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Belgrad legt Notenbank an die Leine

05.08.2012 | 15:24 |   (DiePresse.com)

Brüssel sieht durch das Zentralbankgesetz einen Rückschlag für Annäherung zur EU. Die Regierung will sich damit die Unterstützung für ihre Politik sichern.

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Der EU-Beitrittkandidat Serbien hat gegen internationalen Protest die Unabhängigkeit seiner Nationalbank beschnitten und die Notenbank an die Leine der Regierung gelegt. Das Parlament verabschiedete am Samstag in Belgrad ein entsprechendes Gesetz. 139 Abgeordnete der Regierungsparteien stimmten dafür, 39 waren dagegen. Der amtierende Nationalbank-Gouverneur Dejan Soskic war wegen dieses Eingriffs in seine Kompetenzen unter Protest zurückgetreten. Nach seiner Darstellung will die Regierung des vor dem Bankrott stehenden Balkanlandes auf diesem Wege an die Devisenreserven in Höhe von über zehn Mrd. Euro kommen.

Die USA, die EU, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) waren gegen das neue Nationalbankgesetz Sturm gelaufen. Indem sich die neue nationalkonservative Regierung in Serbien mehr Kontrolle über die Zentralbank verschafft, riskiert das Land massive Rückschritte bei den Bemühungen um einen EU-Beitritt.

"Deutliche Implikationen" für Kredite

Die Gesetzesänderungen könnten auch finanzielle Folgen für das wirtschaftliche angeschlagene Land haben. Der IWF erklärte noch vor Verabschiedung des Gesetzes am Samstag, die Pläne hätten "deutliche Implikationen" für Kredite im Volumen von einer Milliarde Euro. Der IWF hatte das Programm angesichts der steigenden Schuldenlast des Landes im Februar auf Eis gelegt. Die neue Regierung von Ministerpräsident Ivica Dacic will darüber neu verhandeln.

Die Regierung erhält durch die Gesetzesänderungen deutliche Mitspracherechte bei personellen Fragen der Banken-Führung und kann das Handeln der Bank im Sinne ihrer Politik beeinflussen. Zentralbankchef Soskic war am Donnerstag, als der Gesetzentwurf im Parlament debattiert wurde, aus Protest gegen das Vorhaben zurückgetreten. Seine Nachfolgerin soll eine Parteifreundin des nationalkonservativen Präsidenten Tomislav Nikolic werden. Nikolic schlug die Finanzexpertin Jorgovanka Tabakovic am Sonntag vor, meldeten Belgrader Medien. Sie könnte schon am Montag vom Parlament zur neuen Zentralbankchefin gewählt werden.

Regierung betont engere Zusammenarbeit

Die Regierung wies den Eindruck zurück, die Unabhängigkeit der Zentralbank sei durch die Änderungen in Gefahr. Die Bank solle angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Landes lediglich enger mit der Regierung zusammenarbeiten, teilte die Koalition mit. Als Reaktion auf die Kritik hatte die Regierung einen Punkt aus dem Gesetz gestrichen, nämlich den Kauf serbischer Staatsanleihen durch die Zentralbank.

Serbien steckt in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit steht bei 25 Prozent, die Inflation ist mit mehr als zehn Prozent die höchste in ganz Ost- und Mitteleuropa.

Der Fall weckt Erinnerungen an die Vorgänge in Ungarn. Auch dort hatte eine Änderung der nationalen Gesetze zugunsten von mehr Einfluss der Regierung auf die Zentralbank für Schlagzeilen gesorgt. Die rechtsgerichtete Regierung von Viktor Orban hat die Pläne später abgemildert, weil die EU drohte, dem Land den Geldhahn zuzudrehen. Anders als Serbien ist Ungarn aber bereits Mitglied der EU.

(APA/dpa/Reuters/sda )

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12 Kommentare
Gast: Sachse
07.08.2012 06:24
0 0

Jeder waehrt sich von den Tycoons

Ich finde es immer merkwuerdig wie die ehemalige DS Politiker und derren Anhaenger immer die Tycoons nutzen als Argument fuer ihre STellung.
Fakt ist: Wie der Soskic die Nationalbank steuerte, er diente ausdruecklich die Interesse der Tycoons, und das alles im Absprache mit den DS-Oligarchen.
Serbien ist aus "humanitaeren Gruenden" angegriffen worden. Vielleicht zur Zeiten oekonomischen Krisen, sollte man auf die Unabhaengigkeit mancher Institutionen verzichten um irgendwas positives zu schaffen. Aber wie es aussieht, Bruessel ist offensichtlich zu weit Weg um irgendwas verstehen zu koennen.

Gast: Betrachter
06.08.2012 13:33
0 0

"Unabhängigkeit" der Notenbank

Die Frage bei Unabhängigkeit ist immer:
Von wem ist/wäre der Einzelne unabhängig und von wem ist/wäre der Einzelne (dann) abhängig?

Momentan sind so manche Notenbanken wie die amerikanische FED zB unabhängig vom Staat, aber haben private Besitzer.
Ist dies eine "Unabhängigkeit", die zum >Vorteil des Volkes< ist?

