"Ich denke nicht, dass Mitt Romney weiß, was er getan hat." Mit diesen Worten beginnt ein Wahlvideo in dem der ehemalige Stahlarbeiter Joe Soptic indirekt den republikanischen Präsidentschaftskandidaten beschuldigt, mitverantwortlich für den Tod seiner Frau zu sein. Das Video hat eine Welle der Empörung ausgelöst und bringt Amtsinhaber Barack Obama in Misskredit. Immerhin wurde es von "Priorities USA Action" herausgegeben, ein SuperPAC, das den Präsidenten unterstützt.
Das Wahlkampfteam von Obama distanzierte sich zwar umgehend von der Wahlwerbung, allerdings nicht sehr erfolgreich. Denn der Protagonist Soptic stellte sich erst im Mai in einem Pro-Obama-Kampagnenvideo vor, wie die "Washington Post" berichtete.
Romney: "Werbespot ist verächtlich"
Der Hintergrund: Soptic war 30 Jahr lang in dem Stahlwalzwerk von Kansas City, Missouri, tätig. Dieses wurde von der Firma "Bain Capital", deren Manager Romney war, im Jahr 1993 übernommen. 2001 wurde das Werk geschlossen, tausende Arbeiter verloren dadurch ihren Job, ebenso wie ihre Krankenversicherung. "Kurz darauf wurde meine Frau krank", erzählte Soptic in der Videobotschaft. "Ich brachte sie ins Krankenhaus." Die Diagnose: Krebs im Endstadium. "22 Tage später ist sie gestorben." Nachsatz: "Ich glaube nicht, dass Mitt Romney versteht, was er getan hat, als er das Werk geschlossen hat." (--> Zum Video)
Dennoch schwingt zwischen den Zeilen ein Vorwurf mit: Hätte Romney die Firma nicht geschlossen, hätte Soptics Frau womöglich gerettet werden können. Das Wahlkampfteam des Republikaners reagierte prompt auf die Anschuldigungen. Der Werbespot sei "verächtlich" und von Obamas Team mitverantwortet. Mehr noch: Soptics Geschichte scheint nicht ganz korrekt zu sein. Laut dem Sender "CNN" wurde der Krebs bei seiner Gattin Ilyona erst im Jahr 2006 diagnostiziert - fünf Jahre nach der Schließung des Stahlwerks. In der Zwischenzeit hätte sie zudem einen eigenen Job gehabt und sei folglich versichert gewesen.
Team Obama: "Wir wissen nichts"
Das Team von Obama gerät damit doppelt unter Druck - und gibt sich erstmals ahnungslos: "Wir wissen nichts über die Geschichte der Familie", sagte Sprecherin Jennifer Psaki gegenüber "CNN". Auch Soptic rudert offenbar zurück. Dem "Wall Street Journal" sagte er, er halte die Wahlwerbung zwar für fair, mache Romney aber nicht für den Tod seiner Frau verantwortlich: "Ich würde das nicht tun."
Romney dagegen dürfte darüber erleichtert sein, dass seinem Rivalen dieser Fauxpas untergekommen ist. Immerhin zieht er selbst seit Wochen eine Spur an Fettnäpfchen hinter sich her. Zuerst kritisierte er die britischen Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Sommerspiele, dann nannte er Jerusalem die "israelische Hauptstadt" und erst am Donnerstag nannte er die Opfer des Attentats auf einen Sikh-Tempel in Wisconsin "Scheichs" statt "Sikhs".
Nicht verwunderlich also, dass er versucht, die Gunst der Stunde für sich zu nutzen und Obama in den Wählerumfragen so einzuholen. Wie "Spiegel Online" berichtet, schickt sein Presseteam gewissermaßen im Stundentakt neue Meldungen über die Entwicklungen im Fall Joe Soptic aus.
(Red.)
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