So macht man das in diesem Land“, sagt der Geschäftsmann Mohamed Abdi. „Man kommt und trifft den Präsidenten. Alles, was in diesem Land geschieht, passiert in diesem Gebäude.“
Am zehn Meter langen Konferenztisch der „Villa Somalia“ in Mogadischu sitzen einige Alte und warten auf ihre Audienz mit Sheikh Sharif Ahmed, dessen Übergangsregierung nur auf ein UN-Mandat gestützt ist. Das könnte sich am Montag ändern, denn Somalia hält die erste Präsidentenwahl seit den 1980ern ab. Es gibt viele Kandidaten, Interimspräsident Ahmed denkt, dass er im Amt bleibt, das er seit 2009 bekleidet. Er preist das landwirtschaftliche Potenzial des Landes und das jüngst entdeckte Erdöl. Was er anders machen würde als in den vergangenen Jahren, die als erfolglos gelten (auch, weil die Regierung nur kleine Gebiete kontrolliert), kann er nicht beantworten. Zudem wirft ein UN-Bericht seiner Regierung vor, 70 Prozent der Staatseinnahmen (das sind vor allem Hilfsgelder) der Jahre 2009/10 unterschlagen zu haben. Ahmed wies die Vorwürfe am Wochenende als „erfunden“ zurück.
Bei der Präsidentenwahl stimmt indes nicht das Volk, sondern das Parlament ab – und das wurde aufgrund komplizierter Händel zwischen Clanführern und Ältesten besetzt. „Wie jeder politische Prozess ist auch der mühsam,“ sagt Peter de Clercq, Vize-Sonderbeauftragter der UN und außerordentliches Mitglied der Übergangsregierung (Vorgänger des Niederländers war Jänner 2011 bis Februar 2012 der Vorarlberger Christian Manahl). „Es war bereits schwierig, die 135 stimmberechtigten Ältesten ausfindig zu machen.“ Man musste sie auf Bildung, Alter und Vorstrafen überprüfen – dabei verlasse man sich auf das „Urteil der Gesellschaft“, denn hier wisse man auch ohne Behörden und Justiz, wer rechtschaffen sei und wer nicht.
„Die Ältesten sind die Korruptesten.“ Auch Ex-Premier Abdiweli Ali gilt als Favorit. „Somalia war ein Land der Poeten, mit direkter Demokratie“, sagt er, „vor dem Bürgerkrieg, dem Hunger und der Korruption.“ Die al-Shabaab-Milizen und Piraten seien „Nebenprodukte“ des Krieges. Ali fordert einen „African Marshall Plan“ für Somalia, es brauche Investoren und Hilfe aus der Diaspora – und um beide zu gewinnen eine vertrauenswürdige Regierung.
Kritiker fürchten, dass die Wahl schon korrumpiert ist, dass neue Spieler das alte Spiel von Macht, Gier und Nepotismus weiterführen. „Die Ältesten sind die Korruptesten“, flüstert der Geschäftsmann Mohamed Abdi.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)
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