Kopenhagen. Sie wurde zu Dänemarks einflussreichster Politikerin gekürt und zur machtvollsten Figur unter Europas Rechtspopulisten: Jetzt tritt Pia Kjærsgaard einen Schritt zurück. Sie überlässt die Führung der rechten „Dänischen Volkspartei“ (DF) ihrem um 22 Jahre jüngeren Kronprinzen Kristian Thulesen Dahl. Die 65-Jährige will aber politisch aktiv bleiben: Sie will sich um Ausländerpolitik kümmern, bei der sie als Architektin der harten Gesetzgebung gilt, um Schule, Kirche, Familie – all das, bei dem sie meint, dass es nicht mehr so ist wie in den „guten alten Tagen“.
Zehn Jahre lang hat Kjærsgaard in Dänemark den Kurs bestimmt, obwohl ihre DF nie mehr als 14 Prozent der Stimmen hatte. Doch die bürgerlichen Regierungen waren abhängig von den Mandaten der äußersten Rechten. Kjærsgaard machte Nationalismus im liberalen Dänemark stubenrein. Das dänische Nein zum Euro nannte sie ihren größten Sieg, mit dem Slogan „eine Grenze muss sein“ kämpfte sie gegen Schengen. Ins Parlament kam sie 1984 als Vize für Fortschrittspartei-Chef Mogens Glistrup, der wegen Steuerschwindels ins Gefängnis musste. Als er wieder herauskam, hatte ihm die vormalige Heimhelferin den Posten weggeschnappt.
1995 gründete Kjærsgaard die Dänische Volkspartei. Sechs Jahre später wurde sie zum Machtfaktor, als der Rechtsliberale Anders Fogh Rasmussen ihr die Rolle als parlamentarisches Sicherheitsnetz zuteilte. Die DF wurde drittgrößte Partei. Dass „Pia“ – wie ihre Wähler sie nannten – in einem „ausländerfreien“ Nobelvorort wohnt und ein Sommerhaus im viel gescholtenen Griechenland hat, tat ihrer Authentizität keinen Abbruch.
Kjærsgaards Nachfolger, Thulesen Dahl, gilt als tüchtiger Finanzpolitiker – und trockener Technokrat. Er soll die Partei vom Rechts-außen-Stigma befreien und in die Regierung führen. Dort könnte sich „Mutter Pia“ den Posten einer Ministerin für „Wertefragen“ vorstellen: In der Politik will sie bleiben, „bis ans Ende meiner Tage“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)
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