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"Israel ist der Zerstörung geweiht"

17.08.2012 | 18:28 |  von Martin Gehlen und Helmar Dumbs (Die Presse)

Die Tiraden zum al-Quds-Tag, also dem "Jerusalem-Tag", fielen heuer massiv aus. Gleichzeitig bangt der Iran um Syrien, seinen vitalen Verbündeten an Israels Grenze.

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Kairo/Wien. Der letzte Freitag im islamischen Fastenmonat Ramadan steht im Iran alljährlich im Zeichen einer ganz speziellen Inszenierung: Wenn das Regime zum al-Quds-Tag, also dem Jerusalem-Tag, ruft, dann ist Demonstrieren plötzlich ausdrücklich erwünscht. Dass die politische und religiöse Führung an diesem Tag verbal auf Israel losgeht, gehört zur iranischen Polit-Folklore.

Heuer fielen die Tiraden aber auffällig massiv aus, und sie hatten denselben Tenor: Der Staat Israel werde verschwinden. „Das zionistische Regime ist wegen der Geschlossenheit der islamischen Welt der Zerstörung und Verdammnis geweiht“, polterte etwa der für seine drastische Ausdrucksweise bekannte Ayatollah Ahmad Khatami beim Freitagsgebet vor hunderttausenden Gläubigen. Kurz zuvor hatte Präsident Mahmoud Ahmadinejad seine altbekannte Rhetorik gegenüber Israel wieder aufgewärmt, und wandte sich direkt an den Westen: „Ihr wollt einen neuen nahen Osten? Wir auch, aber in diesem neuen Nahen Osten... wird es keine Spuren von amerikanischer Präsenz und von Zionisten geben.“ Eingeleitet hatte die massiven Attacken bereits am Vorabend der höchste religiöse Führer, Ali Khamenei, letztentscheidende Instanz in Irans Theokratie: Israel sei ein „zum Verschwinden verurteiltes künstliches Gebilde“.

 

Aggressive Rhetorik und Atomprogramm

Es ist Rhetorik wie diese, die in Verbindung mit dem iranischen Atomprogramm in Israel und im Westen große Ängste aufkommen lässt. Doch auch ohne Nuklearwaffen hatte Teheran bisher schon einen Hebel gegenüber Israel: die proiranische libanesische Schiitenmiliz Hisbollah. Sie würde bei einem Angriff Israels auf Irans Atomanlagen eine wichtige Rolle für Gegenschläge spielen. Für ein „Funktionieren“ der Hisbollah im Sinne Irans ist aber als Bindeglied das syrische Regime wesentlich. Dies erklärt zu einem wesentlichen Teil die Vehemenz, mit der Teheran, das die Aufstände in Tunesien und Ägypten noch als „islamische Revolutionen“ vereinnahmte, Syriens Machthaber Assad so nachhaltig die Stange hält.

„Wir werden Damaskus niemals fallen lassen“, ließ Khamenei Machthaber Assad erst kürzlich wieder ausrichten. So unverändert starr sich Irans Rhetorik nach außen gibt, intern scheinen langsam Zweifel an der Überlebensfähigkeit des Assad-Regimes zu wachsen: „Es gibt rationale Ansichten und es gibt radikale, aber das ist typisch für den Iran“, meinte ein westlicher Diplomat.

Es wird jedenfalls langsam ungemütlich für Iraner und ihre Handlanger in Syrien: Geiselnahmen iranischer Pilger häufen sich, am Mittwoch gab es in Damaskus Schießereien nahe der iranischen Botschaft. In Homs wurde der Korrespondent des iranischen Senders al-Alam gekidnappt. Und per Internetvideo führten syrische Rebellen jetzt einen Libanesen vor, der angab, ein Hisbollah-Scharfschütze zu sein.

