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Pakistan: Geheimtreffen mit inhaftiertem Taliban-Führer

13.08.2012 | 17:37 |  von unserem Korrespondenten Sascha Zastiral (Die Presse)

Afghanistans Präsident Hamid Karsai schickt Unterhändler zur einstigen Nummer zwei der Extremisten, Mullah Abdul Ghani Baradar. In Pakistan wurden über mögliche Friedensverhandlungen gesprochen.

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Bangkok/Islamabad. Vertreter der afghanischen Regierung haben sich in Pakistan mit der früheren Nummer zwei der Taliban, Mullah Abdul Ghani Baradar, getroffen und über mögliche Friedensverhandlungen gesprochen. Baradar galt lange als rechte Hand von Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar. 2010 haben ihn die pakistanischen Behörden in Karachi festgenommen, nachdem bekannt geworden war, dass Afghanistans Regierung heimlich Gespräche mit den Taliban geführt hat. Auch ein Dutzend weiterer Taliban-Anführer wurde verhaftet. Auf diese Weise wollte Pakistan offenbar sicherstellen, an Gesprächen beteiligt zu werden, um Einfluss auf Afghanistans Zukunft nehmen zu können. Pakistans Strategen möchten ein gefestigtes, proindisches Regime in Kabul um jeden Preis verhindern.

Gespräche im Gefängnis

„Afghanische Regierungsvertreter und Mitarbeiter der afghanischen Botschaft haben vor zwei Monaten geheime Gespräche mit Baradar im Gefängnis in Pakistan geführt“, berichtete Mohammad Ismail Qasimyar, Mitglied des afghanischen Hohen Friedensrates. Die afghanische Regierung habe Islamabad ersucht, Baradar freizulassen, da er Interesse an Friedensverhandlungen mit Kabul gezeigt habe. Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat den Hohen Friedensrat ernannt, um Friedensgespräche mit den Taliban und anderen Aufständischen zu führen. Der Vorsitzende des Rates war bis zu seiner Ermordung im vergangenen Jahr der ehemalige afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani.

Ein Mitglied des pakistanischen Sicherheitsapparats bestätigte am Montag, dass es das Treffen gegeben habe. Bezüglich der Freilassung Baradars hielt er sich jedoch bedeckt: „Es muss sich noch zeigen, wie wichtig Baradar ist und welche Rolle er spielen könnte.“

Vorstöße aus Pakistan

Pakistans Rolle im Afghanistan-Krieg ist äußerst ambivalent. Seit jeher leugnet Islamabad, dass es Kontakte zur Taliban-Führung unterhalte oder dass sich deren Mitglieder in Pakistan aufhielten. Das ist jedoch unwahrscheinlich. Das Haqqani-Netzwerk, die vielleicht radikalste Gruppierung, die in Afghanistan Seite an Seite mit den Taliban kämpft, operiert von Nord-Waziristan aus, einem halb autonomen Stammesgebiet im Nordwesten Pakistans. Bis heute weigert sich Pakistans Armee, gegen diese Gruppe vorzugehen, deren Kämpfer bislang allem Anschein nach nie Ziele in Pakistan angegriffen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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