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China: Etappensieg für KP-Pragmatiker

20.08.2012 | 18:25 |  Von unserem Korrespondenten FELIX LEE (Die Presse)

Gu Kailai, die Frau des Spitzenpolitikers Bo Xilai, wurde in der chinesischen Provinzstadt Hefei wegen Mordes zum Tod verurteilt. Das Urteil soll den Bannerträger des linkskonservativen Parteiflügels neutralisieren.

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Peking. Todesstrafe ja. Aber sie wird wohl nie vollstreckt. Das Gericht der chinesischen Provinzstadt Hefei hat am Montag Gu Kailai, die Gattin des einstigen Spitzenpolitikers Bo Xilai, wegen Mordes an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood zwar zum Tode verurteilt. Die Richter gewährten ihr jedoch einen zweijährigen Strafaufschub. Das heißt: Bei guter Führung könnte ihre Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt werden. Und vielleicht wird auch diese Strafe auf 25 Jahren begrenzt, das Minimum in China für Mord. Ihr persönlicher Assistent und Komplize Zhang Xiaojun soll für neun Jahre ins Gefängnis.

 

Fürsprecher in der Partei

Damit zementiert das Gericht ganz offiziell, was viele Beobachter bereits vermutet hatten. Das Urteil fällt zwar hart aus, tatsächlich aber wird mit Gu milde umgegangen. Dass die Behörden sie seit ihrer Festnahme im Frühjahr bereits sehr viel besser behandelt haben, als es sonst üblich ist, zeigen auch Bilder von ihrem Prozess. Normalerweise werden Häftlingen in chinesischen Gefängnissen die Haare geschoren, bei Gu Kailai war das aber nicht der Fall. Und sie sah auf den Fotos vom Prozess sogar wohlgenährter aus als vor ihrer Haft. Offensichtlich hat Gu innerhalb der chinesischen Führung noch immer Fürsprecher.

Denn bei dem Prozess ging es beileibe nicht nur um einen Mord, sondern vor allem um die Macht in der Volksrepublik. Bo Xilai, der ehemalige KP-Chef von Chongqing und Mitglied des Politbüros, galt als Protegé des mächtigen KP-Sicherheitschefs Zhou Yongkang und gehörte einer Fraktion an, die mit einem linken Konservatismus die Führung in der Partei an sich reißen wollte. Zu ihren parteiinternen Widersachern wiederum gehört die Gruppe der „Pragmatiker“ um Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao. Wen war es denn auch, der die Chance ergriff, Bo unverzüglich von all seinen Posten zu entheben, als der Skandal um seine Frau bekannt wurde. Normalerweise vergehen Monate, bis die Führung eine Entscheidung fällt. Dieser interne Machtkampf ist denn auch noch lange nicht entschieden. Auch das zeigt das milde Urteil.

 

Bo bleibt strafrechtlich verschont

Dass der Name Bo bei dem Prozess gegen seine Frau kein einziges Mal genannt wurde, obwohl es sich bei den Geschäften mit Heywood um das Vermögen der gesamten Familie gehandelt haben dürfte, macht eines deutlich: Bo soll strafrechtlich verschont bleiben. Mit seiner politischen Laufbahn ist es für ihn zwar zu Ende. Im Zuge des Skandals wurde er im März und April bereits seiner Posten enthoben. Er ist seitdem in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen worden.

Davor war er nicht nur mächtiger Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing – immerhin der bevölkerungsreichsten Stadt der Welt.

Noch Anfang des Jahres wurde er als Kandidat für den Ständigen Ausschuss des Politbüros gehandelt, der im Zuge des alle zehn Jahre stattfindenden Führungswechsels demnächst ersetzt werden soll. Dieser Ausschuss ist das einflussreichste Gremium der Volksrepublik überhaupt.

Der Skandal hat denn auch enthüllt, dass es mit dem für den Herbst anvisierten Führungswechsel keineswegs so harmonisch zugeht, wie das Regime bis vor Kurzem noch so gern suggeriert hat.

Der Mord an Neil Heywood und der tiefe Fall von Bo Xilai

November 2011

Neil Heywood stirbt in einem Hotel in Chongqing. Die Behörden geben Alkoholkonsum als Todesursache an, die Leiche wird unverzüglich kremiert. Der britische Geschäftsmann war mit Bo Xilai und Gu Kailai befreundet und hat die Familie in Vermögensangelegenheiten beraten.

Februar 2012

Wang Lijun sucht Zuflucht in einem US-Konsulat. Der ehemalige Polizeichef von Chongqing übergibt den Amerikanern Beweise, denen zufolge Heywood von Gu vergiftet wurde. Der Brite habe Schwarzgeld der Familie gewaschen und sei zum Schweigen gebracht worden.

April 2012

Bo Xilai wird aus dem Politbüro entfernt und von allen seinen Parteiämtern entbunden. Den Posten des KP-Chefs von Chongqing hat er bereits im März räumen müssen. Gu Kailai wird unter dem dringenden Verdacht des Mordes an Heywood festgenommen.

