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Assange beklagt US-"Hexenjagd"

19.08.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Der vor der Justiz in die ecuadorianische Botschaft in London geflohene Gründer der Internet-Enthüllungsplattform ritt am Sonntag eine rhetorische Attacke auf die USA.

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London/Quito/Wg/Ag. Der rhetorische Gegenangriff währte nur zehn Minuten – und erschöpfte sich weitgehend in einer mit religiösen Motiven unterfütterten Attacke auf die USA und die Gefahr, die von diesen für die Welt ausgehe: „So wie WikiLeaks wird die Meinungsfreiheit und Gesundheit aller unserer Gesellschaften bedroht“, sagte Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, am Sonntag vom Balkon der Botschaft Ecuadors in London aus. „Ich rufe Präsident Obama auf, das Richtige zu tun: Die USA müssen die Hexenjagd auf WikiLeaks beenden.“

Assange, ein gebürtiger Australier, war vor zwei Monaten in die Botschaft des südamerikanischen Landes in London geflüchtet und erhielt später diplomatisches Asyl von dessen linkspopulistischer Regierung. Vordergründig war er vor der britischen Justiz geflohen, die ihn nach Schweden ausliefern will, wo ein Verfahren angeblicher sexueller Übergriffe gegen den 41-Jährigen läuft. Im Grunde fürchtet Assange aber, dass man ihn weiter in die USA überstellt: Dort gilt er als „Staatsfeind Nummer eins“, seit WikiLeaks 2010 geheime diplomatische Korrespondenzen von US-Diplomaten und Militärdokumente im Internet publizierte, alles im Namen der Informationsfreiheit.

 

„Gefährliche, repressive Welt“

Assange, der bleich und gealtert wirkte, dankte in seiner Rede Ecuador und allen Helfern. Die USA würden die Welt in eine „Ära der Journalisten-Unterdrückung“ stoßen. Er fürchte eine „gefährliche, repressive Welt, in der Journalisten angesichts der Gefahr von Verfolgung verstummen und Bürger nur noch im Dunkeln flüstern.“

Großbritannien hat klargemacht, dass man Assange sofort verhaften werde, sollte er die Botschaft, die von Polizisten umstellt ist, verlassen; er hatte zuvor in allen britischen Rechtsinstanzen erfolglos gegen seine drohende Auslieferung nach Schweden gekämpft. Nach übereinstimmenden Angaben aus den USA, Schweden und Großbritannien habe Washington bisher keine Schritte unternommen, um Stockholm zur „Weiterreichung“ Assanges zu überreden. In den USA droht ihm wegen Spionage, Verrat militärischer Geheimnisse und Gefährdung der nationalen Sicherheit im schlimmsten Fall die Todesstrafe.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Ecuador möchte Assange einreisen lassen, doch will London seine Ausreise nicht zulassen. Nach Angaben von Völkerrechtlern könnten die Briten etwa einem Botschaftswagen jederzeit die Weiterfahrt verbieten – ihn zu „entern“ und den Justizflüchtling herauszuholen, sei aber illegal. Sein Anwälteteam kündigte nicht näher erläuterte „rechtliche Schritte“ an.

 

Schulterschluss in Lateinamerika

Ecuadors Präsident Rafael Correa stellt den Konflikt über die Auslieferung Assanges als „Kampf gegen den Kolonialismus“ dar und erhält dabei Unterstützung vieler anderer lateinamerikanischer Länder. Am Wochenende etwa stellten sich Venezuela und Bolivien offen hinter Quito und gegen London, offene Unterstützung kam auch von Kolumbien und Argentinien.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez rief zur Solidarität mit dem kleinsten Opec-Mitglied auf. „Lateinamerika muss respektiert werden, unser Volk muss respektiert werden, aber nur gemeinsam können wir uns den Respekt verschaffen“, sagte der Linkspopulist, der im eigenen Land zahlreiche kritische Medien bekämpft. Am Freitag sollen die Außenminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zusammenkommen, um über die Affäre zu beraten. Kanada, die USA und Trinidad-Tobago stimmten gegen das Treffen, Chile wiederum gilt als traditioneller Verbündeter Großbritanniens.

