22.05.2013 17:37 Merkliste 0

Syrien: Säulen von Assads Macht bröckeln

06.08.2012 | 18:03 |  von WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Assads Premier Riad Farid Hijab desertierte nach Jordanien. Er gehörte nicht zu dessen engsten Vertrauten, die Symbolik aber ist verheerend. Der Fall Hijab zeigt, wie brüchig das syrische Regime geworden ist.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Es ist eine schwere PR-Niederlage für Syriens Führung: Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt hat sich Premier Riad Farid Hijab vom Regime losgesagt. Syriens Staatsfernsehen meldete am Montag lakonisch, der Regierungschef sei abgesetzt worden. Doch Hijabs Sprecher Mohammed el-Etri stellte im arabische Nachrichtensender al-Jazeera klar, dass sein Chef geflohen sei. Der Premier sei samt Familie nach Jordanien entkommen und arbeite jetzt für die Opposition. Er werde weiter in die Golfmonarchie Katar reisen, die zu den vehementesten Unterstützerinnen des syrischen Widerstands gehört.

„Ich verkünde heute meine Abkehr von dem tötenden Terrorregime“, ließ Hijab durch seinen Sprecher Etri ausrichten. „Ich verkünde, dass ich von heute an ein Soldat dieser gesegneten Revolution bin.“ Hijab stellte zudem klar, dass nun – angesichts seiner Flucht – andere Funktionäre keine Ausrede mehr dafür hätten, weiterhin dem Regime zu dienen.

Gerüchten zufolge sollen sich gemeinsam mit dem Regierungschef auch zwei Minister sowie ein General und eine Reihe weiterer Offiziere abgesetzt haben. Finanzminister Mohammed Jalilati soll bei dem Fluchtversuch von Regimekräften verhaftet worden sein. Im syrischen Staatsfernsehen wurde das zurückgewiesen. Es sendete ein Interview, in dem Jalilati alle Berichte über seine Festnahme dementierte.

Flucht des Jugendfreundes

Der Fall Hijab zeigt, wie brüchig das syrische Regime geworden ist. Der Regierungschef ist der bisher höchstrangige zivile Funktionär, der sich von Machthaber Bashar al-Assad losgesagt hat. Die Symbolik dieses Aktes ist für die Führung in Damaskus verheerend.
Hijab gehörte aber nicht zum innersten Machtzirkel um Assad. Vor allem persönlich schmerzhaft für den Präsidenten war wohl die Flucht seines Jugendfreundes Brigadegeneral Manaf Tlass. Die Leute aus dem engsten Kreis haben Assad bisher aber weitgehend die Treue gehalten.

Mysteriöses Attentat

Größten Schaden nahm die Führungsspitze durch ein Attentat Mitte Juli, bei dem unter anderem Assads Schwager Asef Shawkat ums Leben kam. Bis heute sind die Hintergründe des Anschlags aber nicht völlig klar. Syrische Untergrundkämpfer sagen, mit einer Bombe Shawkat, Verteidigungsminister Dawoud Rajha und hohe Geheimdienstler umgebracht zu haben. Es kursieren jedoch auch wilde Gerüchte, wonach es sich um eine interne „Säuberungsaktion“ gehandelt habe. Shawkat soll in den Wochen vor seinem Tod immer wieder mit Assads Bruder Maher in Konflikt geraten sein.

Maher al-Assad kommandiert die Vierte Panzerdivision und andere Elitetruppen, die dem Regime treu ergeben sind. In diesen Einheiten dienen vor allem Alawiten – eine religiöse Minderheit, der auch der Präsident und wichtige Teile des Regimes angehören. In der alawitischen Minderheit herrscht Angst davor, nach einem Sturz Assads unter die Räder zu geraten. Deshalb halten viele Alawiten weiterhin zum Regime. Die meisten der Funktionäre, die dem Präsidenten nun die Gefolgschaft aufgekündigt haben, sind Sunniten. Und von Sunniten wird auch der Aufstand getragen.

Als Hafez al-Assad, Bashars Vorgänger und Vater, in den Siebzigerjahren seine Machtbasis aufbaute, konnte er sich nicht nur auf die Minderheit der Alawiten verlassen. Es benötige auch eine Anhängerschaft in der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung. So schuf er eine privilegierte Schichte sunnitischer Geschäftsleute, Militärs und Funktionäre der Baath-Partei, die eine wichtige Stütze des Regimes darstellen. Sollte diese Stütze wegbrechen, könnte Assads Herrschaftsgebäude rasch einstürzen.

