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Stinger-Wunderwaffen für Syriens Rebellen

15.08.2012 | 18:22 |  PETER STEINBACH (ALEPPO) (Die Presse)

In der Türkei soll eine Lieferung der legendären Luftabwehrraketen bereitliegen. Die Aufständischen wollen so die Lage zu ihren Gunsten kippen. Doch Terroristen könnten damit Zivilflugzeuge attackieren.

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Die MiG-23 dreht nach dem ersten Angriff eine Schleife, um erneut mit ihrer Bordkanone Stellungen der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) zu beschießen. Kaum hat die Maschine zum Tiefflug angesetzt, rattern 14,5-Millimeter-Flakgeschütze. Der Pilot versucht abzudrehen – zu spät. Die MiG fängt Feuer und stürzt ab. „Gott ist groß! Gott ist groß!“, rufen die Schützen der FSA. Zum ersten Mal gelang es den Rebellen, einen Jagdbomber der Luftwaffe abzuschießen.

Seit die Rebellen am 20. Juli Teile von Aleppo erobert haben, intensivierte das Regime den Einsatz seiner Kampfflugzeuge – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung, aber auch für die FSA. Sie steht den Luftangriffen bisher hilflos gegenüber. Sollte sich am militärischen Ungleichgewicht nichts ändern, droht die Rückeroberung Aleppos durch die Regimetruppen von Machthaber Bashar al-Assad. Dies würden den seit mittlerweile 18 Monate andauernden Aufstand, der längst zum Bürgerkrieg geworden ist, auf unbestimmte Zeit verlängern.

„Wir brauchen nicht mehr Kämpfer, sondern moderne Waffen“, klagte Abu Ali, ein bekannter Bataillonskommandant der FSA: „Nur so gewinnen wir den Krieg in Aleppo und in ganz Syrien“, sagte der 25-Jährige, der zur Heldenfigur avancierte. Trotz einer Beinverletzung und Krücken dirigiert er seine Kämpfer an der Front. Auf der Wunschliste der FSA stehen Panzerabwehrraketen, vor allen Dingen jedoch effiziente Waffen gegen Flugzeuge und Helikopter.

 

„Mutter aller Schlachten“

Mit dem Beginn der „Mutter aller Schlachten in Aleppo“ mehrten sich Spekulationen über die Lieferung moderner Waffensysteme. Und nun scheint sich tatsächlich etwas getan zu haben. „Seit Langem arbeiten wir hart, das Nötige aus dem Ausland zu bekommen“, erklärt Mahmoud Sheik-Elzour, einer der einflussreichsten FSA-Leute: „Und nun ist es soweit. Panzerabwehrwaffen und vor allem ,Stinger‘-Raketen liegen in der Türkei für uns bereit.“

Stingers sind tragbare, infrarot-gesteuerte Bodenluftraketen des US-Herstellers Raytheon, die von der Schulter gestartet werden. Sie finden ihr Ziel über die Hitzeentwicklung des Objekts. Eine beliebte Waffe auch bei Terroristen, da sie neben Kampffliegern auch Passagiermaschinen vom Himmel holen kann. In Afghanistan trug sie entscheidend zum Ende der sowjetischen Besatzung (1979–1989) bei.

„In Syrien wird es nicht anders sein“, glaubt Sheik-Elzour. Nach 25 Jahren im Exil in den USA, wo er es zum wohlhabenden Geschäftsmann gebracht hatte. Der 52-Jährige mit Universitätsabschluss hat an vielen Gefechten teilgenommen, aber er kämpft gleichzeitig an einer nicht weniger wichtigen anderen Front: Im Hintergrund sucht er über stille Kanäle nach Waffen und Geld. „Ach, nach London muss ich bald fahren“, sagt er lapidar. „Großbritannien gibt fünf Millionen Pfund (etwa 6,4 Mio. Euro) und will wissen, an wen es geht – und wofür.“

 

USA müssen Erlaubnis geben

Woher die Stinger kommen, will er nicht verraten. „Sie sind da, wurden bezahlt und Katar hat damit zu tun“, sagt er geheimnisvoll. Viel mehr braucht der FSA-Mann nicht zu sagen. Die Türkei hat zusammen mit Saudiarabien und Katar eine Kommandozentrale in Adana in der Türkei eingerichtet, um die FSA zu unterstützen. Die Türkei produziert unter US-Lizenz Stinger. Offiziell braucht es das Plazet aus Washington, um sie an Dritte abzugeben. Die Türkei soll im Besitz von insgesamt 850 Stück dieser begehrten Waffe sein.

