Der russische Botschafter in Österreich, Sergej Netschajew, verteidigte das Urteil gegen die drei Musikerinnen der regimekritischen Moskauer Punkband Pussy Riot. Die gegen Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch verhängte zweijährige Haftstrafe sei "durchaus mit einer eventuellen Strafe für einen solchen Tatbestand in anderen europäischen Ländern vergleichbar".
Als Beispiel führte er Österreich an. Auch hier werde "das Treiben eines Unfugs im Gotteshaus oder Gotteslästerung strafrechtlich verfolgt und mit einer Freiheitsstrafe geahndet", meinte Netschajew am Dienstag. Außerdem hätten die Verurteilten die Möglichkeit der Berufung.
Kritik übte der Botschafter an der öffentlichen Debatte über den Prozess. Seiner Meinung nach seien Teile der medialen Berichterstattung "verzerrt".
"Punkgebet verletzt Gedenken an Gefallene"
Die Aktivistinnen mussten sich vor Gericht wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verantworten. Sie hatten im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein "Punkgebet" gegen Russlands damaligen Regierungschef und heutigen Präsidenten Wladimir Putin aufgeführt. Für den Botschafter hat dieses Gebet "nicht nur die Gefühle der Gläubigen, sondern auch das Gedenken an Gefallene verletzt". Daher werde das Gerichtsurteil auch von der Mehrheit der russischen Bevölkerung begrüßt und fände "in mehreren Ländern Unterstützung".
Netschajew kritisiert auch, dass eine Solidaritätsaktion in Wien in der Vorwoche "in einer für russische und andere orthodoxe Gläubige inakzeptablen beleidigenden Form" durchgeführt worden sei. Bei der Aktion hatten vier vermummte Gestalten den Altarraum der russisch-orthodoxen Kathedrale gestürmt und sich mit einem Banner "Gott liebt Pussy Riot, befreit Pussy Riot" fotografieren lassen. Man betrachte die Aktion als strafrechtlichen Tatbestand der Störung einer Religionsübung und rechne damit, "dass die rechtspflegenden Stellen der Republik Österreich diese Tat entsprechend qualifizieren und die Täter bestrafen", meinte Netschajew.
Band will Namen als Marke schützen
Die schätzungsweise 20 Mitglieder der Punktband gaben bekannt, ihren Namen als Markenzeichen schützen lassen zu wollen. Leider gebe es Menschen, die den Namen für ihre dubiosen Projekte nutzen oder der Gruppe schaden wollten, sagte Anwalt Mark Fejgin am Dienstag der Agentur Interfax.
Die russische Justiz nimmt unterdessen zwei weitere Mitglieder der Band ins Visier. Am Montag wurden sie, gemeinsam mit möglichen Unterstützern, offiziell zur Fahndung ausgeschrieben.
(APA/AFP)
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