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Deutschland: Alles ruft nach dem EU-Referendum

10.08.2012 | 18:24 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Irgendwann muss das Volk über mehr Europa entscheiden: Darin sind sich Regierung und SPD einig. Die Eurokrise löst das nicht, aber es stärkt die deutsche Position.

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Berlin. Plötzlich ist sie in aller Munde: die deutsche Volksabstimmung über die Zukunft Europas. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hielt gestern ein Plebiszit für möglich, CSU-Chef Horst Seehofer forderte es sogar. Damit gewinnt eine Debatte mächtig an Fahrt, für die Wolfgang Schäuble schon Ende Juni den Anfang gesetzt hat.

In einem Spiegel-Interview schwelgte der CDU-Finanzminister damals in Visionen über eine neue deutsche Verfassung, über die das Volk entscheiden müsse. Mit ihr sollen wesentliche Kompetenzen, auch ein Teil der Budgethoheit, nach Brüssel abgetreten werden. So möge endlich jene politische Union entstehen, deren Fehlen viele für den großen Konstruktionsfehler der Währungsunion halten. „Eher früher als später“ erwartete Schäuble einen Volksentscheid. Damals pfiff Kanzlerin Merkel ihren Minister noch zurück: Das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung.

Dafür machte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel, der sich in seiner Babypause eigentlich um Tochter Mariechen kümmern wollte, das Thema zu eigen. Mit anderer Gewichtung: Die Eurokrise sei nur durch eine Vergemeinschaftung der Schulden zu lösen, also durch Eurobonds oder einen Schuldentilgungsfonds. Voraussetzung dafür, so der nur noch halblaute Nachsatz, sei natürlich eine zentrale Kontrolle des Finanzgebarens aller Euroländer – und für so einen gewichtigen Schritt zu mehr Europa müsse erst einmal das Volk befragt werden. Revolutionär ist der Vorstoß nicht: Auch die Regierung und selbst Bundesbankpräsident Jens Weidmann können sich die gemeinsame Haftung im Grundsatz vorstellen – aber erst am Ende eines langen Integrationsprozesses in ferner Zukunft.

Nun reicht die Zustimmung für ein Plebiszit schon ziemlich weit. Allerdings sind die Intentionen ganz unterschiedlich: Schäuble sucht das Heil in einer politischen Union, Gabriel in Eurobonds. Brüderle bleibt neutral: „Wir können an einen Punkt kommen“, an dem eine Volksabstimmung notwendig werde – womöglich schon Mitte September, wenn die Verfassungsrichter über den ESM abstimmen. Das deuten manche so, dass sich die Koalition bereits auf ein Nein aus Karlsruhe einstellt.

 

Seehofer gegen „Superstaat“

Seehofer hingegen macht kein Hehl daraus, dass er bei einer Volksabstimmung auf ein schallendes „Nein“ hofft: „Die Bevölkerung will keinen europäischen Superstaat.“ Um ihn zu verhindern, fordert der bayerische Ministerpräsident eine Ergänzung im Grundgesetz: Für drei Themenbereiche sollen Volksbefragungen künftig verpflichtend sein. Neben der Kompetenzübertragung nach Brüssel geht es ihm auch um die Aufnahme neuer EU-Mitglieder und – weit brisanter – zusätzliche finanzielle Hilfen und Bürgschaften für Problemstaaten.

Aber auch den Visionären einer politischen Union muss bewusst sein, dass sich damit die aktuelle Krise nicht lösen lässt. Der Zeitrahmen für eine Umsetzung läge im allerbesten Fall bei fünf Jahren. Und selbst wenn wider Erwarten sämtliche Eurostaaten auf Souveränität verzichten, wäre der Hürdenlauf der Referenden bis zuletzt eine Zitterpartie, die Anleiheinvestoren weit mehr verunsichern als beruhigen würde.

Allerdings verschafft der Wille zum Plebiszit der deutschen Regierung eine stärkere Position in den Verhandlungen mit taumelnden Europartnern. Sie können sagen: Seht her, wir meinen es ernst, wenn wir mehr Hilfen an eine verstärkte Integration knüpfen. Das dürfte vor allem Frankreichs Präsident Hollande nicht ins Konzept passen. Er hat sich zum Sprachrohr von Italien und Spanien gemacht, die möglichst viel Hilfe für möglichst wenig Gegenleistung fordern. Und er weiß, dass die Franzosen, die schon die EU-Verfassung abgelehnt haben, zu einem Verzicht auf nationale Souveränität kaum bereit sein werden.

