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'Mursi greift sich gesamte Macht': Geteiltes Echo in Kairo

13.08.2012 | 15:14 |   (DiePresse.com)

Die Absetzung der ägyptischen Militärspitze durch Präsident Mursi sorgt teils für Jubel, teils für Besorgnis. In den Reihen der Streitkräfte regt sich kein öffentlicher Widerstand.

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Die überraschende Absetzung von Militärrats-Chef Mohammed Hussein Tantawi durch den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi stößt in Ägypten auf geteiltes Echo. Während die Staatszeitung "Al-Akhbar" am Montag die Entmachtung Tantawis als "revolutionär" feierte, warnte die Militär-nahe "Al-Usbua" vor einer "Diktatur der Muslimbrüder".

Mursi hatte am Sonntagabend Verteidigungsminister Tantawi und seinen Stellvertreter, Generalstabschef Sami Enan, in den Ruhestand versetzt. Zudem versetzte er die Oberkommandierenden der Marine, der Luftwaffe und der Luftabwehr, die ebenfalls dem Militärrat angehörten, auf Führungsposten im öffentlichen Sektor. Mursi hob außerdem den umstrittenen Verfassungszusatz auf, mit dem sich der Militärrat im Juni nach der Auflösung des Parlaments eigenmächtig das Recht zur Gesetzgebung, ein Veto bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung sowie ein Veto bei allen Budgetentscheidungen gesichert hatte.

ElBaradei: "Schritt in die richtige Richtung"

Der ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Mohamed ElBaradei, sprach am Montag von einem "Schritt in die richtige Richtung". Auch Vertreter der Protestbewegung, die im Februar 2011 zum Sturz Hosni Mubaraks geführt hatten, äußerten sich positiv. Noch am Sonntagabend feierten tausende Anhänger Mursis auf dem Kairoer Tahrir-Platz den "Sieg über das Militär".

Offene Kritik kam aus Juristenkreisen. "Ein Präsident hat nicht die Vollmacht, eine Verfassung zu ändern, auch nicht eine provisorische", sagte die Verfassungsrichterin Tahani el-Gabali dem Portal "alahramonline". Trotz seiner Zustimmung warnte ElBaradei: "Ein Präsident, der sowohl exekutive als auch gesetzgeberische Vollmachten hat, widerspricht dem Kern der Demokratie. Das kann nur ausnahmsweise und provisorisch gehen."

"Mursi greift sich die gesamte Macht", schrieb die unabhängige Zeitung "Al-Masri al-Youm" im Hinblick auf die Absetzung des 76-jährigen Marschalls Tantawi. Die ebenfalls unabhängige Zeitung "Al-Shurouk" warnte, dass der Präsident mit der Übernahme des Rechts zur Gesetzgebung mehr Vollmachten erhielte als der im Februar 2011 gestürzte langjährige Machthaber Mubarak.

In den Reihen der Streitkräfte regte sich indessen am Montag kein öffentlicher Widerstand. Dies wurde als Zeichen dafür gewertet, dass die überraschende Maßnahme von Generälen niedrigen Ranges sowie von vielen weiteren Offizieren gebilligt wurde. Ein Beobachter sprach von einem Handstreich von Zivilisten, der von jüngeren Armee-Angehörigen mitgetragen wurde. Dabei soll auch der Wunsch vieler Armee-Angehöriger nach einem Generationswechsel eine Rolle spielen.

Israel zeigt sich besorgt

In Israel stieß die Absetzung Tantawis auf Besorgnis. Die Absetzung der eher israelfreundlichen Militärspitze seien überraschend früh gekommen, schrieb die Zeitung "Jerusalem Post" am Montag. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte, die Entwicklung im Nachbarland werde mit "einiger Sorge" verfolgt.

Die Europäische Union betont die Notwendigkeit einer weiteren Demokratisierung. "Die EU erwartet einen raschen Abschluss der Arbeiten an einer neuen Verfassung, die die Rechte und Freiheiten aller Ägypter schützt, sowie Parlamentswahlen so rasch wie möglich zur Vervollständigung des demokratischen Übergangs", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Daran müssten alle gesellschaftlichen Gruppen und politischen Kräfte beteiligt werden.

Nach dem Sturz Mubaraks hatte der Oberste Militärrat das Heft in die Hand genommen. Unmittelbar vor der Wahl von Mursi, des Kandidaten der Muslimbruderschaft, zum Präsidenten löste der Militärrat das von den Islamisten dominierte Parlament auf, beschnitt die Vollmachten des neuen Staatschefs stark und sicherte sich die Federführung bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung. Mit einer neuen Verfassungserklärung übertrug nun Mursi am Sonntag die Vollmachten, die bisher die Militärs exklusiv für sich beansprucht hatten, auf sich selbst.

(APA/AFP/dpa)

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65 Kommentare
 
12

Jubel

Weshalb schreibt dieser Korrespondent nicht von den Christenverfolgungen in diesem ach so schönen Land?

Re: Jubel

Oder von den Beschneidungen des weiblichen Genitals, die immer noch massenhaft geschehen, obwohl sie seit Jahrzehnten verboten sind?

2 0

bitte

was gibt es bei Ägypten zu bejubeln? Überbevölkerung und Armut?