Revolutionen von oben

Alle bisherigen Umbrüche während des sogenannten Arabischen Frühlings wurden nicht nur durch Revolutionen von unten bewerkstelligt. Sie glückten auch deshalb, weil sie zugleich Revolutionen von oben waren: In Tunesien versagten die Streitkräfte dem Autokraten Zine el-Abidine Ben Ali die Gefolgschaft, in Ägypten drängten die Militärs Präsident Hosni Mubarak aus dem Amt. Und in Libyen liefen schon zu Beginn des Aufstands Teile der Regierung zu den Rebellen über.

In Syrien halten Bashar, sein Bruder Maher und die engsten Vertrauten – gestützt auf alawitische Eliteeinheiten – den Präsidentenpalast weiterhin fest unter ihrer Kontrolle. Doch die Mauern und Säulen rund um sie bröckeln.

Auf einen Blick
Syriens Regierungschef Riad Farid Hijab setzte sich mit seiner Familie nach Jordanien ab. Sein Sprecher gab am Montag bekannt, dass Hijab dem „Terrorregime“ von Machthaber Bashar al-Assad die Gefolgschaft aufgekündigt habe und von nun an für die Opposition arbeite.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

68 Kommentare
 
12

Die Säulen der Macht Assads?


Denen durfte DIESER Überläufer vielleicht den Kaffee reichen.

Presse, wie tief bist du gesunken.

Klarstellung des neuesten Soldaten der gesegneten Revolution

„Ich verkünde heute meine Abkehr von dem tötenden Terrorregime“, ließ Hijab durch seinen Sprecher Etri ausrichten. „Ich verkünde, dass ich von heute an ein Soldat dieser gesegneten Revolution bin.“ Hijab stellte zudem klar, dass nun – angesichts seiner Flucht – andere Funktionäre keine Ausrede mehr dafür hätten, weiterhin dem Regime zu dienen."

Nur gut, dass die CIA-TRevolution niemanden tötet.

Gast: Jean-Clément Jeanbart
07.08.2012 09:53
0 1

Aber wie sagte schon Napoleon so schön: Die Welt liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Im Moment versucht das die sog. Opposition und alle die dahinterstehen, auszuschlachten, danach fallen diese Personen für immer dem Vergessen anheim.

Im Moment versucht das die sog. Opposition und alle die dahinterstehen, auszuschlachten, danach fallen diese Personen für immer dem Vergessen anheim. Und sein Sprecher, ein gewisser Mohammad Otri, hat es mit entwaffnender Offenheit gesagt: “Hijab wird nach Doha gehen”. Stimmt, diese Stadt ist das selbstredende Ziel der Korrupten, ob nun der syrischen oder anderer, gleich welcher Nationalität und Funktion!

Ich hoffe man wird Ihn, seine Freunde und Familien am Galgen hängen. Sollte er syrische Verwandte in Syrien haben, dann müssen Sie ohne standesamtlich erschossen werden.

Re: Aber wie sagte schon Napoleon so schön: Die Welt liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Im Moment versucht das die sog. Opposition und alle die dahinterstehen, auszuschlachten, danach fallen diese Personen für immer dem Vergessen anheim.

....dass man ''standesamtlich'' erschossen
werden kann, ist neu. Aber bitte nicht auch noch falsch zitieren: Napoleon sagte ''man'' - und nicht ''die Welt'' - Monsieur Jeanbart, n 'es-ce pas?...

Antworten Antworten Gast: Bildchen
16.08.2012 01:29
0 0

Re: Re: Aber wie sagte schon Napoleon so schön: Die Welt liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Im Moment versucht das die sog. Opposition und alle die dahinterstehen, auszuschlachten, danach fallen diese Personen für immer dem Vergessen anheim.

Et tu, Brute?

Gast: Uli
07.08.2012 08:57
0 1

wahre Begebenheiten

aufzueigen wird wohl von unseren Medien nicht zu erwarten sein.

Somit kann/muss man es sich selbst zusammenpuzzeln:

-der CIA und Mossad ist schon länger in Syrien aktiv,kurz bevor es offiziell auffliegt verkündet Obama dass er nun die Rebellen unterstützen werde.

-alle Meldungen die der Regierung Greueltaten vorwerfen sind unsbestätigt

-die "Opposition" hat die Macht und die Einseitigkeit der westlichen Medien erkannt und ein eigenes "Informatioszentrum" aufgebaut.Kämpfer der syrischen Opposition tragen teilweise die Armeekleidung der Regierungstruppen,sind auch Überläufer ect...man hat "Regierungstruppen" Greueltaten verrichten sehen...unbestätigt natürlich.Eine Befehlskette der "marodierenden syrischen Regierungstruppen"bis hin zu Assad konnte, trotz zahlreicher Vorfälle, kein einziges mal hinreichend dokumentiert werden.