Auf einen Blick

Auch FDP und CSU machen eine Volksabstimmung über „mehr Europa“ zum Thema. Für den Liberalen Brüderle könnte sie schon nach dem ESM-Urteil der Verfassungsrichter nötig sein. CSU-Chef Seehofer fordert sie und hofft auf ein Nein der Bürger. Zuvor haben sich schon Finanzminister Schäuble und SPD-Chef Gabriel für ein Plebiszit starkgemacht. Sie erhoffen ein positives Votum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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40 Kommentare
 
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Gast: Lukas
15.08.2012 22:06
0 0

eine Volksabstimmung ist das Aus für den Euro

und wohl niemand in den Pleitestaaten wird dem T€URO nachweinen!

Es wäre an der Zeit.

Der EU Wahnsinn muss mal in seine Schranken verwiesen werden!
Wo kommen wir sonst hin?
Das wächst sich ja langsam zu einem Absurdistan aus.

Da verlangt man deutsches und Österreichische Steuergelder zur Finanzierung der Misswirtschaft gewisser EU Staaten, andererseits aber wir Deutschland gerügt wenn es genau die Gelder verdienen will!

Nein! Das ist kein Witz! Leider!
Da wird nun ein Mahnverfahren angestrengt, weil Deutschland angeblich zu viel exportiert! Lächerlich!

Was sollen wir unseren Kunden im Ausland denn sagen? "Oh, leider geht das nicht, wir exportieren zu viel, fragt doch in ein paar Jahren mal wieder nach..."?

Außerdem verdienen wir ja damit Geld, und können Waren importieren, und kaufen! Aber ist es unsere Schuld wenn es da nichts gibt?
Was kommt denn aus Griechenland, oder Spanien, außer Wein, Schnaps, und etwas Gemüse?

Es wird Zeit für einen Warnschuss in Richtung Brüssel denke ich mal.
Ein Damoklesschwert in Form eines möglichen Plebiszits im Lande der Piefkes wäre da genau richtig!

Gast: Für Europa
11.08.2012 22:56
0 2

Sinnloss euch Vorteile der EU zu nennen

Ihr bleibt so was von Engstirnig dass es nicht zum glauben ist.
Seid ihr alle blind dass Ihr nicht sieht dass Europa den Superstaat braucht?
Die Meisten von euch sind wh. nicht blind, sondern Nationalisten die vom Egoismus und Aroganz "vergiftet" sind

Re: Sinnloss euch Vorteile der EU zu nennen

Pure Polemik!
Oder kannst du Beispiele nennen?
Ich denke nicht, sonst hättest du sie ja genannt...

Antworten Antworten Gast: gertrudenora
15.08.2012 10:59
0 0

Re: Re: Sinnloss euch Vorteile der EU zu nennen

Klar! Her mit dem Superstaat, auf den ein entsprechender Diktator schon wartet! Kommt er aus Spanien, Frankreich, Italien oder gar Griechenland!
Lesen Sie "Biedermann und die Branstifter", setzen Sie ihr Gehirn zurück und fangen Sie zu Denken an!!!! Wir sind doch schon fast im Krieg!

Gast: Sich.-Ing.Jörg Hensel
11.08.2012 19:40
0 1

Immer noch nicht kapiert

Der Finanzminister hat es immer noch nicht verstanden:

Es kann keine "neue" Verfassung geben, weil es eine eine Verfassung in der BRD noch nie, seit dem Ende des 2. WK. gab.

Weshalb ?

Weil es den für eine Verfassung notwendigen Volksbeschluss gemäß Artikel 146 GG bislang nie gegeben hat.

Lesen hilft manchmal.

Einmal die Wahrheit verbreiten wäre gar nicht mal nicht so schlecht.

Nach über 60 Jahren, wäre es jedenfalls einmal an der Zeit !


Re: Immer noch nicht kapiert

Als Verfassung haben wir das Grundgesetz in Deutschland, das wurde mit den erforderlichen Stimmen von den Volksvertretern angenommen!

Nachdem die damalige DDR dem Geltungsbereich des GRUNDGESETZES beigetreten war, konnte es nach dem Einigungsvertrag natürlich keine neue Verfassung geben.

Also statt andere belehren zu wollen lieber selber erst mal informieren!