Im Grenzgebiet zu Syrien drückt die Türkei sämtliche Augen zu. Das Gebiet ist Nachschubbasis und Rückzugsgebiet der FSA. „Zwei-, dreimal die Woche passieren Lkw und Kleintransporter voll mit Waffen die Grenze“, berichtet ein Augenzeuge, der anonym bleiben will: „Und das türkische Militär eskortiert den Konvoi.“

 

Albtraum: Stinger für Jihadisten

Wenn Sheik-Elzour über die Haltung westlicher Länder spricht, kommt er in Rage: „Wie viele tausende Zivilisten müssen noch sterben, bis man endlich handelt?“ Die offizielle Richtlinie der USA besagt: technisches Gerät für die Rebellen ja, aber keine „tödliche Unterstützung“. Aufgebracht zeigt Sheik-Elzour auf seinem Laptop eine E-Mail von Robert Ford, US-Botschafter in Syrien: „Das ist doch ein Hohn“, ruft der FSA-Unterhändler und liest Passagen aus dem Brief des US-Diplomaten vor: „Wir unterstützen nur eine nicht gewalttätige Opposition.“

Den Stinger-Coup habe man im Alleingang eingefädelt, erklärt Sheik-Elzour. „Man kann nicht immer warten und sich auf andere verlassen.“ Die Übergabe der Luftabwehrraketen sei jedoch an Bedingungen geknüpft. Die Lieferanten wollen sichergehen, dass die Stinger nicht in falsche Hände gelangen. Wie in Afghanistan: Nach dem Abzug der Sowjets mussten die USA sie zu einem Vielfachen des Preises zurückkaufen. Viele der Raketen blieben jedoch verschwunden. Dass diese Waffen in Syrien in die Hände al-Qaida-naher Gruppen fallen, will man um jeden Preis verhindern. Es wäre ein Albtraumszenario.

Auf einen Blick

Der Bürgerkrieg in Syrien kostete seit März 2011 laut Schätzungen der UNO schon mindestens 17.000 Menschen das Leben. Oppositionsgruppen sprechen sogar von mehr als 20.000 Toten. Die Zahl der Flüchtlinge steigt täglich, allein im Nachbarland Türkei sollen es inzwischen mehr als 61.000 sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)

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28 Kommentare
 
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Gast: gay pepe
20.08.2012 22:45
0 0

terreur

zitat wikipedia:
In einem „Tugendstaat“ seien das Volk durch Vernunft zu leiten und die Feinde des Volkes durch „terreur“ zu beherrschen, so Robespierre am 5. Februar 1794 vor dem Konvent: „Terror ist nichts anderes als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend. Der Terror ist nicht ein besonderes Prinzip der Demokratie, sondern er ergibt sich aus ihren Grundsätzen, welche dem Vaterland als dringendste Sorge am Herzen liegen müssen.“ Dem Exekutivorgan dieses Staatsterrors, dem Pariser Revolutionstribunal, fiel Robespierre noch im selben Jahr schließlich selbst zum Opfer.

lol

Gast: wieni2010
17.08.2012 15:52
0 0

BREAKING: Syrian rebels acquire Stinger missiles

Free Syrian Army Opposition source: Syrian rebels acquire Stinger missiles

http://english.alarabiya.net/articles/2012/08/17/232739.html?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

Gast: mujaheddin
16.08.2012 15:54
2 0

Und welche Waffen haben

die anderen Rebellen in der Region:

Hizbollah
Hamaz
iranische Garden?

Die Terroristen die in Syrien Morde begehen werden jedenfalls von US-(Verbündeten) finanziert und mit Waffen versorgt.

Was die moralische Tuerei der US-Politiker als das entlarvt was es ist - Heuchelei...

1 1

Bedenklich, aber...

trotzdem ist das unbedeutend gegenüber der Menge an Kriegsmaterial, dass im Falle eines Sieges der Terroristen diesen in die Hände fallen würde.

Das bedenkt offenbar niemand....

Gast: General Schnitzelsemmel
16.08.2012 08:48
2 0

Ein geradezu genialer Schachzug der Türken

sie werdend as spätestens sehen wenn die PKK ein paar davon in die Finger bekommt, das dürfte kaum allzu schwer für sie sein, und damit in der Touristensaison eine Passagiermaschiene runterholt.


