Damaskus. An der Grenze zwischen Syrien und Jordanien lieferten einander Grenztruppen beider Länder in der Nacht auf Samstag schwere Gefechte. Syrische Soldaten schossen auf eine große Gruppe syrischer Flüchtlinge, auch als diese sich schon auf jordanischem Boden befanden. Die jordanischen Truppen erwiderten das Feuer.
Gefechte an der syrisch-jordanischen Grenze kommen gelegentlich vor, doch der 30-minütige, intensive Feuerwechsel beim Grenzdorf Al-Schadshirah war einer der schwersten dieser Art. Die Heftigkeit der Kämpfe sei darauf zurückzuführen, dass sich in der Gruppe von 500 syrischen Flüchtlingen Dutzende von hochrangigen Armee-Offizieren befanden, sagten syrische Aktivisten. Die Militärs waren demnach zuvor von den syrischen Streitkräften desertiert. Trotz der konspirativen Planung hätte der syrische Geheimdienst Kenntnis von der Flucht erlangt.
Die Truppen des Regimes von Bashar al-Assad starteten in der umkämpften Stadt Aleppo unterdessen neue Angriffe. Sie gingen am Samstag mit Kampfflugzeugen, Helikoptern, Panzern und schwerer Artillerie gegen die Stellungen der Aufständischen vor. Aktivisten zufolge brachten die Regimetruppen weitere Verstärkung in die Stadt. Aleppo, eine strategisch bedeutsame Geschäftsmetropole im Norden des Landes unweit der türkischen Grenze, ist seit drei Wochen Schauplatz heftiger Kämpfe. Anfangs konnten die Aufständischen Erfolge verbuchen. Zuletzt wurden sie aber aus dem südwestlichen Stadtteil Salaheddin verdrängt. Auch aus der Hauptstadt Damaskus wurden heftige Gefechte gemeldet.
USA erwägen Flugverbotszone über Syrien
US-Außenministerin Hillary Clinton traf derweil zu einem Besuch in Istanbul ein. Die USA und die Türkei wollen die Vorbereitungen für die Zeit nach einem Sturz von Assad schnell voranbringen. Der Opposition müsse dann geholfen werden, die Institutionen des Staates zu schützen und eine demokratische und pluralistische Regierung aufzubauen, sagte Clinton in Istanbul. Geplant war auch ein Gespräch mit dem türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül.
Clinton sagte, die USA erwägen zur Unterstützung der syrischen Rebellen die Einrichtung einer Flugverbotszone. Das sei eine der möglichen Optionen und Grund für die beschlossene Vertiefung der operativen Zusammenarbeit mit der Türkei. Ein Flugverbot müsste mit einem militärischen Einsatz durchgesetzt werden, den der Westen bisher mit Blickrichtung auf Syriens Schutzmächte Russland und China vermeiden will.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)
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