Auch die wachsenden Risse in der Führung des Assad-Regimes haben Teheran offenbar alarmiert. So reiste Ahmadinejad Anfang der Woche überraschend nach Saudiarabien, ließ sich in Mekka neben dem greisen König Abdullah ablichten, während sein Außenminister Ali Akbar Salehi verkündete, die Beziehungen der beiden Erzrivalen am Golf seien auf dem Weg der Besserung.

 

Stellvertreterkrieg in Syrien

Im Syrien-Konflikt aber bleiben Riad und Teheran erbitterte Gegenspieler. Die Ölmonarchie unterstützt mit dem kleinen, superreichen Katar die Rebellen offen mit Waffen und Geld. Der Iran liefert dem bedrängten Bashar al-Assad Gewehre und Abhörtechnik, seine Revolutionsgarden sind vor Ort als Militär- und Unterdrückungsberater tätig.

„Wir mischen uns in keiner Weise in die inneren Angelegenheiten Syriens ein“, ließ der Iran dementieren. Näher an der Wirklichkeit liegen dürfte ein Interview mit Ismail Ghaani, Vizekommandeur der „Al-Quds Brigaden“, einer Spezialeinheit für Auslandseinsätze: „Durch die physische Präsenz der Islamischen Republik in Syrien konnten große Massaker verhindert werden“, sagte er Ende Mai der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Isna. Stunden später war der brisante Text von der Website verschwunden.

Die engen Beziehungen zwischen Syrien und dem Iran reichen mehr als drei Jahrzehnte zurück. Im Iran-Irak-Krieg 1980 bis 1988 blieb Syrien als einziges arabisches Land an der Seite Teherans. Seither versteht man sich als „Achse des Widerstands“ gegen Israel und den Einfluss der USA in der Region.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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30 Kommentare
 
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Gast: africano
20.08.2012 18:15
0 0

Die boshaften zionistischen Politiker wollen den Krieg ,

doch das israelische Volk ist dagegen.
Wenn man genau hin sieht ,sieht man den UNMUT welches das Volk gegen die herrschenden Politiker hat. Grosse Demonstrationen oder auch Selbstmörder ,welche sich in die LUFT sprengen
zeigt ganz deutlich ,dass das endlich Frieden haben will.

Gast: 123Gast
18.08.2012 17:08
1 0

@JosefBaumann

Sie sollten Ihre lichtvollen Erkenntnisse in Gedichtform veröffentlichen.


Gast: Katja Schumann
18.08.2012 16:52
16 4

Unangenehme Wahrheit

Die Sprache mag uns unangenehm aufstoßen, die Schlussfolgerung ist trotzdem richtig! Die Iraner sprechen aus, dass sich Israel selber zugrunde richtet. Dazu braucht es keine iranische Atombombe. Es reicht die Besatzungspolitik, Apartheid, der Verstoß gegen alle UN-Resolutionen, der Widerstand gegen die Anerkennung des palästinensischen Staates - so wird Israel keinen Frieden finden und natürlich wird es immer mit entsprechendem auch gewalttätigem Widerstand zu tun haben.
Während wir uns das Ganze aus der Ferne gemütlich anschauen und unsere israelischen Freunde nicht auffordern zu Recht und Gesetz zurückzukehren, vertreten die Iraner eben vehement die palästinensische Position. Was ist schlimmer?
Die Beurteilung syrisch/libanesisch/iranischer Beziehungen ist hier folgerichtig auch durch die westliche Brille verzerrt. In Syrien führen doch wieder einmal die Interventionen des Westens und seiner arabischen, achsodemokratischen Verbündeten das Land erst richtig in die Katastrophe. Gegen die Al-Qaida-Söldner die wir dort unterstützen ist Assad direkt ein Demokrat.

