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Ägypten: Mursis gefährliche Machtfülle

13.08.2012 | 17:49 |  von unserem Korrespondenten Karim El-Gawhary (Die Presse)

Mohammed Mursi, dem neu gewählten Präsidenten Ägyptens, gelang ein wichtiger, mutiger und überraschender Befreiungsschlag gegen die Militärs des Landes. Nun liegt alle Macht in seinen Händen. Eine Analyse.

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Kairo. Ägyptens Generäle wurden von der zivilen Staatsmacht in die Wüste geschickt. Die Entmachtung der obersten Militärführung ist für das Land am Nil das wohl wichtigste Ereignis seit dem Sturz Mubaraks und kann gar nicht überbewertet werden. Erstmals hat ein ziviler Staatschef offen eine Entscheidung gegen die Militärs getroffen. Der mutige Befreiungsschlag des neu gewählten Präsidenten Mohammed Mursi, Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi und Generalstabschef Sami Enan in Pension zu schicken, kam als große Überraschung. Die beiden grauen Eminenzen galten als die wahren – und damit unantastbaren – Machthaber Ägyptens.

Mursi agierte geschickt. Er hat ausgenutzt, dass bei den Ereignissen der vergangenen Tage im Sinai viele für die Militärs unangenehme Fragen aufkamen: Wo waren etwa die Offiziere, als bei einem Angriff auf einen Posten der Armee 16 Gefreite getötet worden waren? Sie hatten ihren Posten verlassen, um woanders auf feinere Art ihr Ramadanfasten zu brechen.

An eigener Entmachtung beteiligt

Mursi hat es aber auch geschafft, die Armee zu spalten, und Mitglieder des Militärrates an dessen eigener Entmachtung zu beteiligen. Sowohl der neue Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi als auch der neue Stabschef Sidqi Subhi kommen aus dem Militärrat.
Mit ihrer Ernennung haben sie auch zugestimmt, dass sich Mursi in einer Verfassungserklärung all jene exekutiven Kompetenzen zurückholt, die sich der Rat in einer von ihm verkündeten Übergangsverfassung zuvor gesichert hatte.

Und Mursi hat die entlassenen Generäle noch einmal hoch dekorieren lassen und offiziell zu seinen Beratern gemacht. Damit stellt er zweierlei sicher: Die pensionierten Militärs bleiben zunächst gerichtlich unantastbar, ein wichtiger Punkt, damit diese bei ihrer Entlassung keinen Widerstand organisieren und womöglich putschen. Und als Präsidialberater dürfen sie ohne Genehmigung des Präsidenten nicht ausreisen. Damit sind spätere gerichtliche Schritte gegen sie nicht ausgeschlossen. Dass das Militär seit der Entlassung nichts unternommen hat, spricht dafür, dass die Taktik des Präsidenten vorerst aufgeht.

Man kann das Ganze aus zweierlei Perspektive betrachten: Im Machtkampf zwischen den Muslimbrüdern, denen Muris entstammt, und den Militärs haben die Muslimbrüder nun gewonnen. Es war aber auch ein Machtkampf zwischen der gewählten und damit legitimierten Institution des Staatschefs und der nicht gewählten, intransparenten und nicht zur Rechenschaft zu ziehenden Institution des Militärrates. Dass der Präsident ihn für sich entschieden hat, ist auch ein Erfolg für die Demokratisierung des Landes. Gefährlich ist dabei freilich die Machtfülle, die der Präsident im Moment innehat. Mursi hat die volle exekutive und legislative Macht und das Recht, die verfassunggebende Versammlung neu aufzustellen.  Die große Frage ist, wie verantwortungsvoll er mit diesem Monopol umgeht.

Signal  an Liberale und Linke

Mursi braucht breite Unterstützung, die über seine eigene Klientel, die Muslimbrüder, hinausreicht. Dabei ist die gestrige Ernennung Mahmud Mekkis zum Vizepräsidenten von großer Bedeutung. Der liberale Richter war in den letzten Mubarak-Jahren das Aushängeschild der Richter in ihrem Kampf für eine vom Regime unabhängige Justiz. Seine Ernennung ist damit ein wichtiges Signal an liberale und linke Kreise.

Nachdem das Militär nun ausgebootet ist, wird sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Schreiben einer neuen Verfassung konzentrieren. Dieser Prozess wird nur Erfolg haben, wenn er in einem breiten gesellschaftlichen Konsens stattfindet. Das ist die nächste große Herausforderung, vor der das Land steht. Erst dann kann es Neuwahlen zu einem Parlament geben. Erst dann wäre die Gewaltenteilung und damit die Grundlage für ein tatsächlich demokratisches Ägypten hergestellt. Sicherlich ein steiniger Weg. Aber ein scheinbar unüberwindlicher Felsbrocken wurde jetzt aus dem Weg geschafft. Die Türkei hat drei Jahrzehnte gebraucht, um die Generäle aus der Politik zu entfernen. Ägypten hat sie, wie es derzeit scheint, in nur 18 Monaten in „Pension“ geschickt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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65 Kommentare
 
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Jubel

Weshalb schreibt dieser Korrespondent nicht von den Christenverfolgungen in diesem ach so schönen Land?

Re: Jubel

Oder von den Beschneidungen des weiblichen Genitals, die immer noch massenhaft geschehen, obwohl sie seit Jahrzehnten verboten sind?

2 0

bitte

was gibt es bei Ägypten zu bejubeln? Überbevölkerung und Armut?

