denke, daß es genau andersherum abläuft.

6 4

kofi

der kofi hat sich ja dem geldaldel zugsprochen und ist berater diverser hetschfonds der gute junge

13 0

Die Sch*iakämpfer schaffen es vielleicht gar nicht -

das frustriert jeden Vollkoffer!

Gast: Das Freie Österreichische Bundesheer
02.08.2012 18:44
16 2

Das Aussenministerium als Unterstützer der Rebellen

trägt eine gehörige Mitschuld an dieser Situation.

Wer einen Bürgerkrieg anfacht, muss sich über die Resultate nun nicht wirklich überrascht geben.

Gast: xxxx
02.08.2012 18:41
5 3

Marionette

war und ist sowieso immer noch nur ein Marionette!

Gast: GoofyAnnan
02.08.2012 18:26
5 4

Rückgabe

dann geben sie jetzt bitte den friedensnobelpreis zurück.

3 2

Re: Rückgabe

Moment!! Aber erst nach dem US Präsidenten!


Re: Ein ganz normaler Tag in Aleppo....

http://www.youtube.com/watch?v=SyQIv5wyYGE