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Brasilien: Das System Lula steht vor Gericht

02.08.2012 | 18:24 |  von unserem Korrespondenten Andreas Fink (Die Presse)

Ein Korruptionsskandal gigantischen Ausmaßes erschüttert die sozialistische Regierungspartei. Es geht um satte 50 Millionen Euro. 38 Personen stehen vor Gericht. 44.265 Seiten füllen die Prozessakten.

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Buenos aires/Brasilia. Für Brasiliens Presse ist es ein Jahrhundertprozess, für die regierende Arbeiterpartei ist es ein Albtraum. Und für den obersten Gerichtshof ist das Verfahren, das nach siebenjähriger Ermittlungszeit am Donnerstag in der Hauptstadt Brasilia begann, die größte Herausforderung seiner Geschichte. 44.265 Seiten füllen die Prozessakten.

Verhandelt wird einer der größten Korruptionsskandale in der Geschichte des Landes. 38 Personen, darunter drei ehemalige Minister, frühere Abgeordnete, Werbeunternehmer, Banker und vor allem prominente Figuren der brasilianischen Arbeiterpartei PT stehen vor Gericht. Betroffen ist also die politische Heimat der aktuellen Präsidentin – und ihres populären Vorgängers Luiz Inácio Lula da Silva.

Auch wenn er selbst nicht zu den Angeklagten gehört, kann das Verfahren Schatten werfen auf das immer noch strahlende Image des vor 20 Monaten aus dem Amt geschiedenen „Sohnes des Volkes“. Denn die verhandelten Delikte wurden während seiner ersten Amtszeit begangen. Vor Gericht steht das ganze System Lula.

 

Schwarzgeld für alle Fälle

Die 38 Angeklagten werden beschuldigt, für die Präsidentschaftskampagne 2002 ein gigantisches Sammelsystem für Schwarzgeld aufgebaut zu haben. Nach dem Wahltriumph sei dieses System weiter ausgebaut worden, um Parlamentarier anderer Parteien dazu zu bringen, für Regierungsvorschläge zu stimmen. Das brasilianische Parlament ist traditionell zersplittert, was das Regieren erheblich erschwert. Mit dem „mensalão“, jenen seinerzeit umgerechnet etwa 10.000 Euro, die Abgeordnete oder deren Sekretäre oder Fahrer monatlich bei einer Bank in Brasilia abholten, gelang es der PT, viele ihrer Projekte durchs Parlament zu bringen.

Laut den Ermittlungen wurden die Gelder aus den Werbebudgets von Staatsbetrieben abgezweigt. Mit den Kontrakten für saftige Werbedeals besorgte sich der Agenturchef Kredite bei Banken. Aus diesem Geldtopf stammten die Zuweisungen. „Das war das unverschämteste System von Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder, das jemals in Brasilien aufgedeckt wurde“, sagte Generalstaatsanwalt Roberto Gurgel. Umgerechnet rund 50 Millionen Euro (zum Kurs von 2005) seien entwendet worden. Ein knappes Viertel der Summe konnten die Ermittler aufspüren. Der Rest hat sich verflüchtigt.

 

Kurz vor Amtsenthebung

Als der Skandal 2005 an die Öffentlichkeit kam, stand Lulas Regierung kurz vor der Amtsenthebung. Der Präsident, der stets versicherte, nichts gewusst zu haben, konnte sich retten, die Zuneigung der einfachen Bevölkerung bewahrte ihn vor dem Sturz. Und ermöglichte ihm gar die Wiederwahl 2006.

Dennoch ist es kaum zu glauben, dass der Parteigründer nicht wusste, wie sein engster Mitarbeiter die Parlamentsmehrheiten besorgte. José Dirceu, den die Staatsanwälte als Kopf der „kriminellen Vereinigung“ ansehen, war Lulas Kabinettschef, ein Schwergewicht in der Partei und Nachfolgekandidat. Nun drohen ihm 15 Jahre Haft. Auch das ehemalige PT-Präsidiumsmitglied José Genoino sitzt auf der Anklagebank, wie auch der frühere Schatzmeister. Alle bestreiten die Anschuldigungen.

Wenn auch Schmiergeldempfänger aus anderen Parteien auf der Anklagebank sitzen, so ist die PT jene Gruppierung, die sich am meisten fürchten muss. Mit Grausen sehen die Parteistrategen auf die Kommunalwahlen im Oktober und die in zwei Wochen anlaufenden Werbespots ihrer Gegner. Das Thema „mensalão“ ist ein Gustostückerl für die Gegner von Präsidentin Dilma Rousseff.

Die aktuelle Staatschefin hat mit der Schmiergeldaffäre offenbar nichts zu tun. Während die Geldbündel ausgefolgt wurden, war Rousseff Energieministerin, und Parteinovizin ohne Zugang zu den strategischen Zirkeln. Sollte der Prozess tatsächlich den Säulenheiligen Lula beschädigen, kann das für Dilma Rousseffs politische Zukunft sogar durchaus hilfreich sein. Denn eine erneute Kandidatur des vom Kehlkopfkrebs genesenen PT-Gründers für die Präsidentschaftswahl 2014 wollte bislang niemand ausschließen, am wenigsten Lula selbst.

