Der abgewählte serbische Präsident Boris Tadic muss heftige Kritik aus den eigenen Reihen einstecken. Nach seiner Niederlage bei der Präsidentenwahl im Mai wurde Tadic nun erstmals von seinen Parteikollegen offen zum Rücktritt aufgefordert. Um ein gleichberechtigtes Rennen um die Spitzenposten in der Demokratischen Partei (DS) zu sichern, müsse vor dem für Herbst angesetzten Parteitag die gesamte Führung zurücktreten, sagte DS-Spitzenfunktionär Goran Jesic der Tageszeitung "Dnevnik".
Jesic, der seit Jahren als erfolgreicher Bürgermeister der Vojvodina-Kleinstadt Indjija bekannt ist, erklärte, dass Tadic als Staats- und Parteichef nicht nur für die Erfolge, sondern auch für Misserfolge verantwortlich sei, vor allem auch, weil er einen schwachen Ministerpräsidenten (Mirko Cvetkovic, Anm.) bestellt habe. Der frühere Präsident zeichne für die schlechte Besetzung wichtiger Staatsämter in den vergangenen Jahren verantwortlich: "Wir haben auf die Wirtschaftskrise nicht adäquat reagiert und hatten eine schlechte Personalpolitik", ließ Jesic im Hinblick auf die Niederlage der Partei bei den Parlamentswahlen Anfang Mai wissen.
Seit den Parlaments- und Präsidentschaftswahl ist die Demokratische Partei nach fast zwölf Regierungsjahren erneut in der Opposition. Tadic, der den Demokraten seit 2004 vorsteht, hat nach der Wahlniederlage kein einziges Mal einen möglichen Rücktritt von der DS-Spitze angedeutet.
Neben Jesic gilt der Bürgermeister Belgrads, Dragan Djilas, als einflussreicher DS-Politiker. Djilas hatte aber erst kürzlich wissen lassen, dass er nicht für das Amt des Parteichefs kandidieren wolle, sollte sich Tadic erneut dafür bewerben.
(APA)
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