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Frankreich: Auch Sozialisten räumen Roma-Lager

10.08.2012 | 18:25 |  Von unserem Mitarbeiter HANS-HAGEN BREMER (Die Presse)

Präsident Hollande lässt eine illegale Siedlung nahe Lille auflösen. Im Wahlkampf hatte er seinen konservativen Vorgänger Sarkozy für solche Aktionen noch heftig attackiert.

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Paris. Hoch und heilig hatte François Hollande es im Präsidentschaftswahlkampf versprochen: Wilde Lager von Roma sollten nicht mehr aufgelöst werden. Zumindest müsse davor den Betroffenen eine angemessene Unterbringung angeboten werden.

Drei Monate sind seit dem Wahlsieg Hollandes vergangen. Das Versprechen, mit dem sich der Sozialist von der harten Roma-Politik seines konservativen Vorgängers Nicolas Sarkozy distanziert hatte, scheint er vergessen zu haben. Ebenso wie sein Vorgänger lässt auch Hollande illegale Lager von Roma räumen. Von den angekündigten Wohnungen keine Spur: Außer Prämien zur Rückkehr in ihre Heimatländer wird den Roma gar nichts angeboten.

Die bisher spektakulärste Räumung, die im sommerlichen Frankreich kaum Aufsehen erregte, fand diese Woche am Rand der nordfranzösischen Großstadt Lille statt. In den frühen Morgenstunden rückten die Ordnungskräfte mit Abschleppwagen und Bussen an, um die dort seit zwei Jahren hausenden 200 Roma mit ihren Wohnwagen abzuholen. Unter ihnen waren 60 Kinder. Davor hatte ein Gericht der Klage von Anrainern stattgegeben. Die Bewohner hatten wegen „Belästigungen, mangelnder Sicherheit und gravierender sanitärer Probleme“ geklagt. „Die Spannungen waren untragbar geworden“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin der betroffenen Stadt Villeneuve d'Ascq, Maryvonne Girard.

 

300 Euro für freiwillige Rückkehr

Rund 240 Roma wurden bereits mit einer Chartermaschine von Lyon nach Rumänien geflogen. Nach Angaben der Behörden kehrten sie im Zuge eines Programms, bei dem sie 300 Euro pro Erwachsenem und 150 Euro pro Kind erhalten, „freiwillig“ in ihr Herkunftsland zurück.

Diese Prämien sind umstritten: Ihre Wirkung dürfte gering sein, von Missbrauch ist die Rede. Denn nichts hindert die Roma aus einem EU-Land wie Rumänien daran, nach Frankreich zurückzukommen und sich erneut mit Prämien nach Hause schicken zu lassen. Innenminister Valls will dieses System nun „gründlich reformieren“.

Die Räumung des Roma-Lagers in Lille war die größte derartige Rückführung seit der Wahl Hollandes. Der Innenminister rechtfertigte die Aktion damit, dass die Existenz der Roma-Siedlung eine „Herausforderung für das Zusammenleben“ sei. Er kündigte an, bei der Räumung „gesundheitsschädlicher Lager“ unnachgiebig bleiben zu wollen. Das Lager in Lille ist übrigens kein Einzelfall: In den vergangenen Monaten waren fernab der öffentlichen Wahrnehmung andere illegale Siedlungen bei Paris, Lyon und Marseille geräumt worden. Etwa 300 Personen waren betroffen.

Vor genau zwei Jahren hatten unter dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy angeordnete Roma-Massenabschiebungen empörte internationale Reaktionen ausgelöst. Laut Menschenrechtsorganisationen wurden damals rund 9500 Roma gezwungen, das Land zu verlassen. Der Großteil von ihnen soll wieder nach Frankreich zurückgekehrt sein.

Die EU-Kommission hatte Paris damals zuerst mit einem Strafverfahren wegen der Verletzung des Rechts auf Personenfreizügigkeit gedroht, verzichtete nach heftigem Streit dann jedoch auf Sanktionen. Im November 2011 verurteilte der Europarat das Vorgehen.

 

Paris „unter EU-Beobachtung“

Brüssel hat sich auch diesmal eingeschaltet und den Umgang der französischen Behörden mit der Minderheit unter „Beobachtung gestellt“. Die EU-Kommission wolle sicherstellen, „dass die Behandlung der Roma etwa bei der Auflösung von Lagern den geltenden rechtlichen Regelungen entspreche“, sagte gestern eine Sprecherin der EU-Behörde.

Nach Schätzung der Hilfsorganisation „Médecins du Monde“ leben in Frankreich rund 15.000 Roma. An dieser Zahl habe sich über die Jahre unabhängig von den jeweiligen Regierungsmaßnahmen nichts geändert.