 

„Neue Falkland-Problematik“

Beobachter meinen, die Causa könnte sich für London zu einer Art zweiter Falklandproblematik entwickeln: In dem seit Ewigkeiten währenden Streit um die britischen Inseln im Südatlantik, die auch Argentinien beansprucht und um die 1982 beide Länder Krieg führten, unterstützen fast alle Staaten Lateinamerikas Argentinien. Ecuador sandte damals sogar Hilfslieferungen von Artillerie- und Flakmunition an Argentiniens Militär.

Hintergrund

Julian Assange hält sich seit zwei Monaten in der Botschaft Ecuadors in London verschanzt. Diese sowie die Fahrzeuge der Diplomaten sind geschützt durch die diplomatische Immunität, die Briten dürfen Assange laut Völkerrecht nicht verhaften. Freilich müssten sie einem Diplomatenauto mit Assange darin nicht gestatten, aus dem Gebäude auszufahren und ihn, per Fähre oder Flieger, außer Landes zu bringen: So ein Personentransport sei kein normales diplomatisches Geschäft zwischen Staaten, sagen Juristen. Das Patt ist prolongiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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83 Kommentare
 
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Ich bin sehr erfreut

dass die Kinder heute auch solche Raubersgschichten mögen, wie von Robin Hood und änhlichen Gängstern.

Gast: geh anders
21.08.2012 09:24
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GEWALT

ein leben gebunden an eine gesellschaft.

Gast: geh anders
21.08.2012 09:23
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ALTERNATIVE ODER LEERE?

ich habe noch keine zumindest konfessionelle alternative.

Gast: geh anders
21.08.2012 09:23
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ALTERNATIVE ODER LEERE?

ich habe noch keine zumindest konfessionelle alternative.

Gast: geh anders
21.08.2012 09:23
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DENNOCH MENSCHEN

ist alles humbug, clinton, cameron, polizei und co.

Gast: tsaG
20.08.2012 21:43
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Schweden, der CIA und Folter

Schweden hat seit 9.11 mehrmals Europäer ohne Anklage zum Flughafen gebracht und dem CIA übergeben, um anschliessend in Foltergefängnisse in Afrika und nahen Osten "verhört" zu werden.

Von nichtamerikanern wohlgemerkt, will sich ja keiner Folter nachreden lassen (Waterboarding und Schlafentzug ausgeschlossen)

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17963/1.html

Soviel zum Thema "Warum sollte Schweden ihn ausliefern..."

Gast: auberto
20.08.2012 16:57
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angenommen

..er würde von schweden an die usa ausgeliefert werden...stünden ihm dann nicht auch alle schwedischen rechtsmittel zur verfügung inkl asylantrag in schweden? liefert ein eu land jemanden der presse-, rede- und meinungsfreiheit verkörpert, in ein land, in dem ihm höchstwahrscheinlich die todesstrafe droht, aus?

Gast: Killary Hlinton
20.08.2012 12:11
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Plan B

Staatsbürgerschaft und Diplomatenstatus verleihen.

Oder gibt es wieder irgendwelche rechtliche Bedenken?

Antworten Gast: schlÄchter
21.08.2012 08:42
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Re: Plan B

sg killary hinton!
zum nachdenken:
plan B der briten.
abbruch sämtlicher diplomatischer beziehungen mit equdor, ausweisung des botschafters und personals, schließung der botschaft - damit verliert die botschaft ihren exterritiroealen status-britisches recht gilt auch in den räumlichkeiten der botschaft, nichtabnerkennung eines allfälligen diplomatenstatus von assange 8diplomaten müssen vom gastland akkredieierte/akzeptuiwet werden).

mfg
s.

Gast: Gospotna
20.08.2012 11:48
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US Verbrechersystem

Und genau deshalb muss er Asyl bekommen!

