In Syrien soll nach den Vorstellungen des Jesuitenpaters Paolo Dall'Oglio ein neutraler und demokratischer Staat nach dem Vorbild Österreichs entstehen. Syrien dürfe nicht als Terrain zur Austragung regionaler und geopolitischer Konflikte höherer Ebenen genutzt werden, warnte der im Juni von Syrien ausgewiesene Leiter des Klosters Deir Mar Musa al-Habashi am Mittwochabend laut Kathpress in einem "Radio Vatikan"-Interview.
Im Hinblick auf seine Vorstellung eines neuen Syriens verwies auf das Beispiel Österreichs, das nach dem Zweiten Weltkrieg "weder aufseiten der NATO, noch aufseiten des Sowjetblocks" gestanden sei. "Wir wollen ein Syrien, das bei den geopolitischen Spielen nicht mitmacht und neutral bleibt, gleichzeitig aber bereit ist, seine Rolle mit dem interreligiösen Miteinander zu erfüllen, das es auszeichnet", sagte der Jesuit.
Dall'Oglio rief die internationale Staatengemeinschaft erneut zu einem Eingreifen auf. Es gebe ein "sehr reales" Risiko, dass der Bürgerkrieg auch nach einem Fall des Assad-Regimes weitergehen werde, warnte er. "Die bewaffneten Unterstützer des Regimes könnten sich versammeln, verstärken und in der Zone westlich des Flusses Oronte unter dem eventuellen Schutz durch Russland und Iran verbergen." In einer solchen Situation müsse die UNO eingreifen, um die Zivilbevölkerung vor Massakern zu schützen und die Möglichkeit für eine Wiederaufnahme von nationalen Verhandlungen für eine Befriedung des Landes zu schaffen.
"Mit Assad-Regime nichts zu verhandeln"
In Verhandlungen zu einer Verfassungs- und Regierungsbildung müsse allen Gruppierungen der syrischen Gesellschaft ein Platz zugesichert werden, so Dall'Oglio. Ausgeschlossen seien aber Verhandlungen mit dem Assad-Regime, "denn mit diesem Regime gibt es nichts zu verhandeln", betonte der Jesuit. "Es ist kein Kompromiss bei der Forderung denkbar, dass man von einem Regime zu einer Demokratie kommen muss."
Ziel sei die Errichtung einer Demokratie auf Basis einer "reifen Zivilgesellschaft". Syrien könne dann eine positive Rolle in der Nahost-Region, insbesondere für eine Aussöhnung zwischen den Arabern und Israelis übernehmen.
Pater Dall'Oglio (57) lebte seit 1975 in Syrien, wo er das Kloster Deir Mar Musa al-Habashi revitalisiert und zu einem Zentrum der christlich-islamischen Begegnung ausgebaute. Die syrischen Behörden hatten im Juni seine Aufenthaltserlaubnis - Dall'Oglio ist italienischer Staatsbürger - nicht erneuert.
(APA)
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