Ägypten wird das neue Sammelbecken für radikale Islamisten aus Europa werden!

http://www.krone.at/Welt/D_Wiener_Taliban_ruft_seine_Anhaenger_nach_Aegypten-Zur_Radikalisierung-Story-330945

Im "White House"

war vor ein paar Tagen "Fastenbrechen Dinner"

Gast: Karl Huber
13.08.2012 20:08
7 0

Bumm... Da Unten habe ich ja einen ghörigen Aufstand produziert :)

Noch was zum Atatürk der ja bekanntlich ein "großer Freund" der Islamisten war....
In der Türkei wissen die Islamisten nicht wenns mehr hassen sollen?! Den Atatürk oder die Frauen! ;D

Warum erscheint dieser Artikel als Aufmacher?

Relevanz für Österreich: 0

Antworten Gast: abcdefghijklmnop
14.08.2012 10:31
1 0

Re: Warum erscheint dieser Artikel als Aufmacher?

Flüchtlinge, Suez-Kanal, Terroristen, Destabilisierung im Nahen Osten.

Bitte behalte deine Ahnungslosigkeit im Sozialbau.

Gast: E.T.
13.08.2012 18:44
19 5

In Ägypten gehts nur mehr bergab

Schade um ein so schönes und geschichtlich so interessantes Land.

Seit Sadat geht es nur mehr bergab.

Und wieder ist der Islam das Zünglein an der Waage. Die ganze Welt schaut zu, beklatscht den Erfolg, dass endlich wieder ein Land zurück ins finstere Mittelalter stolpern wird.

Ich will diese Entwicklung nicht glauben, sehe aber, wie schnell das geht.

Syrien wird der nächste Kandidat auf der Liste sein.


Re: In Ägypten gehts nur mehr bergab

wenns nach Ihnen ginge, wäre Österreich immer noch die Ostmark und Sowjetunion und der Ostblock real existent. aber a ruh wär.

Antworten Gast: Karl Huber
13.08.2012 20:11
7 1

Re: In Ägypten gehts nur mehr bergab

Da habens wohl wahr!
In Ihrer Aufzählung solltens Lybien und Tunesien nicht vergessen. Die sind schon an der Reihe.
Syrien macht mir persönlich weniger einen Kopf. Die Türkei dagegen...

13 0

ORF&restliche Medien jubeln immer noch -

wann werden die Ahnungslosen wach?

Antworten Gast: Ggrufti
13.08.2012 19:28
8 1

Re: ORF&restliche Medien jubeln immer noch -

Gar nicht, denn sie wollen nicht.

Re: Re: ORF&restliche Medien jubeln immer noch -

Richtig - ein Musterbeispiel an Manipulation!

Gast: Tzz
13.08.2012 17:09
18 0

Ist aber schnell Herbst geworden

mit dem Ägyptischen Frieden im islamischen Frühling.

Re: Ist aber schnell Herbst geworden

Besser als Winter und Schnee von gestern.
Im Westen nichts neues !

Österreich

Das Land mit den Tollsten Politikern
den der Planet Erde je gesehen hat,
darf natürlich Mursi bekritteln ;D

Mursi

Der Moslem der alle in Angst und Schrecken versetzt ;D
Und die Ewig gestrigen können und wollen nicht akzeptieren das er Demokratisch gewählt wurde.Nach dem
Motto wer der Präsident von Ägypten sein darf bestimmen wir !

19 1

Re: Mursi

auch der GRÖFAZ wurde demokratisch gewählt

Antworten Antworten Gast: Lesenbildet
13.08.2012 21:50
4 0

Re: Re: Mursi

Und war auch ein erklärter Freund der netten Herren mit Bart wie das Plakatkonterfei.

Re: Re: Mursi

Auch Fayman !

Antworten Antworten Antworten Gast: Karl Huber
13.08.2012 20:18
3 1

Re: Re: Re: Mursi

Wenns damit anspieln wollen das der Eine und der Andere nicht wesentlich besser/schlimmer isch, habens zum Teil wohl wahr. Kommens doch beide aus der selben, linken, Richtung.....

Gast: Karl Huber
13.08.2012 15:18
10 4

Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen

Das wird wieder eine Abfuhr für die Araber wie die IDF einst dem Nasser in den A... getreten haben. Dann wird wieder 20 Jahr a Ruh sein bis die nächsten Mullahs auftauchen.
Wer hat unten geschrieben: "macht es wie die türken" und der Andere "ja. wie Kemal Atatürk"..
Schliesse mich an. Beim Atatürk.. :)

Re: Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen


Statt demokratisch gewählte Muslime zu kritisieren sollte man sich Gedanken
machen,wie man ein Volk unterstützen
kann das endlich 40 Jahre Diktatur hinter sich hat ! Ist das der Westen den sich Mursi als Vorbild nehmen soll ?
Alles muß so sein wie sich das der makellose Westen so vorstellt oder ?
Völker sollten sich gegenseitig helfen
egal welcher glaube oder Rasse !
Immer dieses Islam Terror Mittelalter
Gequatsche ist Peinlich.

Re: Re: Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen

Allerdings gehört definiert, was unter "Hilfe" zu verstehen ist.

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Re: Re: Die IDF soll schon mal die Waffen klar machen

Terrorgruppen waren und sind nunmal zumeist in dieser Region angesiedelt und seit dem Ende des Fatah ausschließlich dem islamistischen Lager zuzuordnen! Der Muslimbruderschaft gehörten zeitweilig so "harmlose" Herren wie Zawahiri (El Kaida) oder Rahman an. „Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Jihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch." Supertoll! Vielleicht und das hoffe ich, kratzt der Herr Mursi da noch die Kurve!

 
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