Er ist der bisher prominenteste Politiker Syriens, der sich von Machthaber Bashar al-Assad abgesetzt hat: Der desertierte Premier Riad Hijab hat sich nun erstmals nach seiner Flucht zu Wort gemeldet und Assads Regime scharf verurteilt: Es sei ein "Feind Gottes", sagte Hijab nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in Jordaniens Hauptstadt Amman.
Hijab schilderte den Zerfall der Führung in Damaskus: Das Regime würde kollabieren - und zwar moralisch, finanziell und militärisch, zitiert die BBC den Ex-Premier. Hijab schätzt demnach, dass Assads Armee nur noch 30 Prozent des Landes kontrolliert.
Die zersplitterte syrische Opposition rief Hijab auf, sich zu vereinen und lobte sie zugleich: "Ihr seid die besten Kämpfer der Welt." Außerdem appellierte er an Assads militärische Führung, seinem Beispiel zu folgen und sich den Rebellen anzuschließen.
Freiwillig Regierung verlassen
Hijab war vor mehr als einer Woche nach Jordanien geflohen. Das Staatsfernsehen hatte zuvor berichtet, der Premier sei abgesetzt worden. Hijab betonte am Dienstag aber erneut, dass er die Regierung aus eigenem Willen verlassen habe, weil Assad die Kämpfe nicht stoppen hätte können. Hijab ist Sunnit, der Assad-Clan und die meisten Spitzen der Sicherheitskräfte gehören der alawitischen Minderheit an.
Beim Vorbereitungstreffen zu einer OIC-Gipfel in Mekka stimmten die Außenminister der 57 Mitgliedstaaten mehrheitlich für die Suspendierung Syriens von der OIC. Laut OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu gab es einen "Konsens mit überwältigender Mehrheit". Der Iran kritisierte den Beschluss. Sonst stimmte nur Algerien gegen die Empfehlung. Syrien ist bei dem Treffen, das von Saudi-Arabiens König Abdallah berufen wurde, nicht vertreten.
Neues Militärmanöver an syrischer Grenze
Die Türkei schickte am Dienstag schwer bewaffnete Truppen zu einem Militärmanöver an die Grenze zu Syrien. Einheiten seien mit Panzern, Truppentransportern und Raketenwerfern an den Grenzübergang Öncüpinar in der Provinz Kilis vorgerückt, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Mit der Übung sollte die Kampffähigkeit der Truppen getestet werden.
Die Türkei hat bereits mehrere Manöver an der Grenze abgehalten. Regierungsvertreter haben gewarnt, dass die türkische Armee bei Angriffen aus Syrien oder einem Massenansturm von Flüchtlingen über die Grenze hinweg eingesetzt werden könnte.
UN will Nothilfe massiv ausweiten
Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) teilte in Genf mit, dass es seine Nothilfe für Syrien massiv steigern wolle. Im Juli seien 500.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt worden, im August sollen es 850.000 sein, im September ein Million Menschen. 180 Millionen Dollar (146 Mio. Euro) würden dafür benötigt, doch seien erst 40 Prozent des Betrags finanziert
In der umkämpften Stadt Aleppo wird derweil die Versorgung mit Lebensmitteln immer schwieriger. Ärzte in einem provisorischen Krankenhaus berichteten, einige Menschen kämen eher wegen des Hungers und weniger wegen Verletzungen und Krankheiten. In der Stadt lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte erneut Gefechte. Aus den Vierteln Seif al-Daula und Salaheddin seien Explosionen zu hören gewesen. Die Armee habe drei weitere Stadtteile beschossen.
(Red.)
Türkei vs. Syrien: Zwei Armeen im Vergleich
Brennpunkt Syrien: Der Aufstand gegen Assad
Assad: Ein Diktator vor dem Ende?
Kampf um Syrien: Bilder eines Bürgerkriegs
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