.....

krieg ist einfach was trauriges... wenn man sich auf bilder die weinenden eltern anschaut und die ganze politiker wegschauen ist das noch trauriger!!:-( egal ob moslem, christ oder jude wir sind alle gleich selbst terroristen haben gründe terroristen zu sein den sicher sind sie es nicht so zum spaß aber trotzdem gefängnisse sind noch menschlich :D!! jeder der anderer meinung ist dem ist nicht zu helfen!

Gast: Hehehee
16.08.2012 01:19
0 0

Syrien?

Großarmenien.

Wie wäre es mit der Lieferung von 100 Kampfhubschraubern

die dann von türkischen Flugplätzen aus Ziele in Syrien angreifen. die Piloten werden dabei von der Türkei gleich mitgeliefert......
Erfolgt ja alles nur im Rahmen der Nachbarschaftshilfe und des Kampfes für die Menschenrechte und gegen den Terrorismus.

Den Amis kann man nur

Solche Rebellen im eigenen Land wünschen.

Werden die USA auch Atomwaffen an die Rebellen liefern

wenn sonst nichts hilft?

Da wird dann wohl die PKK bald auch russische Flugabwehrraketen "kaufen" können.

Wird dann die Türkei Russland angreifen?

Gast: Waschmachine69
15.08.2012 23:15
1 0

ob das so klug ist?

solche Waffen irgendwelchen Gruppierungen zu geben kann auch ein ziemlicher Schuss in den Ofen werden… man sollte nur bedenken dass die Türken eigentlich sich nur weitere Probleme züchten wenn die PKK plötzlich Besitzer solcher Waffensysteme ist und einen eigenen Staat (Kurdistan) möchte! Oder die anderen so-genannten "Freiheitskämpfer" auf die Idee kommen zB. gegen alles und jeden einzusetzen… man sollte sich aus dem Konflikt eigentlich raushalten sowohl Russland als auch Amerika und der Iran!

3 1

Die Geister die ich rief.

Heute richtet man die Stingerraketen gegen Syrische Regierungstruppen und morgen gegen zivile Ziele des Westens. Bravo USA

Der US-Imperialismus zerstört alles, was sich wehrt und beutet alles aus, was sich nicht wehrt.


Gast: richarda12
15.08.2012 22:30
1 1

Ja klar

Ja klar, nach dem Krieg werden alle Rebellen brav ihre Waffen und Stingers abgeben ! Das hat man schon in Libyen nicht geschafft. Am besten man schenkt sie gleich Al Kaida. Wie blöd sind so manche Militärs, Nachrichtendienstler und Politiker ? Sollten diese Waffen die Grenze zu Syrien passieren können wir uns alle warm anziehen denn dann werden sie leider bestimmt in die falschen Hände fallen. Wenn nötig muss man auch die eigenen Verbündeten dafür ausschalten damit so etwas nicht passiert.

2 0

so blöd können nur amis sein!!

schon in afghanistan wurden ihre hubschrauber mit von ihnen gelieferten stinger abgeschossen.
jetzt liefern sie der al kaida wieder luftabwehrraketen!

Gast: Cat
15.08.2012 21:47
1 0

Völkerrecht

Im Völkerrecht gilt das Prinzip der Gegenseitigkeit.

Wenn die Türkei Stinger-Raketen oder Panzerabwehrraketen an Rebellen/Terroristen (wie immer eine Frage des bevorzugten Branding) liefert, die gegen die Regierung eines Nachbarstaates kämpfen, dürfen die Nachbarstaaten ebenso Stinger-Raketen und Panzerabwehrraketen an Rebellen/Terroristen, die gegen die türkische Regierung kämpfen, liefern.

Die Türkei mag bedenken, dass sie viele Nachbarn hat.

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
15.08.2012 21:18
2 0

unverhohlene Befürwortung eines Krieges?

- jipiiee, die Rebellen schießen endlich Flieger ab!

- "droht die Rückeroberung Aleppos": man wünscht sich also die Eroberung Syriens durch die Rebellen, was einem langen brutalen Feldzug gleichkommt (der erfahrungsgemäß hunderttausende Tote zur Folge hätte)

- "Auf der Wunschliste der FSA stehen Panzerabwehrraketen..." jawohl, noch bessere Waffen schaffen sicher bald Frieden in Syrien

- „Mutter aller Schlachten in Aleppo“: davon kann keine Rede sein, es handelt sich noch um ein paar Häuflein Reb., die nie eine Chance hatten, in ein paar Tagen ist alles vorbei

- "Eine beliebte Waffe auch bei Terroristen": na endlich kommt die Wahrheit durch

- mittlerweile wird ganz offen zugegeben, dass GB, Türkei, etc Waffen bereitstellen

mir scheint, langsam wissen die Medien selbst nimma, was sie jetzt schreiben sollen


Gast: Wasserlaeufer
15.08.2012 21:07
1 0

Ich frage mich nur

was der kranke Mann am Posporus
davon hat?