Gast: Zampanoazubi
11.08.2012 16:15
0 0

Ein Beispiel nehmen:

Der Hahn wuchtet ein riesiges Straußenei in den Hühnerstall und kräht zornig: "Meine Damen, schauen Sie sich mal an, was anderswo geleistet wird!"

Na endlich, wurde auch Zeit! Nur leider gibts diese Diskussion nur in Deutschland und nicht in Österreich!

Die zentrale Frage ist es ja, wollen die Bürger Deutschlands oder Österreichs die Übertragung von Schlüsselkompetenzen an die Europäische Union oder nicht? Vor allem deshalb, weil die demokratische Ausstattung der EU viel zu wünschen übrig läßt. Das Europäische Parlament ist nichteinmal für Gesetzesinitiativen zuständig. Die Kontrollrechte sind eingeschränkt. In Wahrheit regiert der Europäische Rat die Union ziemlich autoritär.
Es ist höchste Zeit, das Volk, dh. die Betroffenen, zu fragen, ob eine europäischer Zentralstaat gewünscht wird oder nicht.
In Österreich hat der Bundespräsident ohne Vorbehalte zu machen, entscheidende Kompetenzverschiebungen zu dem sonderbaren undemokratisch organisierten ESM Gebilde durch seine Unterschrift ratifiziert. Dh. wir Österreicher sind auf dem Weg zu einem autoritären und undemokratischen System sehr weit fortgeschritten.
Das Volk hat zu entscheiden, ob wir auf diesem WEg weitergehen wollen oder nicht. Also Karten auf den Tisch, Abtretung zentraler fiskal. Kompetenzen an die EU JA ODER NEIN.

Re: Na endlich, wurde auch Zeit! Nur leider gibts diese Diskussion nur in Deutschland und nicht in Österreich!

was erwartest du von unseren Politikern?! wir haben einen Nordkoreaner als bp und einen unseriösen dr. failmann als bk. wenn unsere deppen so weiter machen, dann werden wir wieder ein Bundesland von D. das einzige, was sich dann aendert: wir haben dann endlich Politiker mit Anstand und würde und würden auch bei Olympia wieder erfolgreich sein - gell daraboscherl.

Witz

Sagt ein Schwein zum anderen: "Du, ich hab gehört, der Bauer füttert uns nur, damit er uns schlachten kann." Antwortet das andere Schwein: "Ach du immer mit deinen Verschwörungstheorien!"

Antworten Gast: Bauer Dralle
11.08.2012 16:13
0 0

Re: Witz

Oder so:

Ein Bauer pflügt mit seinen zwei Ochsen das Feld.
Um 17:00 Uhr sagt der eine Ochse zum anderen: "Acht Stunden sind als Gewerkschafter genug. Ich hab jetzt Feierabend und geh nach Hause."
Am Abend kommt der andere Ochse todmüde und total erschöpft in den Stall. "Na", fragt der erste Ochse, "hat der Bauer noch was gesagt?"
"Nein, ich hab nur gesehen, wie er mit dem Schlachter gesprochen hat."

Die Wählerschaft wird der EU den Tritt geben, den

diese Partie verdient hat.

Wollt ihr den totalen Untergang?

Alle werden freudig mit "JA" stimmen!

Antworten Gast: Die Wahrheit macht frei
11.08.2012 19:17
0 0

Re: Wollt ihr den totalen Untergang?

Na das glaub' ich ja doch nicht, eher werden sie diese Schweinepartie zum Teufel jagen......

2 0

In der EU wird agiert wie jemand, der im Sumpf steckt!

Nehmen wir doch die sogenannten "großen Würfe" der EU her, die seit unserem Beitritt erfolgten.

Die Osterweiterung. Mit großen Tamtam angekündigt und wir mußten gleich mehr für die EU hinblättern, da es für uns ja soooo ein gutes Geschäft ist. Wenn man allein die Banken ansieht, die krampfhaft Bilanzen frisieren, damit die Fehlinvestitionen im Osten nicht so auffallen. Daß alle diese Länder am finanziellen Tropf hängen, wird andauernd ausgeblendet!

Die Euro-Einführung. Kein einziges Versprechen, das damals abgegeben wurde, konnte eingehalten werden. Die Finanzsituation in den Euro-Ländern lähmt eigentlich alles. Die einen müssen dauernd draufzahlen und die anderen strampeln verzweifelt, damit sie nicht unter die Räder kommen!