-Zivilistenmorde steigern sich und werden brutaler gerade in den zeitlich ungünstigsten Phasen für die syrische Regierung (z.B kurz vor Waffenstillstandsabkommen unter UN-Aufsicht,UNO- Vollversammlungen zur Abstimmung zu Syrien Resolution).

-die Rebellen rekrutieren sich nicht nur aus inländischen Aufständischen,sondern aus Al-Kaida,Kurden,sunnitisch Radikalen die Interesse an einer Autonomieregion haben.Verdeckte Unterstützung durch CIA und Mossad ist hier schon lange am Werke.

-Syrien stieg 2006 aus dem "Petrodollar" aus,sattelte auf Euro um.In der Bush-Ära wurde es zusammen mit Iran zur "Achse des Bösen" deklariert.

-Der Westen hat mehr Geld!

Gast: Z-BloX
07.08.2012 07:54
0 1


Gast: biersauer
07.08.2012 07:30
0 4

"Geschasster Ministerpräsident geflüchtet"...

müsste es in dieser verlogenen Berichterstattung heißen.
Normalerweise hätte er wegen Subordination einen Platz hinter Gittern , aber das ist wohl bei dieser Art von Berichterstattung weniger wichtig.

Gast: Wasserlaeufer
07.08.2012 02:17
1 4

Hijab, einer von Millionen die wie Heuschrecken

ueber die tuerkisch-griechische Grenze
in Europa einfallen und Asyl beantragen.

Die Aegypter schuetzen die Grenze zu Israel
in Sinai.

Sowas kann man sich aber vom Erdogan
nicht im Traum erwarten.

Deswegen wird die Tuerkei auch nie
europareif werden; sie manoevriert sich,
durch diese Politik, zusehends in die Isolation.

Re: Hijab, einer von Millionen die wie Heuschrecken

Ich sehe keine Isolation der Türkei. Allerdings wäre eine solche höchst angebracht.

Wann wird die EU endlich europäische Interessen vertreten und europäische Politik machen?

Re: Hijab, einer von Millionen die wie Heuschrecken

Isoliert ist wohl Ihr Führer ASSAD und nicht die Türkei?

Gast: Blasius Bullenbeisser
06.08.2012 21:09
6 5

"Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt..."

Die Frage ist: Wenn die syrische Regierung ein "tötendes Terrorregime" ist, warum hat er dann - vor nicht einmal zwei Monaten - das Amt des Premierministers übernommen? War es da noch kein "tötendes Terrorregime"?

Es ist offensichtlich, daß der Typ mit viel Geld gekauft wurde!

6 2

Re: "Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt..."

Wäre die Schlussfolgerung dass er einfach nur Angst bekommen hat, weils zu Ende geht mit dem Regime und er deshalb rechtzeitig abgesprungen ist um dem wütenden Mob zu entgehen, nicht logischer?

Ich kann mir nicht vorstellen das es einem als hoher Beamter in einem Regime schlecht geht. An Geld mangelt es einem bestimmt nicht.

Antworten Antworten Gast: Blasius Bullenbeisser
07.08.2012 00:38
4 1

Re: Re: "Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt..."

"Wäre die Schlussfolgerung dass er einfach nur Angst bekommen hat, weils zu Ende geht mit dem Regime und er deshalb rechtzeitig abgesprungen ist um dem wütenden Mob zu entgehen, nicht logischer?"

Das scheint mir nicht besonders logisch zu sein, da es mit dem Regime nicht "zu Ende geht", sondern es weiterhin fest im Sattel sitzt.

Der Umsturzversuch der Islamisten ist es, der sich - langsam aber sicher - dem Ende zuneigt.

Damaskus ist wieder unter der Kontrolle der Armee und Aleppo wird wohl das letzte große Gefecht der Islamisten sein, denk ich.

Der Ex-Premier ist sicher kein Armer, das heißt aber noch lange nicht, daß er nicht bestechlich ist.

Und die CIA - und vor allem die Saudis und Katarer haben sehr viel Geld.

Re: Re: Re: "Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt..."

Dass der Volksaufstand in Libyen gegen das Ghadaffi-Regime zusammenbricht,habt Ihr ja auch gepostet!

Die Realität ist eben anders!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Mazzel
07.08.2012 07:56
1 1

Re: Re: Re: Re: "Nach nicht einmal zwei Monaten im Amt..."