Im "White House"

war vor ein paar Tagen "Fastenbrechen Dinner"

Gast: Karl Huber
13.08.2012 20:08
7 0

Bumm... Da Unten habe ich ja einen ghörigen Aufstand produziert :)

Noch was zum Atatürk der ja bekanntlich ein "großer Freund" der Islamisten war....
In der Türkei wissen die Islamisten nicht wenns mehr hassen sollen?! Den Atatürk oder die Frauen! ;D

Warum erscheint dieser Artikel als Aufmacher?

Relevanz für Österreich: 0

Antworten Gast: abcdefghijklmnop
14.08.2012 10:31
1 0

Re: Warum erscheint dieser Artikel als Aufmacher?

Flüchtlinge, Suez-Kanal, Terroristen, Destabilisierung im Nahen Osten.

Bitte behalte deine Ahnungslosigkeit im Sozialbau.

Gast: E.T.
13.08.2012 18:44
19 5

In Ägypten gehts nur mehr bergab

Schade um ein so schönes und geschichtlich so interessantes Land.

Seit Sadat geht es nur mehr bergab.

Und wieder ist der Islam das Zünglein an der Waage. Die ganze Welt schaut zu, beklatscht den Erfolg, dass endlich wieder ein Land zurück ins finstere Mittelalter stolpern wird.

Ich will diese Entwicklung nicht glauben, sehe aber, wie schnell das geht.

Syrien wird der nächste Kandidat auf der Liste sein.


Re: In Ägypten gehts nur mehr bergab

wenns nach Ihnen ginge, wäre Österreich immer noch die Ostmark und Sowjetunion und der Ostblock real existent. aber a ruh wär.

Antworten Gast: Karl Huber
13.08.2012 20:11
7 1

Re: In Ägypten gehts nur mehr bergab

Da habens wohl wahr!
In Ihrer Aufzählung solltens Lybien und Tunesien nicht vergessen. Die sind schon an der Reihe.
Syrien macht mir persönlich weniger einen Kopf. Die Türkei dagegen...

13 0

ORF&restliche Medien jubeln immer noch -

wann werden die Ahnungslosen wach?

Antworten Gast: Ggrufti
13.08.2012 19:28
8 1

Re: ORF&restliche Medien jubeln immer noch -

Gar nicht, denn sie wollen nicht.

Re: Re: ORF&restliche Medien jubeln immer noch -

Richtig - ein Musterbeispiel an Manipulation!

Gast: Tzz
13.08.2012 17:09
18 0

Ist aber schnell Herbst geworden

mit dem Ägyptischen Frieden im islamischen Frühling.

Re: Ist aber schnell Herbst geworden

Besser als Winter und Schnee von gestern.
Im Westen nichts neues !

Österreich

Das Land mit den Tollsten Politikern
den der Planet Erde je gesehen hat,
darf natürlich Mursi bekritteln ;D

Mursi

Der Moslem der alle in Angst und Schrecken versetzt ;D
Und die Ewig gestrigen können und wollen nicht akzeptieren das er Demokratisch gewählt wurde.Nach dem
Motto wer der Präsident von Ägypten sein darf bestimmen wir !

19 1

Re: Mursi

auch der GRÖFAZ wurde demokratisch gewählt

Antworten Antworten Gast: Lesenbildet
13.08.2012 21:50
4 0

Re: Re: Mursi

Und war auch ein erklärter Freund der netten Herren mit Bart wie das Plakatkonterfei.

Re: Re: Mursi

Auch Fayman !

Antworten Antworten Antworten Gast: Karl Huber
13.08.2012 20:18
3 1

Re: Re: Re: Mursi

Wenns damit anspieln wollen das der Eine und der Andere nicht wesentlich besser/schlimmer isch, habens zum Teil wohl wahr. Kommens doch beide aus der selben, linken, Richtung.....

Gast: Karl Huber
13.08.2012 15:18
10 4

Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen

Das wird wieder eine Abfuhr für die Araber wie die IDF einst dem Nasser in den A... getreten haben. Dann wird wieder 20 Jahr a Ruh sein bis die nächsten Mullahs auftauchen.
Wer hat unten geschrieben: "macht es wie die türken" und der Andere "ja. wie Kemal Atatürk"..
Schliesse mich an. Beim Atatürk.. :)

Re: Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen


Statt demokratisch gewählte Muslime zu kritisieren sollte man sich Gedanken
machen,wie man ein Volk unterstützen
kann das endlich 40 Jahre Diktatur hinter sich hat ! Ist das der Westen den sich Mursi als Vorbild nehmen soll ?
Alles muß so sein wie sich das der makellose Westen so vorstellt oder ?
Völker sollten sich gegenseitig helfen
egal welcher glaube oder Rasse !
Immer dieses Islam Terror Mittelalter
Gequatsche ist Peinlich.

Re: Re: Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen

Allerdings gehört definiert, was unter "Hilfe" zu verstehen ist.

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Re: Re: Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen

Terrorgruppen waren und sind nunmal zumeist in dieser Region angesiedelt und seit dem Ende des Fatah ausschließlich dem islamistischen Lager zuzuordnen! Der Muslimbruderschaft gehörten zeitweilig so "harmlose" Herren wie Zawahiri (El Kaida) oder Rahman an. „Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Jihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch." Supertoll! Vielleicht und das hoffe ich, kratzt der Herr Mursi da noch die Kurve!

 
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