Wien/Krasnodar/SOM. Einst schlugen die Kosaken ihr Lager in der südrussischen Steppe auf, um für den Zaren die Grenzen des Reiches zu sichern. Sie wirkten an den Eroberungsfeldzügen im Kaukasusgebirge mit. Von den widerständigen Bergbewohnern übernahmen sie Gebaren und Tracht, ihre Loyalität aber blieb stets beim weit entfernten Herrscherhaus. Nun sollen sie „Mütterchen Russland“ erneut vor den Kaukasiern schützen: Nach dem Willen des Gouverneurs Alexandr Tkatschow wird ab Herbst im südrussischen Gebiet Krasnodar eine „Kosaken-Polizei“ für Recht und Ordnung sorgen.
Mit 1. September möchte Tkatschow 1000 Kosaken in den Dienst stellen und ihnen ein monatliches Salär von umgerechnet 500 bis 630 Euro zahlen. Der Regionalregierung sind die Beamten, die in traditioneller Uniform auf Streife gehen werden, in diesem Jahr 16,5 Mio. Euro wert. Sie sollen sich als Verstärkung der herkömmlichen Polizei insbesondere um die Kontrolle von „illegaler Migration“ aus dem Nordkaukasus kümmern, erklärte der Gouverneur, der in einer umstrittenen Rede unlängst vor der Verdrängung der Russen aus dem Gebiet und der Gefahr eines ethnischen Konfliktes warnte.
Immer wieder Schlägereien
In der Vergangenheit kam es in der Region immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Russen und Kaukasiern. Bürger aus den Teilrepubliken siedelten sich in den vergangenen Jahren in Südrussland an, wo es mehr Jobs gibt und die Sicherheitslage stabil ist. Manche fühlen sich schon jetzt als Bürger zweiter Klasse behandelt – und sorgen sich nun, ob die „Vaterlandsverteidiger“ im Ernstfall auch ihre Bürgerrechte verteidigen werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)
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