Antworten Gast: b754
18.08.2012 18:27
5 13

Re: Unangenehme Wahrheit

Es dürfte Ihnen entgangen sein, dass nach dem Ende des britischen Mandats für Palästina die Araber die UNO Resolutionen zur Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates abgelehnt haben. Israel war mit den UNO Plänen einverstanden .... klar, mittlerweile hat sich die Situation doch etwas verändert. Für mich ist schon durchaus nachvollziehbar, das Israel nach vielen Kriegen und großen Opfern nicht einfach sagen kann bzw. will: Schwamm drüber .. war nichts.
Was wohl denken Sie, was die Araber bei erster Gelegenheit machen würden? Genau - das, was sie schon immer seit 1949 gemacht haben .. versucht Israel auszulöschen. Rhetorik wie die von Iran hilft sicher nicht, die Situation zu lösen ...

Gast: mehrdad1111
18.08.2012 15:11
3 5

ähnlichkeit

vieles von dem, was die islamofaschisten in teheran von sich geben, ähnelt absolut dem, was sesselpupser- antisemiten hier bei presse als kommentar von sich geben dürfen...von den moderatoren natürlich unbeheligt.

...

Krieg Krieg Krieg...
warum ist der
Mensch nur so???

1 0

Re: ...

Das Bedürfnis Krieg zu führen
dürfte in der "Natur" des Menschen liegen.

Da es (derzeit) scheinbar keine natürlichen Feinde mehr gibt
die man bekämpfen könnte,
bekämpft man sich eben selbst.

Und das oftmals für nicht mehr als einen Haufen Dreck.

2 0

Er ist ja auch nicht so. Der Mensch im Allgemeinen.

Nur ein paar wenige Menschen. Ich für meinen Teil habe z.b. weder die Mittel noch die Intention einen Krieg zu beginnen oder zu führen. Und ich vermute daß das auf die meisten anderen Menschen auch zutrifft.

5 1

Das zionistische Regime ist wegen der Geschlossenheit der islamischen Welt der Zerstörung und Verdammnis geweiht

Jaja die Geschlossenheit der islamischen Welt - so wie bei Sunniten und Schiiten?

Gast: Josef baumann
18.08.2012 10:38
10 5

eine starke Regionalmacht?

1. Das Grundübel im Nahen Osten ist noch immer das Fehlen einer starken und anerkannten Regionalmacht.
2.es gibt kein Land im Nahen und Mittleren Osten mit dem Isr in Frieden leben will,dazu kommen die ungeliebten Amis mit ihrer Weltpolizistenrolle
3. langfrsitig sollten daher die TR diese Rolleübernehmen(zumindest als Vermittler
4. Ami go home..die USA und all ihre Kolonialisten sollten endlich ihre Okkupation beenden
sie haben und hatten noch nie Verständnis für diese Völker und deren Kulturen,das gefasel von Demokratie und Freiheit können sie zuerst mal im Heimatland anwenden
5.die Türkei sollte ihre EU-Beitrittsverhandlungen beenden und endlich diese Führungsrolle beanspruchen
(könnte auch mit RUS und CHI akkordiert werden)
6.die Geschichte lehrt, dass die Isr seit ihrer Staatengründung ein latenter Unruheherd sind und nicht in der Lage sind in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben.
7. ausser der Lieferung von Unmengen an Kriegswaffen wurde weder von Europa,den Amerikanern und ihren Verbündeten etwas getan um endlich nachhaltig Frieden zu garantieren
8. Israel muss wieder zurück zu den vereinbarte Staatsgrenzen und alle annektierten Gebiete zurückgeben
9. Ende der defacto Lagerhaltung der besetzten Gebiete und Einhaltung der UN-Sanktionen
10. Abrüstung der Isr wegen unerlaubtem Besitz von Atomwaffen(Resolution)
11. Frieden stiften durch Entzug von Waffenlieferungen
Shalom

Antworten Gast: ADVOCATUS DI
18.08.2012 14:56
3 2

Re: eine starke Regionalmacht?