Auf einen Blick

Frankreichs Präsident Hollande lässt ebenso wie sein Vorgänger Nicolas Sarkozy illegale Roma-Lager räumen, ihre Einwohner werden nach Auszahlung einer Prämie in ihre Heimatländer zurückgeflogen. Etwa 15.000 Roma leben in Frankreich. An dieser Zahl habe sich über die Jahre unabhängig von den jeweiligen Regierungsmaßnahmen nichts geändert, so Hilfsorganisationen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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8 Kommentare
Gast: Herr, lass regnen vom Himmel
11.08.2012 16:53
3 0

Das bringt so richtig die abgrundtiefe Blödheit der offenen Grenzen zum Ausdruck:

Diese Prämien sind umstritten: Ihre Wirkung dürfte gering sein, von Missbrauch ist die Rede. Denn nichts hindert die Roma aus einem EU-Land wie Rumänien daran, nach Frankreich zurückzukommen und sich erneut mit Prämien nach Hause schicken zu lassen.

Gast: Ich bin Gastarbeiter
11.08.2012 16:29
2 0

Wer sich darüber aufregen will

Kann gerne seinen eignen Garten oder seine eigene Gemeinde zur Verfügung stellen. Mal sehen wie lange diejenigen das ertragen.

Wie auch immer eine Lösung für die Roma aussehen mag - sie kann nicht auf Kosten der ansässigen Bevölkerung gehen.

Gast: Zenzine
11.08.2012 15:59
6 0

Die Frage ist...

....wem gehört das Grundstück?

Es sollte logisch sein, dass man nicht einfach auf Grund und Boden, der einem nicht gehört bzw. den man nicht gepachtet hat, ohne Erlaubnis des Eigentümers Wohnraum schaffen kann. Egal, ob das nun Häuser, Wohnwagen oder Zelte sind.

Würde ich auf dem Grundstück meines Nachbarn einfach so mein Wohnmobil abstellen, bekäme ich auch Ärger - ganz unabhängig von meiner ethnischen Zugehörigkeit.

Roma möchten nicht in Häusern wohnen. Das sei ihnen unbenommen. Jedem das Seine. Nur sollten sie sich dann eben ein Grundstück kaufen oder pachten. Dann können sie rechtlich abgesichert dort leben, wie sie wollen, solange sie sich an die Gesetze halten. Und Ruh' ist.

Wie wäre es mit Sanktionen

* Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten werden keinerlei offizielle bilaterale Kontakte auf politischer Ebene mit einer französischen Regierung unter Hollande betreiben oder akzeptieren (Französiche Minister können somit unter anderem bei den sogenannten „informellen Treffen“ der jeweiligen EU-Räte nicht anwesend sein und daher auch nicht mitbestimmen);
* Es wird keine Unterstützung für französische Kandidaten geben, die Positionen in internationalen Organisationen anstreben;
* Französiche Botschafter werden in den EU-Hauptstädten nur noch auf technischer Ebene empfangen.

Gast: soziwapler
11.08.2012 15:31
2 0

adieu roma

Keiner will die Roma warum? Sie sollten sie alle nach Brüssel schicken oder zu den Gutmenschen.

Gast: Wasserlaeufer
11.08.2012 13:49
0 0


Gast: Gottfried Ganzker
11.08.2012 09:52
7 0

Paris „unter EU-Beobachtung“

Wofür die luxemburgische Quotenfrau Kommissarin Viviane Reding verantwortlich zeichnet. Man sollte zur Beruhigung ihres Gemüts die Roma nach Luxemburg geleiten. Am besten der gutmenschlichen Frau Reding direkt vor die Tür.

Antworten Gast: AlGaKo
11.08.2012 10:57
4 0

Re: Paris „unter EU-Beobachtung“

richtig,

aber ich befürchte, dass diese politiker dermassen renitent und von der realität abgehoben sind, dass bei denen nichts mehr helfen würde.

diese leute haben keine realitätsnahe wahrnehmung der wirklichkeit mehr. sie leben nur noch an ihren schreibtischen und entwickeln die ideale gesellschaft. dass der ostblock (und andere diktaturen) daran bereits gescheitert sind, können sie in ihrem abgschlossenen weltbild nicht begreifen.

wenn es so weiter geht mit der eu-bevormundung, dann sollte man dieser zumindest etliche zuständigkeiten wieder entziehen (bevor sich die bürger von dieser - wie im ex-ostblock - auch befreien).

was den hollande anbelangt - wenn jemand etwas anderes erwartet hat als pure heuchelei und volksverdummung, dann muss er ein anhänger seiner heuchlerischen neosozialistischen ideologie sein (wenn es die anderen machen, so ist es schlimm, wenn man es selbst macht, dann ist es fortschritt der menschheit für die wahrung der menschenrechte). wer das nicht versteht, der ist schon dieser ideologischen gehirnwäsche bereits ein wenig entkommen.