Auf einen Blick

In Brasilien wird seit Donnerstag ein gigantischer Korruptionsskandal gerichtlich aufgearbeitet: Die sozialistische Regierungspartei PT soll über Jahre aus Staatsbetrieben in Summe 50 Millionen Euro abgezweigt, und damit sowohl den Wahlkampf finanziert als auch Abgeordnete anderer Parteien bestochen haben. Vor Gericht stehen nun drei ehemalige Minister sowie weitere Parteiprominenz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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16 Kommentare

3ª Verhandlungtag

Die Angeklagten freuen sich schon, da es sicher keine Verurteilung für die hohen Köpfe geben wird. Wer wird die Rechnung zahlen der kleine Beamte der die Millionen in Bargeld überbracht hat.

Das ist immer so in Brasilien und wird immer-so bleiben.

50 Millionen

Leute! Es kommt nicht auf den Betrag an sondern das man den ganzen Senat und die Abgeordneten gekauft werden um Idiotengesetze von diesem Halb Alphabet Lula durchzuboxen.

Gast: Suedamerikabeobachter
05.08.2012 04:16
0 0

Feyman-Inserate?

Bei uns ganz normal, in Brasilien ein Skandal? Ich denke, die "Bananenrepublik" ist weitaus korrekter als die "Alpenrepublik".....

Re: Feyman-Inserate?

Das du Österreich eine Alpenrepublik nennst, na gut so da ja 65% des Landes in den Alpen liegt.

Aber ein Land mit 200.000.000 Einwohner, die 6ª Weltwirtschaft ein Land einige hundertmal größer als Österreich ist als Bananenrepublik bezeichnest bezeugt reine Idioten.

nur 50 Millionen

wäre bei uns keiner Rede wert

Gast: Heinzi Kassa
03.08.2012 11:38
0 0

Das neo-liberale Desastersystem

in Österreich hat fehlgeschlagen...das war Schüssel, der die Letztverantwortung für seine Regierung trägt...niemand spricht davon..
aber die Konsverativen sprechen sofort vom "System Lula" das nicht funktionierte..
Das nennt man Doppelmoral

Gast: T. Light
03.08.2012 09:31
0 1

50 Millionen bei diesem riesigen Land?

Das wäre in unserer Bananenrepublik gerade mal Taschengeld für die feine Jagdgesellschaft auf gräflichen Ländereien...

Gast: Mitzi Blankfein
03.08.2012 09:29
0 2

Viel Interessanter wäre zu wissen,

von WEM das Schwarzgeld kam...wer hat Politiker bestochen?
Das sind doch nur die Reichen, die Großkonzerne, die ihre illegalen Machenschaften weiter betreiben wollen...aber darüber spricht man natürlich nicht...

3 1

Das ist nicht das System Lula, das ist das System Sozialdemokratie.


Antworten Gast: wasweißdennich
03.08.2012 11:40
1 0

Re: Das ist nicht das System Lula, das ist das System Sozialdemokratie.

NEIN!

in einer WIRKLICHEN SOZIALDEMOKRATIE dürften keinerlei macheloikes vorkommen.absolut keine.
korruption und bestechung sind verbrechen.auch eine sozialdemokratie kennt gesetze.

Gast: Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance!
02.08.2012 23:39
3 0

Brasilien: Das System Lula steht vor Gericht???....

....eines Tages wird es heissen:
Österreich: Das System Gaggi steht vor Gericht, WAU, da wird es fayen!

Gast: Backgammon
02.08.2012 22:15
2 0

nur 50 Mille?

Was soll das Theater in Österreichistan kommt man wegen so einem kinkerl Betrag nicht einmal in die Zeitung.

Für das Geld bekommst ja nicht mal 20m Skylink.
;) Ach diese Südamerikaner müssen noch viel lernen, am besten mal paar Experten aus Österreichs Regierung kommen lassen, die zeigen dann wie Leistungsträger Geld zur Seite schaffen.


Antworten Gast: wasweißdennich
02.08.2012 22:44
2 0

Re: nur 50 Mille?

bei einer anderen sach kommen einem auch gleich die tränen...
renovierungskosten parlament wien:veranschlagte 300 mio €.auf kosten der steuerzahler natürlich.das sind ca.4 milliarden alte ats.dafür kann man 100 neue parlamente bauen.
renovierungskosten colosseum rom:veranschlagte 25 mio €.bezahlt von sponsoren.

klickert was?

:-(((((((
renovierungsko

Gast: AmBodenBleiben
02.08.2012 20:28
8 0

50 Millionen Euro???


Diesen Betrag schlägt das kleine Österreich schon alleine mit seiner KONSUM Pleite um Häuser:

Damals legte der Konsum Österreich eine Insolvenz hin, die ein Gesamtausmaß von 26 Milliarden Schilling umfasste. Betroffen waren 17.000 Mitarbeiter und 700.000 Genossenschafter. Das österreichweite Filialnetz wurde zerschlagen und von den Lebensmittelketten Spar, Billa, Adeg, Löwa und Meinl übernommen. Insgesamt wechselten so 630 Filialen den Betreiber.

Antworten Gast: der blanke wahnsinn!!!!!
02.08.2012 20:52
5 1

Re: 50 Millionen Euro???

und die kohle landete - -wie üblich - im bauch und auf den konten der nossinnen und nossen...

Antworten Gast: kommentar zur situation...
02.08.2012 20:50
2 0

Re: 50 Millionen Euro???

Es geht um satte 50 Millionen Euro

grad fiel mir dasselbe ein...

da können wir doch locker mithalten...

und nun schaue man sich mal die größe von brasilien an und dann unser österreich...

:-(((