Nachdem die NATO_ZION_ALLIANZ kräftig nachgeholfen hat ....

Gast: Wasserlaeufer
06.08.2012 20:50
0 1

Da hat sich so ein sunnitischer zwei Monate

Ex-Minister verzupft und die Englaender
stiliesiertn das ganze wieder einmal zur Staatsraeison.

Es kann ja auch sein, dass der Anschlag
gegen die Top-Sicherheitsleute, vor einer Woche,
nur eine Saeuberungs-Aktion gegen
moegliche Putschisten war die die Opposition
als ihren Erfolg ausgegeben hat.

Der Stalin hat das ja vorgemacht
wie man laestige Rivalen loswird.

Der hatte schon wohlweislich fruehzeitig gegen einen "20 Juli" in seinen eigenen Reihen vorgebaeugt.

Schon zu Beginn hatte der alle verraeterischen monarchistischen Generaele ueber die Klinge springen lassen.

Der Adolf haette vom Josef lernen koennen.

3 1

Re: Da hat sich so ein sunnitischer zwei Monate

Es könnte auch sein dass die Marsianer President Obama entführt und statt ihm eine Marsmenschen in Menschengestallt im Oval Office postiert haben. Drum hat die Nasa ganz offensichtlich auch gerade einen Bus zum Mars gesendet um damit weitere Invasoren zur Erde transportieren zu können.

Der Film Mars Attacks hat das ja vorgemacht...

Antworten Antworten Gast: UKW
06.08.2012 21:42
2 3

Re: Re: Da hat sich so ein sunnitischer zwei Monate

Präsident mit zwei "e". Gut gemacht. Sind Sie der Bruder vom "Wasserlaeufer"? Der hat auch keine Umlaute auf der Tastatur.

Re: Re: Re: Da hat sich so ein sunnitischer zwei Monate

Eeeeeee ich liebe Besserwisser wie Sie,sympathisch wie mein Deutschprofessor !

2 0

Re: Re: Re: Re: Da hat sich so ein sunnitischer zwei Monate

vor allem wenn Sie sogar Mist von sich geben. So weit ich weiss haben die Amerika keinen Präääsidenten sondern einen Mister President. Aber als Bauer lernt man eben kein Englisch.

Seit wie lange schon?

Seit bald einem Jahr liest man alle paar Tage, daß Assads Macht bröckle, seine Macht zerfalle und es mit seinem Regime zu Ende gehe. Leider scheint Assad aber keine europäischen Zeitungen zu lesen, sonst wüßte er, daß seine Herrschaft längst schon Geschichte ist. So aber herrscht er aus reiner Unkenntnis munter und blutig weiter.

ich kenn mich ehrlich gesagt nicht aus...

ich habe mich - man verzeihe mir meine Unwissenheit - zuwenig in dieses ganze Thema zu wenig eingelesen. Nun liest man jeden Tag in allen Medien vom bösen Assad-Regime. Die Lage zur umstrittenen Atompolitik und auch die Situation um die PKK ist mir nicht fremd. Als passionierter USA-Kritiker sind mir auch die Emotionen rund um derer Politik bekannt. Aber bei den zahlreichen Pro-Assad-Kommentaren, von offensichtlich nicht dummen Lesern , stehe ich an. Kann mich jemand aufklären oder zumindest einen brauchbaren Artikel zu diesem Thema schicken?

Antworten Gast: Demokierkratie
06.08.2012 22:26
1 0

Hier noch was...

Viele, viele Links. Viele, viele Artikel. Wobei Herr Hauß eher den Schwerpunkt darauf legt, WIE bei uns berichtet wird und das auch interfragt.

http://www.medienanalyse-international.de/syrien.html

Antworten Gast: Demokierkratie
06.08.2012 21:49
1 0


Re: ich kenn mich ehrlich gesagt nicht aus...

ja. wir sind Christen, was wir unter Demokratie und Menschenrechten verstehen ist anderen Kulturen nicht in diesem Ausmass verstaendlich oder zulaessig. der Koran sieht Menschenrechte losgeloest von Allahs Macht als Sakrileg an. Ueberall wo der Islam seinen Fruehling feiert gubts Winter fuer die Christen. Von den 2 Mion Christen im Irak sind die meisten vertrieben, umgebracht verfolgt, so geht es weiter, ob Lybien, Aegypten, morgen Damaskus, dafuer sorgt auch Al Kaida, die wie in Afghanistan jetzt vom Westen gegen Assad gestuetzt werden.

 
12