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Rumänien: Basescu kehrt ins Präsidentenamt zurück

21.08.2012 | 18:16 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Das rumänische Verfassungsgericht hat den Volksentscheid zur Absetzung des Staatschefs Traian Basescu für ungültig erklärt. Die Bukarester Regierung scheint das Urteil zu akzeptieren - vorerst zumindest.

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Belgrad/Bukarest. Alle Winkelzüge in Rumäniens erbittertem Machtstreit waren vergebens. Am Dienstag erklärte das Verfassungsgericht mit 6:3 Stimmen das Referendum zur Absetzung des seit Anfang Juli suspendierten Präsidenten Traian Basescu wegen einer zu geringen Wahlbeteiligung für ungültig. Der konservative Quälgeist im Präsidentenpalast bleibt damit der linksliberalen Regierung von Premier Viktor Ponta weiter erhalten.

Der frühere Seekapitän Basescu steht damit vor einer Rückkehr an das Steuerruder der Macht, hat aber noch ein letztes Hindernis zu umschiffen: Das Urteil des Gerichtshof muss in dem von der Regierung kontrollierten Amtsblatt veröffentlicht werden. Die Entscheidung des Gerichts werde umgesetzt, auch wenn sie „gegen die demokratischen Spielregeln“ sei, versicherte in einer ersten Reaktion Regierungschef Ponta: Er hoffe und wünsche sich eine Beendigung der Krise, die Rumänien „verletzt“ habe.

Seinem Unmut über den unfreiwilligen Abschied vom weniger als zwei Monate gehaltenen Amt ließ hingegen Interimspräsident Crin Antonescu freien Lauf. Als „unfair“ bezeichnete der Chef der Nationalliberalen die Entscheidung des Gerichts, das den „Willen der echten Mehrheit“ ignoriere: Basescu sei ein „illegitimer Präsident“.

Seit das linksliberale Parteienbündnis USL Ende Mai auf die Regierungsbank rutschte, wird der Karpatenstaat von einem erbitterten Machtstreit zwischen dem sozialistischen Jungpremier Ponta und dem konservativen Präsidenten Basescu gelähmt. Die verfassungsrechtlich fragwürdigen Manöver, mit der die Regierung den unpopulären Landesvater aus dem Amt kippen wollte, waren nicht nur bei der konservativen Opposition, sondern auch in der EU und in Washington auf heftige Kritik gestoßen.

 

Keine Beanstandung der Wählerlisten

Bei dem von der Regierung erzwungenen Referendum hatten Ende Juli zwar 87 Prozent der Wähler für die Absetzung von Basescu gestimmt. Doch lag die Wahlbeteiligung mit 46 Prozent klar unter dem erforderlichen Quorum von mindestens 50 Prozent. Die Regierung zweifelte danach die Gültigkeit der Wahllisten an und erhob Einspruch beim Verfassungsgericht. Durch die nachträgliche Absenkung der Wählerzahl wollte man die Wahlbeteiligung doch noch über das für eine Gültigkeit des Urnengangs notwendige Quorum hieven. Das Verfassungsgericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Die Mehrheit des Gerichts sei der Meinung, dass die nötige Quote von über 50 Prozent bei der Abstimmung nicht erreicht worden sei, erklärte der vorsitzende Richter Augustin Zegrea.

Noch am Vorabend der Urteilsverkündigung hatte Antonescu die Aussichten für eine Rückkehr von Basescu in den Cotroceni-Palast als „minimal“ bezeichnet, da für die USL ein 5:4-Votum nicht akzeptabel sei. Doch die Rechnung der USL ging nicht auf. Trotz großen Drucks der Regierungsparteien sah eine Zweidrittelmehrheit der Richter die Bedingungen für eine Gültigkeit des Referendums nicht erfüllt. In einer ersten Twitter-Reaktion rief Hannes Swoboda, Chef der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, seine rumänischen Parteifreunde auf, das Urteil des Verfassungsgerichts zu akzeptieren.

Doch ein Ende des Machtkampfs scheint vor den Parlamentswahlen im November eher nicht in Sicht. Vor allem nationalliberale Politiker schlossen in ersten Reaktionen einen neuen Anlauf zur Amtsenthebung von Basescu nicht aus. Neuer Ärger mit der EU scheint zumindest den entthronten Interimspräsidenten nicht zu schrecken. „Wir sind zwar Teil der EU und der Nato“, so der verbitterte Antonescu: „Aber keiner kann hier wie in einer Kolonie diktieren.“

Auf einen Blick

Rumäniens suspendierter Präsident Traian Basescu steht nach dem gestrigen Urteil des Verfassungsgerichts vor der Rückkehr ins Amt. Das Gericht erklärte ein Referendum zu seiner Absetzung für ungültig, da das erforderliche Quorum an Stimmen nicht erreicht worden war. In dem Ende Juli abgehaltenen Referendum hatten 87 Prozent für eine Absetzung gestimmt – insgesamt hatten sich aber zu wenige Menschen am Votum beteiligt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)

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10 Kommentare
Gast: Pfifferlinge
22.08.2012 12:28
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eine Frage

nur eine Frage: wieso darf ein Ungarner Verfassungsrichter in Rümänien sein?

Antworten Gast: der lügenbaron
22.08.2012 14:22
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Re: eine Frage

Die simple Antwort: in Rumänien lebt eine namhafte ungarische Minderheit, ca. 6% der Bevölkerung, und ihre politische Vertretung ist bestrebt an jeder Regierungskoalition teilzuhaben, um die Interessen dieser Ethnie wirksam zu vertreten. In dieser Eigenschaft stellte sie eine Reihe von Würdenträgern, vom Vize-Premier (Markó Béla) über Minister abwärts.