Aber das scheint den Verfechtern von EU noch nicht genug zu sein. Ganz im Gegenteil, anstatt alles zu entflechten, damit sich jedes Land für sich endlich auch seiner Verantwortung besinnt, wird immer mehr Zusammenschluß gepredigt, bis uns dieses ganze Wahnsinnskonstrukt um die Ohren fliegt.

Das Ende wird Chaos sein. Keine medizinische Versorgung. Keine Pensionen und Beamtengehälter, bzw. werden diese ausgezahlt mit Geld, das nichts wert ist. Wenn es ganz schlimm kommt, dann wird es ein ansteigen der Kriminalitätsrate geben, die sich gewaschen hat und keine funktionierende Polizei wird mehr da sein!

Gast: skeptizismus
11.08.2012 10:41
6 1

Wenn Befragungen etwas verändern könnten, wären sie längst verboten.


Re: Wenn Befragungen etwas verändern könnten, wären sie längst verboten.

oder einfach nicht gemacht...
ich erinnere mich an faymann der versprach bei jeder wichtigen Änderung das Volk zu befragen....

Gast: Hardliner 1
11.08.2012 10:36
7 0

Einfache Frage

In Deutschland würde eine ganz einfache Frage genügen, um dem ganzen Euro-Spuk ein Ende zu bereiten:
Soll Deutschland für die Schulden anderer Euro-Staaten haften?
a) Ja
b) Nein

Re: Einfache Frage

So eine klare Fragen werden sie dem Volk aber nicht stellen. Wenn überhaupt gefragt wird!

Wird die Volksabstimmung in Deutschland notwendig, weil der ESM mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar ist?

Kann man daraus dann auch schließen, dass der ESM mit der österr. Verfassung im Widerspruch steht?

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/475558_Milliardengrab-Eurorettung.html

Antworten Gast: Hardliner 1
11.08.2012 10:39
3 1

Re: Wird die Volksabstimmung in Deutschland notwendig, weil der ESM mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar ist?

Die Juristen des Bundespräsidenten Fischer haben den ESM für verfassungskonform befunden. Und diese Juristen sind unfehlbar.

2 0

Und diese Juristen sind unfehlbar.

Das war aber jetzt ein ironischer Scherz?!

Gast: direktdemokratie
11.08.2012 08:40
4 1

alle laender werden abstimen nur nicht oesterreich. faymann(SP) und die krone werden das zu verhindern wissen. mit direkter demokratie haben die sozilaisten keine freude

vorher werden aber noch hunderte milliarden der oesterreicher und arbeitnehmer und asvg pensionen in das eueurochaos und den bankenmarkten versenkt.

Gast: Niedersachse
11.08.2012 08:20
2 1

Am deutschen Diktatorwesen wird die Welt nicht genesen

"Das Volk muß über mehr Europa entscheiden"? Wenn ich bitteschön einen Buchvorschlag unterbreiten darf?

http://www.amazon.de/Die-narzisstische-Gesellschaft-Ein-Psychogramm/dp/3406640419/ref=sr_1_14?s=books&ie=UTF8&qid=1344664203&sr=1-14

Mit der demokratischen Gesinnung hapert es in den oberen Reihen ja nun schon seit Jahrzehnten und der Wunsch nach Unterwürfigkeit scheint vor allem in den Medien eine neue Nachhaltigkeit zu erhalten.

"Wolfgang Schäuble, 69, fordert als Antwort auf die Euro-Krise mehr Europa.", tat aber vorher in einem Interview frei nach Rockefeller kund: "Wir können die politische Union nur erreichen, wenn wir eine Krise haben."

1 und 1 zusammenzuzählen, ist ja nicht jedermanns Sache und daß mehr als eine Handvoll nach mehr eurokratischer Diktatur rufen, kann ich nicht wirklich erkennen? Eher das Gegenteil.

Nen, ein Referendum inmitten einer schweren Unruhe ist sicher das dümmste, was das Volk verlangen kann. Viel eher sollte es sich klar machen, daß ein Referendum derart verfaßt würde wie von einem User beschrieben: Stimmen Sie jetzt bitte mit Ja ab. Es dreht sich damit den eigenen Strick.

Im Krisenmodus jedenfalls ruft kein erwachsener Mensch nach einem starken Führer, sondern nach Wiedereinführung der Demokratie!


Was soll ein solches Referendum nützen?

In Europa wird dann solange abgestimmt bis den Herrschaften das Ergebnis passt.

 
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