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Fällt Spanien in der Krise auseinander?

03.08.2012 | 18:47 |  SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

Die autonomen Regionen rebellieren zunehmend gegen das Spardiktat Madrids, immer mehr Basken und Katalanen wollen sich von Madrid trennen. Für Zündstoff sorgen auch die heftigen Gegenattacken der Zentralisten.

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Wien/Madrid. Das hat der spanischen Regierung gerade noch gefehlt. Zu schaffen machen den Konservativen nicht nur die chronisch leeren Kassen: Jetzt gehen auch noch die widerspenstigen Regionen auf direkten Konfrontationskurs zu Madrid. Erst zu Wochenbeginn bekam Spaniens konservativer Premier Mariano Rajoy einen bitteren Vorgeschmack dessen, was laut Experten bald zu einer Staatskrise eskalieren könnte. Als der Regierungschef Vertreter der 17 Regionalregierungen nach Madrid rief, um von ihnen Einsparungen einzufordern, bekam er von den beiden bevölkerungsreichsten Regionen die kalte Schulter gezeigt: Andalusiens Wirtschaftsministerin verließ gleich zu Beginn das Treffen. Ihr katalanischer Kollege war erst gar nicht erschienen.

 

Machtlose Zentralregierung

Die Finanzkrise hat die alten Wunden im spanischen Staatsapparat wieder aufgerissen: Nahezu die Hälfte der spanischen Regionen steht vor der Insolvenz. Aber von den verhassten „Madrileños“ will man sich in der Provinz nichts vorschreiben lassen. Dabei tragen die Regionen eine große Mitverantwortung für die Schuldenmisere: Eigentlich sollte 2011 die Neuverschuldung Spaniens höchstens sechs Prozent des BIPs betragen, es wurden aber 8,51 Prozent. Schuld daran waren vor allem die Regionen. Sie haben eigene Parlamente, Regierungen, verwalten und finanzieren das Gesundheitssystem, Schulen und Infrastrukturprojekte. Ein teures System: Auf den Märkten entstehen „große Vertrauensverluste, weil Madrid die öffentlichen Ausgaben der Regionen nicht beeinflussen kann“, heißt es in einer Studie der Denkfabrik Open Europe.

Die Kontrolle scheint Madrid tatsächlich immer mehr zu verlieren – vor allem in Katalonien. „Die Beziehungen sind schlechter denn je“, sagte der langjährige katalanische Regierungschef Jordi Pujol in einem Interview. Laut Umfragen spricht sich erstmals seit Ende der Franco-Diktatur mehr als die Hälfte der Katalanen für ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region aus. Der gemäßigte Nationalist Pujol hat während seiner Regierungszeit von 1980 bis 2003 viel für die katalanische Eigenständigkeit erreicht: Heute wird in dortigen Schulen, Universitäten, Spitälern und öffentlichen Behörden nur Katalanisch gesprochen. Die Unabhängigkeit verlangte er aber niemals. „Die Umstände haben sich verändert“, sagt er.

Grund für die Radikalisierung sei die Wirtschaftskrise, ist der 81-Jährige überzeugt, und die vom unbeliebten Madrid verordneten Sparprogramme. Tatsächlich steht Katalonien mit 42 Milliarden Euro in der Kreide, keine andere Region hat so hohe Schulden. Für leere Kassen sorgen der aufgeblähte Beamtenapparat oder Institutionen wie katalanische Vertretungen im Ausland. Teuer kamen auch ruinöse Bauprojekte wie der heute kaum genutzte Flughafen von Lleda. Die stolzen Katalanen leisteten sich sogar eine eigene Fluglinie – die bereits nach einem Jahr pleite ging.

 

Steuerhoheit für Katalanen

Geschickt lenkt die gemäßigt nationalistische katalanische Regierung von der Tatsache ab, dass die Misere großteils selbst verschuldet ist. Der wegen seines harten Sparkurses stark unter Druck geratene Premier Artur Mas setzt verstärkt auf die nationalistische Karte. Die Krise wäre besser in den Griff zu bekommen, wenn man noch mehr Eigenständigkeit besäße, poltert er. Und fordert die volle Steuerhoheit für Katalonien ein – wie im Baskenland und Navarra. Die radikalen Töne kommen gut an. Es ist kein Zufall, dass bei den Demonstrationen gegen das rigide Sparpaket immer mehr katalanische Fahnen wehen.