"Am Mittwoch hat Bradley Manning seinen 815. Tag im Gefängnis ohne Prozess verbracht. Die legale Obergrenze ist 120 Tage."

http://www.redglobe.de/amerika/ecuador/5416-dokumentiert-rede-von-julian-assange-in-der-ecuadorianischen-botschaft

Re: US Verbrechersystem

Also gehen wir mal davon aus, dass das stimmt. Und gehen wir davon aus, dass das symptomatisch ist für das US-Rechtssystem (Einzelfälle gäbe es ja in jedem Staat). Und gehen wir davon aus, dass das eine unzumutbare Verfolgung wäre, die einen Asylgrund bedeutet.
Dann bleibt immer noch das kleine Problem, dass Assange nach SCHWEDEN ausgeliefert werden soll, nicht in die USA. Und er - sollten die USA je seine Auslieferung beantragen - er diese Argumente in Schweden genausogut vorbringen kann wie in GB.

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Re: Re: US Verbrechersystem

Das ist zwar richtig, nur übersehen sie dabei, dass GB ihn sowieso ausgeliefert hätte noch bevor er das Wort Asyl zuende gesprochen hätte. Er verschanzt sich ja auch eigentlich nicht in GB sondern in der Ecuadorianischen Botschaft.

Re: Re: Re: US Verbrechersystem

Erstens: Die Briten hatten ihn schon, haben ihm aber die Möglichkeit gegeben sich durch alle Instanzen gegen die Auslieferung zu wehren und ihn derweilen auch auf Kaution freigelassen. Sonst hätte er sich nie verschanzen würde. Falls er also nicht wirklich lange braucht um das Wort Asyl auszusprechen sehe ich also nicht wirklich was ich da übersehen haben soll.

Zweitens: Erklärt noch immer nicht, wieso er sich gegen die Auslieferung an Schweden wehrt. Dass die Briten ihn in Wahrheit direkt an die USA ausliefern würden behauptet ja meines Wissens nicht einmal Assange selber.

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Re: US Verbrechersystem

man beacht URL ..,. redglobe!

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australische regierung (gruenlinks)

hat ihn total im stch gelassen..eh klar werden doch dort neue us basen aufgebaut. So schauts aus.

Re: australische regierung (gruenlinks)

Australien gehört ja auch zum British Commonwealth...

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Re: australische regierung (gruenlinks)

nope, so schauts nicht aus, rein erfunden.

Staatsanwaltschaft Schweden

Die beiden Damen haben über eine Woche gebraucht um diese Anzeige auf zu geben. Nachdem sie in Twitter zahlreiche positive Bemerkungen zu den Nächten mit dem Promineten Assange losgelassen haben. Sie waren noch danach auf einem seiner Vorträge und anschließender Langustenparty.

Nach der Anzeige folgte der Haftbefehl, der aber noch am selben Tag aufgehoben wurde aus Mangel an Erfolgsaussichten. Drei Monate und eine andere Staatsanwältin wurde ein neuer Haftbefehl erstellt. Assange war mittlerweile nach England ausgereist.

Die Gesetzeslage zu einer Vergewaltigung in Schweden ist so komplziert, dass nur ein Jurist wirklich entscheiden kann ob es eine ist oder nicht.
In kaum einem anderen Land wäre es zu so einer Anklage gekommen.

Was hat Assange eigentlich getan?

Er hat ihm zugespieltes brisantes Material veröffentlich und so die USA - wieder einmal - vorgeführt.
Aber ist es nicht wichtig, dass die Welt von den Grausamkeiten erfährt die dort geschehen. Grausamkeiten, wie in den Videos zu sehen, nichts mit "normalem" Krieggeschehen zu tun haben?
Die USA sollten ihn nicht verfolgen sondern dankbar sein und das was da geschieht abstellen.
Statt dessen wollen sie es lieber vertuschen.

Freier Journalismus ist die Stütze der Demokratie, diesen zu Unterdrücken trägt dazu bei Diktaturen zu installieren!

Re: Staatsanwaltschaft Schweden

Das Problem ist, dass es aus gutem Grund Dinge gibt, die geheim gehalten werden. Gerade in einem Krieg.

Wenn illegale Dinge ablaufen ist es Sache eines investigativen Journalismus die aufzudecken.
Wenn Informationen ganz legal unter Verschluss gehalten werden sieht die Sache aber anders aus. Ob es legal möglich sein sollte derartige Informationen unter Verschluss zu halten ist eine andere Frage, die der Gesetzgeber zu entscheiden hat - in einer Demokratie eben das gewählte Parlament.