Gast: Gesichtschirurg
15.08.2012 20:23
12 1

Es ist die Wiederholung von Afghanistan

- Erst werden islamistische Rebellen gegen ein pro- russisches Regime bewaffnet.

- Nach dem Machtwechsel wenden die arbeitslosen Kämpfer ihre Waffen gegen die Geldgeber der neuen Machthaber (USA).

- Und schon haben die USA und Adlaten einen Vorwand, um in dem Land einzumarschieren.


Re: Es ist die Wiederholung von Afghanistan

KORREKT!!

Ach ja, wenn die "Terrorgefahr" nicht wäre

dann wäre eine Lieferung Stingers an die Rebellen wohl legitim? Pfeifen.

USA und Türkei im Alleingang

USA und Türkei im Alleingang obwohl das Veto der NATO-Verbündeten nicht aufgehoben ist, für was gibts dann eine NATO??
Der UNO-Bericht der zu den Kriegsverbrechen vor liegt könnte durchaus in Frage gestellt werden, weil die "neutralen" UN Beobachter bis vorige Woche noch nicht mal gewusst haben dass sich dort Terroristen unter die FSM gemischt haben (was dann an Objektivität zweifeln lässt). Was wiederrum die NATO in verruf bringt.

Naja, sei es wie es ist. Einen politischen Wandel stellt man sich in der modernen Zeit anderst vor, jedoch wirds vom Ami unterstützt weil er seine Waffen an den Mann bringen muss um die Wirtschaft aufrecht zu erhalten.

Dem Obama gehört normalerweise der Friedensnobelpreis aberkannt.

Antworten Gast: Vorarlberg
16.08.2012 00:12
0 0

Re: USA und Türkei im Alleingang

Hallo,

Kurze Anmerkung - bitte verwechseln Sie nicht die UNO bzw. deren UN-Sicherheitsrat mit der NATO.

Gruss

Re: USA und Türkei im Alleingang

Bla Bla Bla Nato.

Ein Vertrag ist immer nur das Papier wert, auf dem er steht, und das ist nicht viel.

Wenn im Bündnisfall ein Nato-Mitglied eine erfolgsversprechendere Allianz mit einem Feindesstaat eingehen kann, wird es das sofort tun und die Partnerschaft ist Geschichte.

Schweigen heißt Sterben

Das Geschäft mit dem Tod. Mit Regie und Handbuch aus den USA und GB. Die Kriminalisierung der westlichen Politik ist einzigartig. Vollkommen unverhohlen wird das Völkerrecht gebrochen. Jedes Land, das geostrategischen Interessen im Wege ist, wird mit Hilfe von radikalen islamischen Räuber- und Terrorbanden destabilisiert. Mord und Todschlag werden in Auftrag gegeben. Amerika und seine Verbündeten haben jegliche Legitimation als berechtigte Mitglieder der UNO verloren. Wer jetzt weiter schweigt, wird von Tag zu Tag mehr ein stummer Zeuge von Verbrechen. Wir alle sind Zeugen einer Belagerung von Syrien. Die reguläre Armee und das Volk befinden sich seit 1 1/2Jahren in einem furchtbaren Verteidigungskampf auf eigenem Boden. Einige Staaten des Sicherheitsrates verlangen offiziell nach einem Ende der Brutalitäten und torpedieren im Hintergrund jegliche Aussicht auf Verhandlungen. Das Regime in Damaskus ist war zu solchen schon lange bereit. Stattdessen werden weitere „Aufständische“ aus Libyen und Saudi-Arabien mitsamt Leitungsoffizieren diverser Geheimdienste über die Türkei, Jordanien und dem Libanon infiltriert. Wie ein blutrünstiger Zeuge beobachtet der „Westen“ das Morden und Quälen und schreit mit lauter Stimme wenn seine Schergen in Gefahr geraten. Auftragsmorde an Zivilisten werden verübt und sofort dem Regime angelastet, nur um das öffentliche Bewusstsein für weitere Militärmaßnahmen zu formen.
Wir dürfen nicht mehr weiter schweigen!

 
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Im Fadenkreuz der Terroristen