GRATULIERE:
Ein geschichtskundiger, ausgewogener und intelligenter Kommentar!
Zum Abschluß die Frage eines Gleichgesinnten:
Wie, so frage Sie höflich Josef BAUMANN haben Sie es geschafft, diesen Beitrag am PRESSE-Zensor vorbeizu lotsen?!
Einige Dutzend vergleichbarer eigener Beiträge zu verschiedenen Themen, SCHWERPUNKT-naher und mittlerer Osten sind ausnahmslos "dem Hackebeil" des Zensors zum Opfer gefallen!
DEVISE: Steter Topfen höhlt den Stein!

Re: Re: eine starke Regionalmacht?

Ich wundere mich auch immer wieder über den Rückgang der Zensur auf dieser Seite !
Sehr lobenswert !!!
Hoffentlich bleibt das so?!
Bei anderen OLine Zeitungen(zb.Welt Online) wird die Kommentar Funktion komplett deaktiviert wenn der Schuss nach hinten losgeht.
MfG

Re: eine starke Regionalmacht?

Beeindruckend gut zusammengefasst!

Shalom!

1 1

Re: eine starke Regionalmacht?

Ja darf man denn so etwas in einem Land wie dem Unsrigen fordern?

Was sagt der Zensor dazu?

Was dürfen wir lesen, denken und schreiben?

Bitte um baldige Antwort,
ein verzweifelter Presseleser.

LOL

Re: eine starke Regionalmacht?

Mit den meisten von Ihnen vorgebrachten Argumenten kann ich mich identifizieren.

Übrigens: Die Presse-Zensur zu Kommentaren auf diesen Artikel hat heute wieder Hochbetrieb. Daher freue ich mich, dass Ihr Beitrag dem entkommen konnte!

Warte nur darauf,

wenn die iranischen Raketen kurz nach dem Start explodieren werden.

Wer Wind säht,wird Sturm ernten.

Antworten Gast: Elektrikermeister Achtmaldinnedraht
18.08.2012 13:35
7 2

Re: Warte nur darauf,

verstehe - und Israel, das von vornherein gleich Sturm säht, wird dan was ernten ??

Antworten Gast: stopthestopthebombaktivisten
18.08.2012 11:37
11 1

Re: Warte nur darauf,

Hörens mit Ihrer Hetzerei auf Hr. Armin Kern aus Pischelsdorf.

Eine Hand voll Wirrköpfe auf beiden Seiten steuern das friedliebende israelische UND iranische Volk Richtung Abgrund!

Sie zähle ich zu ersterer Gruppe!


Gast: Wüstenskorpion
18.08.2012 00:47
4 3

Wenn

Syrien und Iran siegen, knallen die Sektkorken.

^^

Re: Wenn

Ich hab immer gedacht, die Musletten dürfen keinen Alkohol trinken...

Gast: b745
17.08.2012 22:19
22 11

israel wird viel zuviel aufmerksamkeit geschenkt

wenn sie einen krieg wollen sollen sie ihn alleine führen und nicht den rest der walt dmit hineinziehen denn es gibt nicht den geringsten grund den iran anzugreifen das problem werden die irane bald selber lösen und netanjahu ist nur ein billiger kriegstreiber der an der macht bleiben will

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Die Welt schenkt ihre Aufmerksamkeit

dem Atomprogramm des Iran und seinen Drohungen Israel auslöschen zu wollen.
Das ist die Realität!

Re: Die Welt schenkt ihre Aufmerksamkeit

Von Israel auslöschen war nie die Rede !!
Es dreht sich im Tenor nur um die depperten Zionisten, vale...

Re: Die Welt schenkt ihre Aufmerksamkeit

die drohungen sind gegenseitig!

wie schön die Agressorenrolle

wieder dem bösen Iran zugeschoben wird, obwohl es in Wahrheit komplett anders ist...die armen Zionisten mit ihren hunderten Atombomben müssen einen Präventivschlag machen, damit sie sicher sind...

Re: wie schön die Agressorenrolle

Was heißt da "zugeschoben"? Wenn die iranischen Politiker dauernd davon sprechen, dass Israel vernichtet werden muss, was soll das bitte anderes sein als Agression?

 
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