Eine Zentralbank im Besitze Weniger ist nicht (!) unabhängig allen gegenüber,
denn diese ist abhängig (!) von deren Besitzern. Diese können die Zentralbanken
nach Willkür zum Eigenvorteil steuern: Dass Besitzer ersichtlich nicht einmal der
Öffentlichkeit bekannt sind, widerspricht eigentlich jedem Verständnis eines modernen demokratischen Staates.

Ein solcher hat dem Gedanken nach die Aufgabe die Gleichheit aller (!) Bürger zu
gewährleisten und das Gesamtgefüge aller (!) Personen im Staat durch Legislative,
Judikative und Exekutive zum Gesamtwohl, aber auch zum Wohle des Einzelnen zu gewährleisten.
Beides ist mit Zentralbanken in privatem Besitz nicht gewährleistet.

Über Zentralbanken kann man die Menge des Geldes steuern und so nach Willkür Krisen schaffen. Da deren Besitzer durch Gesetze zur "Unabhängigkeit" (!?) nicht kontrolliert werden, ist diese Willkür Weniger über das Wohl aller und auch jedes Individuums des Kollektives konstante Realität. Wer die (gesetzliche) Geldschöpfung inne hat, steuert die Wirtschaft.
Private Zentralbanken dienen nur dem privaten Interesse von deren besitzenden
Personen durch die Monopolstellung über die Geldschöpfung.

0 1

unabhängig, dass ich nicht lache.

Genauso unabhängig wie die EZB?? Die sollen sagen wie sies meinen. Es geht nicht um eine unabhängige Zentralbank, es geht der EU um eine EZB-hörige (und damit der EU-Politik unterworfenen) Zentralbank.

Leider machen die nationalen Politiker auch keine wirklich vernünftigere Geldpolitik. Für die stellt die Zentralbank meist einen Bankomaten ohne Limit dar.

1 0

EZB Unabhängigkeit

Na zum Glück ist zumindest die EZB unabhängig. Jetzt kann ich beruhigt schlafen.

Freunde in Serbien, ihr macht das falsch!!!!

Man installiere PARTEIBUCH-ABHÄNGIGE, so wie in Österreich!!

Die müssen dann alle 4 Jahre neu installiert werden und pissen sich mehrheitlich zwischendurch in die Hose, ob sie wiederbestellt werden!

Also, da braucht es keinen Durchgriff, das geht anders!!

"Privatisierte Staatsunternehmen hätten viele der... Oligarchen nur ausgeraubt"

Böse Staatsunternehmen! Rauben doch glatt die Oligarchen aus.

Antworten Gast: donso
06.08.2012 14:05
0 0

Re: "Privatisierte Staatsunternehmen hätten viele der... Oligarchen nur ausgeraubt"

Der Text lautet:

"Privatisierte Staatsunternehmen hätten viele der „über Nacht“ reich gewordenen Oligarchen nur ausgeraubt, die Immobilien verkauft, die Mitarbeiter entlassen."

@greentwig: Die Staatsunternehmen wurden privatisiert, also entstaatlicht.
Damit sind diese nicht mehr Staatsunternehmen.

@diepresse: Ich muss sagen, ich verstehe die Logik des Presse-Textes oder die Logik von Šoškić nicht ganz:

Der Exnotenbanker Šoškić regt sich auf, dass Staatsunternehmen privatisiert wurden (was eigentlich ja staatlichen Besitz in private Hände verteilt und so manche über Nacht reich macht, eigentlich oft Oligarchen schafft-> siehe auch Zusammenbruch des Kommunismus in der Sowjetunion zB-> viele wurden durch Staatsbesitz in private Hände verteilen eben über Nacht reich)-

eigentlich wäre ja: "Privatisierte Staatsunternehmen hätten viele „über Nacht“ zu Oligarchen reich gemacht, da diese (dann) die (vorher staatlichen) Immobilien verkauft, die Mitarbeiter entlassen haben" logischer, oder?

Verstehe ich etwas falsch, beschreibt Šoškić dies unlogisch oder hat diepresse einen Fehler in der Satzkonstruktion (unabsichtlich) geschaffen?

Gast: modskue
06.08.2012 06:58
0 0

Ja Laiwaund!

Nehmts die Serben nur auf, das ist dann ein weiteres Land das wir aushalten dürfen. PIIGS scheint ja nicht genug zu sein! Irgend ein Schirm wird sich für die Serben dann schon finden!

Gast: HB4242
05.08.2012 19:40
3 0

Belgrad greift nach der Notenbank ...

Das haben die Amis vor über hundert Jahren verabsäumt !

Und die ganze Welt leidet noch heute darunter ....

3 1

Serbien

Besorgt und empört sind sie, die Herren von der Erweiterungskommission und andere EU-Funktionäre.
Was haben die Leute denn von einer neuen Kommunistenführung erwartet ?
Nur weil die Serben sich jetzt Sozialisten nennen, ändert sich bei ihnen nicht sehr viel. Aber statt zu jammern, sollte die Kommission bekanntgeben, dass ohne Unabhängigkeit der Notenbank der Kandidatenstatus fällt. Was anderes verstehen dier nicht !!

Antworten Gast: Bond
07.08.2012 06:44
0 0

Re: Serbien

Unabhängige Notenbank?
Da kann man nur lachen !

dass den banken das nicht schmeckt kann ich mir gut vorstellen