Auch im Baskenland haben die Separatisten neuen Aufwind bekommen. Anders als Katalonien wurde die Region von der Krise relativ verschont. Mit etwa 12 Prozent liegt die Arbeitslosigkeit in der industriellen Hochburg des Landes weit unter dem spanischen Durchschnitt. Für radikale Nationalisten eine Bestätigung, dass sich die Abwendung von Madrid lohnt: Überraschende Erfolge erzielte denn auch bei den spanischen Parlamentswahlen im vergangenen Jahr die separatistische Gruppierung Amaiur, die heute mit sieben Sitzen im Parlament vertreten ist – mit zwei Sitzen mehr als die regierenden baskischen Nationalisten. Beobachter befürchten eine Radikalisierung bei der baskischen Regionalwahl 2013.

 

„Das ist ein Verrat am Vaterland“

Spaniens „Unabhängigkeitskämpfer“ könnten aber noch von einer ganz anderen Seite ungewollte Hilfe erhalten. Mit immer heftigeren Attacken melden sich jetzt auch die Zentralisten zu Wort. Etwa Esperanza Aguirre, konservative Chefin der Regionalregierung von Madrid: Sie fordert, dass die Regionen ihre Zuständigkeiten und ihre Parlamente abschaffen: „Damit könnten wir 48 Milliarden Euro im Jahr sparen.“ „El Mundo“ schreibt, was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre: „Wir können uns in dieser Zeit keinen Apparat mit 17 Regionen leisten, die wie Mini-Staaten funktionieren.“ Und die erzkonservative „ABC“ bezeichnet die „störrische Haltung der Regionen“ als „Vaterlandsverrat“. Bisher hat Premier Rajoy aus gutem Grund die Konfrontation mit den Regionen gescheut. Die Frage ist, wie lange er sich das noch leisten kann.

Grafik: Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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64 Kommentare
 
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Gast: k.u.k Feldmarschall
05.08.2012 21:48
0 1

Die Rechnung der fleissigen arbeitsamen Südländer ist klar: Statt einem Spanien bringen 5 neue Regionen eben 5 x 100 Milliarden Euro

Denn zahlen muss ja der faule Norden, sonst ist es nichts mit dem Sommerurlaub.

Gast: AN: „Die Gedanken sind frei!“ und an seine Reaktionäre.
05.08.2012 13:06
2 0

Schauen wir einmal, was sich Österreich noch so leistet, bei den von Ihnen erwähnten, verhältnismäßig wenigen Einwohnern, die das Ländchen hat:

Alle Zahlen sind hier immer das offizielle Einkommen pro Jahr!

Heinz Fischer: €319.000 (bei 8,4 Millionen Einwohnern!)

Barack Hussein Obama: €308.000 (311 Mio. Ew.)

Faymann: 285.600

Merkel: 272.500 (81,8 Mio. Ew.)

Michael Häupl – Bürgermeisterchen Wiens!: 228.500 (2,4 Mio. Ew.)

Schwarzenegger – als Gouverneur Kaliforniens: 162.000 (37,2 Mio. Ew.)

Landeshauptleute in good old Austria:

Pröll (NÖ): 228.500; Burgstaller Gabi (S): 222.800; Voves (ST): 217.000 und so weiter und so fort.

Unser Weibchen Glawischnig bekommt mit 194.000 Euronen sogar mehr als die US-Außenministerin Hillary Clinton, der umgerechnet nur 142.400 Euro zugesprochen werden.

Gast: wassolls
04.08.2012 20:45
4 2

gebt den Völkern die Freiheit

wenn ein Volk nicht in die durch jahrhunderte Krieg und Heiratspolitik gezogenen Grenzen wollen sollen sie rein demokratisch frei werden, warum nicht?
evtl weil sich kleinere Einheiten nicht so einfach versklaven lassen wie große da die Erfolgsaussichten bei Änderungen wesentlich höher sind..
gilt auch für die EU

0 4

Mehr direkte......

Bei der Lektüre vieler Postings von heute, beginnt mir vor einem Mehr an direkter Demokratie zu grausen !!