August 2012

Gu Kailai tritt am 9. August in der ostchinesischen Stadt Hefei vor die Richter. Sie gesteht den Mord an dem Briten – sie habe Heywood getötet, um das Leben ihres Sohnes zu schützen. Der Prozess dauert nur einen Tag, am 20. August wird das Strafausmaß verkündet: Todesstrafe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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12 Kommentare
Gast: Analyst 829
20.08.2012 09:17
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Die Kom-Dynastie - es geht nur mehr um Geld und Machtzementierung in China

Ich sagte ja immer schon, der Kommunismus ist die schrecklichste Form des Kapitalismus. Einige wenige haben die gesamte Verfügungsgewalt über sämtliche sogenannte volkseigene Güter.

Fast alle schuften wie Sklaven in China und haben im Grunde nichts, eine Schale Reis, ein schäbiges Zimmer und mit etwas Glück für die chinesische Mittelschicht Zugang zu einem stark zensierten Internet, selbst Kinder dürfen nur so viele bekommen werden, wie die Kom-Dynastie wünscht; eine schmale Schicht kann sich aber fast alles erlauben, die kann sich alles kaufen, kann frei Reisen und wenn sie will mit 5 Frauen 50 Kinder haben.

Das soll Kommunismus sein? Seien wir ehrlich, das ist Kapitalismus in seiner schlimmste Form.

Ich wage zu bezweifeln, ob sich, sobald die Konjunktur nicht mehr läuft, weil z. B. die USA die Schulden nicht mehr bedient bzw. bedienen kann oder der Sozialstaat in Europa reformiert wird, was ebenfalls zu einem Einbruch beim Absatz von chinesischem Ramsch zwangsläufig führen könnte - im Grunde sind die Budgetdefizite der USA und der EU-Staaten nichts anderes als Förderung der chinesischen Wirtschaft, denn der Staat drückt jenen Geld in die Hand, die am ehesten zu chinesischem Ramsch greifen.

So wie bisher jede Dynastie in China ihr Ende fand, wird auch die Kom-Dynastie, die eigentlich turbokapitalistisch ist, wieder zusammenbrechen.

Wär der Fall ohne Zugehörigkeit zum Politbüro nicht so tief, sondern China sozial abgefedert, wäre der mutmaßliche Mord nicht passiert.

Re: Die Kom-Dynastie - es geht nur mehr um Geld und Machtzementierung in China

Sie waren sicher schon in China um diese Analyse zu machen!

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Re: Die Kom-Dynastie - es geht nur mehr um Geld und Machtzementierung in China

Ja, klar, die Dame hat diesen Mord aus sozialer Not begangen....

Gast: ROTFRONT
20.08.2012 08:57
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Und in Kärnten laufen die Kriminellen noch staatsgeschützt freiherum, kassieren Beamtengagen und grinsen doof-provokant in die Gegend!

Schade, dass die Scheuchs nicht in China sind. Hätte gerne ausgelassen gelacht!

Re: Und in Kärnten laufen die Kriminellen noch staatsgeschützt freiherum, kassieren Beamtengagen und grinsen doof-provokant in die Gegend!

wie? ist der Werner jetzt in Kärnten?

Antworten Gast: asu
20.08.2012 18:31
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Re: Und in Kärnten laufen die Kriminellen noch staatsgeschützt freiherum, kassieren Beamtengagen und grinsen doof-provokant in die Gegend!

ich finde es lächerlich wie in diesem forum jedes mal themen vertauscht oder verknüpft werden, die absolut nichts miteinander zu tun haben. von geht von links nach rechts und anders rum.

Gast: nestbeschmutzer
20.08.2012 07:58
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sarkastisch

"Todesstrafe auf Bewährung" kling reichlich sarkastisch...
Ich vermute da vielmehr dahinter...das wird man allerdings nicht so schnell erfahren, wenn überhaupt jemals...

Antworten Gast: asu
20.08.2012 18:32
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Re: sarkastisch

naja, besser die todesstrafe auf bewährung als die todesstrafe.

hilft womöglich bei der einsicht.

Gast: Ein Ätzer
20.08.2012 07:39
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Gibt es bei Todesurteilen in China offenen Strafvollzug?

"Sollte Gu sich in diesem Zeitraum keiner weiteren Straftaten schuldig machen, bedeutet das Urteil für sie wahrscheinlich eine lebenslange Gefängnishaft."

Wie bekommt sie Gelegenheit, sich nicht zu bewähren?

Antworten Gast: agst567
20.08.2012 09:03
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Re: Gibt es bei Todesurteilen in China offenen Strafvollzug?

falls es ihnen nicht klar ist, auch im gefängnis kann man straftaten verüben und es werden auch straftaten verübt

im gefängnis werden drogen gehandelt, sonstige verbotene gegenstände wie waffen gehandelt usw und es gibt körperverletzung, drohungen bis zu mord unter den gefangenen

also es gäbe genug möglichkeiten für die dame straffällig zu werden

Liebes Presse-Team

Auch wenn man 'den britischen Geschäftsmann Neil Heywood' schreibt, ist Geschäftsmann kein Adjektiv und wird daher auch nicht klein, sondern groß geschrieben.

Re: Liebes Presse-Team

Sie hätten die Anführungszeichen ruhig doppelt nehmen dürfen, wenn Sie schon so korrekt sind ;-).