Bei einem der schwersten Terroranschläge der vergangenen Jahre in Ägypten haben Unbekannte auf der Sinai-Halbinsel an einem Kontrollposten an der Grenze zu Israel 16 Soldaten getötet. Danach versuchten sie am Sonntagabend, mit erbeuteten gepanzerten Fahrzeugen nach Israel vorzudringen, wo nach jüngsten Angaben sechs von ihnen erschossen wurden. Über die Identität der Täter wurde zunächst nichts bekannt. Das israelische Militär vermutete am Montag Beduinen und islamische Gotteskrieger hinter den Anschlägen, in Ägypten war von einer bisher unbekannten Gruppe aus dem Gazastreifen die Rede. Das aber wurde von der dort herrschenden radikal-islamischen Organisation Hamas dementiert. Zunächst bekannte sich niemand zu den Taten.
Das ägyptische Militär leitete eine großangelegte Suchaktion nach möglichen überlebenden Terroristen ein. Der Grenzübergang zum Gazastreifen wurde auf unbestimmte Zeit geschlossen. Helikopter sowie Spezialeinheiten der Armee durchkämmten die Grenzregion. Die Hamas ordnete die vorübergehende Schließung aller Schmugglertunnel nach Ägypten an. Insgesamt sollen zehn Männer an der Aktion teilgenommen haben. Einige von ihnen könnten überlebt haben.
Ägyptische Medien zitierten namentlich nicht genannte Sicherheitskreise, die behaupteten, die Angreifer gehörten einer bisher nicht bekannten extremistischen Gruppe aus dem Gazastreifen an. Sie seien durch einen der zahlreichen illegalen Tunnel, die unter der Gaza-Grenze zu Ägypten verlaufen, auf den Sinai eingedrungen.
Mursi: "Verantwortliche werden bezahlen"
Das ägyptische Präsidialamt hat den tödlichen Angriff auf einen Kontrollposten nahe der Grenze zu Israel als "feige Attacke" verurteilt. Der Angriff werde "nicht ohne Antwort bleiben", erklärte das Büro von Präsident Mohamed Mursi in der Nacht zum Montag. Die Verantwortlichen für das Verbrechen würden "teuer dafür bezahlen".
Der Wahlsieg des Muslimbruders Mursi hatte in Israel Befürchtungen ausgelöst, dass das Nachbarland das Friedensabkommen von Camp David von 1979 aufkündigen könnte. Die Hamas ist ein Ableger der Muslimbruderschaft, sie bestreitet das Existenzrecht Israels. Unter dem früheren Präsidenten Hosni Mubarak hatte Ägypten eine von der eigenen Bevölkerung abgelehnte und als pro-israelisch empfundene Politik verfolgt.
Israels Verteidigungsminister Ehud Barak äußerte vor dem Sicherheitsausschuss der Knesset in Jerusalem die Hoffnung, dass die Anschläge als Weckruf wirkten, damit Ägypten das Chaos auf dem Sinai beende.
Zwei Fahrzeuge explodierten
Nach ersten Erkenntnissen sollen schwer bewaffnete Extremisten die Grenzsoldaten nach Einbruch der Dunkelheit beim Fastenbrechen im Ramadan überfallen haben. Die Angreifer seien anschließend mit den entwendeten gepanzerten Truppentransportern zum Grenzübergang Kerem Shalom gefahren und hätten israelische Grenzsoldaten beschossen. Nach israelischen Angaben explodierte dann eines der Fahrzeuge. Ein zweites habe den Grenzzaun durchbrochen und sei dann von der israelischen Luftwaffe zerstört worden. Die Israelis hatten offensichtlich Informationen, dass ein Anschlag bevorstand.
Die 60.000 Quadratkilometer große ägyptische Sinai-Halbinsel war im Sechstagekrieg 1967 von Israel erobert worden. Nach dem Separatfrieden von Camp David 1979 wurde der Sinai bis 1982 an Ägypten zurückgegeben.
(APA/dpa/AFP)
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