4 1

Regionen und Bundesländer

Kommt mir alles so bekannt vor !!

Gast: Finsy
04.08.2012 17:10
2 4

bei uns bitte auch

wenn wir doch kärnten in die unabhängigkeit schicken könnten. da hätten wir wengiger schulden, vor allem müssten wir nicht für milliarden an garantien geradestehen und zu uns anderen 8 bundesländern haben die noch nie gepasst.

Antworten Gast: mahedeswoarknopp
04.08.2012 19:07
1 0

Re: bei uns bitte auch

Doch - weil es sicher bald EU-Mitglied sein wird.

1 0

Re: Re: bei uns bitte auch

Warum? die kärntner regierung, schreit doch am lautesten raus aus dieser EU und keine transferunion.

Antworten Antworten Antworten Gast: mahedeswoarknopp
05.08.2012 19:21
0 0

Re: Re: Re: bei uns bitte auch

Dann werma des wegen den wirtschaftlichen Verflechtungen zahlen...

Gast: Wenn Spanien
04.08.2012 15:09
0 1

auseinander fällt, haben andere Staaten die noch höhere Chance!

Hier sollten Sie die Auslandsverschuldung Irlands und Englands mit der Auslandsverschuldung Griechenlands, Frankreichs, Portugals, Spaniens und Italiens vergleichen (Spalte zwei und vier!), wobei es sich auch noch bei Deutschland bezahlt macht, weil die Auslandsverschuldung mehr aussagt als die reine Staatsverschuldung:

http://www.usdebtclock.org/world-debt-clock.html

Spalte eins: PUBLIC DEBT TO GDP RATIO - The cumulative total of all government borrowings less repayments that are denominated in a country‘s home currency.

(Die Gesamtsumme aller öffentlichen Anleiheschulden unter Berücksichtigung von Rückzahlungen, die in eigener Währung gehalten werden.)

Spalte zwei: EXTERNAL DEPT TO GDP RATIO - The total public and private debt owed to nonresidents repayable in foreign currency, goods, or services.

(Die gesamten öffentlichen und privaten Schulden im Ausland; rückzahlbar in ausländischer Währung, in Waren oder in Form von Dienstleistungen.)

Gast: Die Gedanken sind frei!
04.08.2012 12:12
6 2

Österreich leistet sich mit 8.419.000 Millionen Einwohnern 9 Region mit eigenständigem Landtag, Spanien mit 46.235.000 Einwohnern 17 Regionen.



4.203.181 Einwohner pro Region in Spanien
0.935.444 Einwohner pro Region in Österreich
0.835.971 Einwohner pro Region in Österreich ohne Wien
0.750.000 Einwohner pro Region in Österreich ohne Großraum Wien

Re: Österreich leistet sich mit 8.419.000 Millionen Einwohnern 9 Region mit eigenständigem Landtag, Spanien mit 46.235.000 Einwohnern 17 Regionen.

Wie besprochen, wer beaucht die roten Verluderungsprovinz namens Wien? :)

Antworten Antworten Gast: ueberlegtmal
04.08.2012 19:05
0 0

Re: Re: Österreich leistet sich mit 8.419.000 Millionen Einwohnern 9 Region mit eigenständigem Landtag, Spanien mit 46.235.000 Einwohnern 17 Regionen.

Genau: wir sind Niederrösterreicher. Wenn wir uns aber NÖ anschließen, kann der Pröll aber nimmer schalten und walten wie er will (und auch Häupl - hey, das ist eine Überlegung wert!)

Re: Re: Österreich leistet sich mit 8.419.000 Millionen Einwohnern 9 Region mit eigenständigem Landtag, Spanien mit 46.235.000 Einwohnern 17 Regionen.

Wer braucht Sie???

Re: Österreich leistet sich mit 8.419.000 Millionen Einwohnern 9 Region mit eigenständigem Landtag, Spanien mit 46.235.000 Einwohnern 17 Regionen.

Österreich leistet sich nicht 9 Regionen, es ist eine Föderation aus 9 Gliedstaaten (und vergleichen Sie die mal mit den Schweizer Kantonen - dass die Schweiz aber ungleich besser verwaltet ist als Österreich - und Österreich immerhin noch besser als Spanien, werden Sie ja kaum bestreiten können). Und die können allemal so leicht gehen wie die Regionen Spaniens, wenn die Bedingungen nicht mehr passen sollten oder der Zentralstaat droht.