Und genau das ist das Problem mit Assange. Er unterscheidet nicht danach was für Informationen er bekommt. Er veröffentlicht einfach alles, was die USA schlecht aussehen lässt, ohne Rücksicht auf die Interessen Dritter, die ja häufig der Grund sind wieso es die Geheimhaltungsregeln gibt.

Wenn irgendwelche Kontaktleute oder Sympathisanten umgebracht werden, weil Wikileaks ihre Identität offen gelegt hat, dann wird sich kein noch so idealer Staat darüber freuen.

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Re: Re: Staatsanwaltschaft Schweden

Danke, gutes posting

Gast: Knaller
20.08.2012 10:13
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Warum sollte ausgerechnet Schweden ihn an die USA ausliefern?

England könnte ihn doch direkt in die USA ausliefern. Warum sollte ausgerechnet Schweden dies tun? Diese Argumentation ist nicht schlüssig.

Der Knabe hat Angst wegen sexueller Übergriffe angeklagt zu werden. Im Moment ist er ein Heiliger, nach einem etwaigen Prozess könnte dieses Image komplett zerbröseln

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Re: Warum sollte ausgerechnet Schweden ihn an die USA ausliefern?

Ich finde den Assange wirklich nicht sympathisch. Aber Tatsache ist doch, dass die "Vergewaltigten" begeistert darüber über Twitter berichtet hatten. Also egal, was bei so einer sonderbaren Gerichtsverhandlung herauskommt, er hat wohl nichts Unanständiges getan.

Re: Warum sollte ausgerechnet Schweden ihn an die USA ausliefern?

Weil es kein Auslieferungsersuchen der USA gibt?!

Und: In den USA wurde er bereits mit dem Hinweis konfrontiert, dass ihm die Todestrafe droht.

Aus völkerechtlicher Sicht, darf in so ein Land nicht ausgeliefert werden.

Alle würde darauf pochen, wenn die USA nicht beteiligt wären!


Re: Warum sollte ausgerechnet Schweden ihn an die USA ausliefern?

natürlich können Sie das machen, aber was sollen Sie sagen?

Ja er hat geheime Daten veröffentlich und dafür droht ihm die Todesstrafe? Ich mein was hätte das für internationale Auswirkungen? Man sucht einen Grund ihn irgendwie kriminell zu machen um dann eine Rechtfertigung zu haben warum man denn etwas getan hat.

Re: Warum sollte ausgerechnet Schweden ihn an die USA ausliefern?

Völlig richtig. GB ist ein traditionell enger Verbündeter der USA, Schweden ist mehr oder minder konsequent neutral. Diese Zwischenstation ergibt überhaupt keinen Sinn.

Die Anklage wirkt natürlich fragwürdig, weil das Delikt in der Form sonst kaum wo strafbar wäre und die Staatsanwaltschaft das erst nach einem Wechsel der Sachbearbeiterin verfolgt hat.
Aber auch da gibt es ja mehrere mögliche Erklärungen:
1. Die Anschuldigungen sind wahr. Dann kann man höchstens das seltsame schwedische Strafrecht kritisieren, aber das war's auch schon.
2. Die Amerikaner haben das alles fingiert - und dabei ist ihnen nichts besseres eingefallen als eine windige Vergewaltigung nach schwedischem Recht.
3. Die "Opfer" und die Staatsanwältin bauschen die Sache auf, weil sie Aufmerksamkeit haben wollen, obwohl rechtlich nicht viel dran ist. Auch nicht schön, aber keine US-Verschwörung.

Die US-Verschwörung ist da mE mit Abstand die unrealistischste Erklärung.

Re: Re: Warum sollte ausgerechnet Schweden ihn an die USA ausliefern?

Zitat: ....Schweden ist mehr oder minder konsequent neutral.

Seit dem Fall Olaf Palme eben nicht mehr. Da sind ganz merkwürdige Dinge von und mit der CIA gelaufen. Der wahre Täter ist bis heute nicht gefasst!

 
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