Re: Re: Österreich leistet sich mit 8.419.000 Millionen Einwohnern 9 Region mit eigenständigem Landtag, Spanien mit 46.235.000 Einwohnern 17 Regionen.

Das Problem ist,die wollen das sich alles abspaltet voneinander damit sie alles leichter kontrollieren können !
Spalte und regiere,das war schon immer so !

Gast: Lachen aus dem Publikum
04.08.2012 11:28
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Immer mehr Basken und Katalanen wollen sich von Madrid trennen

Zwei neue EU-Mitgliedsstaaten?

Antworten Gast: zhav
04.08.2012 19:04
2 0

Re: Immer mehr Basken und Katalanen wollen sich von Madrid trennen

Zwei hart arbeitende Völker, die die EU weiterbringen würden, im Gegensatz zu manchen anderen Regionen in Spanien.

Viele Köche verderben den Brei!


Diese Binsenweisheit gilt natürlich auch im Politalltag und das ungenießbare Gericht kann nicht mit der daneben liegenden Serviette, auf der große "Demokratie" gedruckt steht, übertüncht werden!

Antworten Gast: kakophonie
04.08.2012 18:57
4 0

Re: Viele Köche verderben den Brei!

Wieso brach die K&K-Monarchie auseinander? Ja, natürlich auch wegen der Verschwendungssucht des Kaisers, aber auch wegen der Kakophonie der Zehn Sprachen im Parlament. Im Eu-Parlament gibt es 27.

Gast: Be-obachter
04.08.2012 09:58
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Erfreuliche Entwicklung!

Dass die Dezentralisierung ein erster wichtiger Schritt zur Krisenbewältigung ist, davon bin ich felsenfest überzeugt.
Ein großes Konstrukt kann sich eben nicht um jede einzelne Region kümmern, die dann vernachlässigt wird und verwelkt.
Lokalpolitiker haben den besseren Überblick, sind der Bevölkerung verbunden und sind direkt ansprechbar. Bei einer Zentralregierung ist das nicht möglich, da werden die Politiker von der Bevölkerung abgeschirmt und leben abgehoben auf Wolke 7.

Antworten Gast: amischreck
04.08.2012 18:59
0 0

Re: Erfreuliche Entwicklung!

Ohne EU und Euro überlassen wird die Weltwirtschaft wieder den Amis. Super. Es gehört nur ein Bißchen geändert.

Antworten Gast: Fred Feuerstein
04.08.2012 17:11
1 1

Re: Erfreuliche Entwicklung!

zu Beobachter:

Ich gebe dir 100 %-ig Recht mit deiner Ansicht, dass kleinere Einheiten, egal ob Dörfer, Städte, Bezirke, Bundesländer besser zu regieren sind. Dort wo jeder jeden kennt, gibt es keine Korruption. Nur die Politiker wollen alles immer größer machen, bis der Punkt erreicht ist, wo es unüberschaubar wird. Dann können die unfähigen, größenwahnsinnigen Politiker ihr korruptes Spiel aufziehen, weit entfernt von den Bürgern. Small is beautiful ! hat schon ein berühmter österreichischer Ökonom gesagt und er wusste wovon er spricht.

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"Dort wo jeder jeden kennt, gibt es keine Korruption"

Das wird in jedem beliebigen österreichischen Kuhkaff von der heiligen Dreifaltigkeit Bürgermeister, Baumeister, Raika-Fillialleiter widerlegt.

Antworten Antworten Antworten Gast: hawara
04.08.2012 20:58
2 0

Und je größer das Kuhkaff, desto leichter ist Korruption

Auch Wien ist ein Kuhkaff, mit grünen Kühen und roten Ochsen. Nur gemolken werden dort die Leistungsträger.

Antworten Antworten Antworten Gast: nzv
04.08.2012 19:00
4 0

Re: "Dort wo jeder jeden kennt, gibt es keine Korruption"

Nicht zu vergessen den Wirten, den Pfarrer, den Arzt...

 
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