Antworten Gast: Grosslercher Ernst
22.08.2012 14:01
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Re: eine Frage

In Siebenbürgen - nordwestlicher Teil des Staatsgebietes von Rumänien - leben sehr viele Ungarn, die natürlich rumänische Staatsbürger sind.

Gast: Grosslercher Ernst
22.08.2012 07:22
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PRESSE-Bericht ist unsachlich

Derzeit bin ich in Rumänien und habe die Entwicklung zur Amtsententhebung von Basescu verfolgt.
Basescu ist ein sehr großes Problem für Rumänien, weil er in den letzten Jahren Strukturen mit seinen Personen aufgebaut hat, die seine Mitteilungen vollziehen, so auch die 5 Mitglieder (rumänisch) und das eine Mitglied (ungarisch) = 6 Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes. Das war somit KEINE unabhängige Entscheidung, sondern eine für Basescu dienende Vollziehung.
Rumänien sollte DRINGEND von Basescu befreit werden und seine korrupten Wege endlich gestoppt werden. Jetzt kommt eine neue, unabhängige und international anerkannte Justizministerin ins Amt, die aufräumen wird, und zwar von den rein politischen Basescu-Strukturen.
Übrigens: Basescu hat bei bei seinem Amtenthebungs-Referendum aufgerufen: Geht nicht zur Wahl! Daher sind die 46% Wahlbeteiligung (es sind eigentleich ca. 55%, weil die aktuellen Wählerlisten vom Verfassungsgerichtshof nicht akzeptiert worden sind) sehr hoch, aber Basescu hat selbst auch nicht gewählt, um gegen seine Amtsenthebung zu stimmen, und 87% sind für seine Amtsenthebung gewesen, das ist das Volk, das diesen korrupten Präsidenten nicht mehr will - aber die EU, USA wollen diesen Präsidenten, weil dann deren Entscheidungen von Basescu vollzogen werden und nicht die eigenständischen rumänischen Wege im EU-Sinne gegangen werden.
Aber: Die Zeit vegeht und Basescu wird spätestens in 2 Jahren Geschichte sein!

Antworten Gast: der lügenbaron
22.08.2012 08:57
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Re: bestellter schreiberling oder naiver adabei?


Also, wenn einer vor Ort die Amtsenthebung verfolgt und so einen Stuß verzapft, sollte er für immer schweigen - der Nachruhm wäre ihm gewiß.
Nichts gegen die Präferenzen für die Putschisten, aber erstens besteht der Verfassungsgerichtshof nicht aus sechs sondern neun Mitgliedern, vier werden der Basescu-Clique zugerechnet (von ihm bestellt, gesteuert und bestimmt auch bezahlt - wie die Putschisten-Clique herunterzuleiern beliebt ohne müde zu werden) weitere vier den wackeren Partnern in der "saubersten Regierung" seit Menschengedenken und eines ist tatsächlich vom Verband der ungarischen Minderheit, welcher sich im Prozeß der Amtsenthebung auf die Seite der "Guten", sprich Plagiatoren und Schwänzer geschlagen hatte. Folglich ist ein in der Wolle richtig gefärbtes Mitglied seinem Berufsethos gefolgt und hat sich an den Buchstaben des Gesetzes gehalten - Name und Begründung der Entscheidung allgemein bekannt.
Zweitens hat Basescu mit aller Eindringlichkeit die Bevölkerung zur Teilnahme am Referendum aufgefordert, allerding gab "seine" Partei die Parole aus daheimzubleiben (Erklärung: nach den katastrophal verlorenen lokalen Wahlen im Juni schien es der PDL unmöglich ihr Wählerpotential ausreichend zu mobilisieren) und erst wenige Wochen vor dem Termin schwenkte der suspendierte Präsident auf diese Linie ein, um die Ratlosigkeit bei den Referendumsgegnern nicht noch zu verstärken

Antworten Antworten Gast: Grosslercher Ernst
22.08.2012 10:13
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Re: Re: bestellter schreiberling oder naiver adabei?

Basescu hat gesagt: Nu mergeti la vot. Gehen Sie nicht zur Wahl. Das ist im Fernsehen von Antena 3 in Rumänien eindeutig mit der Stimme von Basescu zu hören und sein Gesicht ist beweglich zu sehen!
Warum schreiben Sie obigen Stuß?

Antworten Antworten Antworten Gast: der lügenbaron
22.08.2012 15:46
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Re: Re: Re: bestellter schreiberling oder naiver adabei?

Keine Antwort ist auch eine Antwort, daher keine Polemik: Băsescu findet man am 26. Juli gegen 18 Uhr lokaler Zeit auf der Abschlußkundgebung in Bukarest mit der Aussage "Geht nicht zur Wahl" - das Referendum fand am 29. statt.
Auf seiner Wahlreise durch Cluj-Iaşi-Bukarest rief er noch am 21. Juli den 10 000 Anhängern in Iaşi zu "Geht zur Wahl und verteidigt Euer Land vor den Knastfähigen!". Es hätte also im vorigen Post korrekt stehen sollen "einige Tage" statt "wenige Wochen vor dem Termin" für seinen Schwenk auf die Linie der PDL, welche seit dem 6. Juli als Datum der Festsetzung des Wahltermins für den 29. feststand: bleibt's daham!
Nicht wenige und jede Menge politischer Schwergewichte warfen dem gewieften Politiker Băsescu einen schwerwiegenden taktischen Fehler vor den gegensätzlichen Appell zu jenem "seiner" Partei an das Lager der Unwilligen zu richten . Anscheinend war die Mutlosigkeit in jener Zeit besonders ausgeprägt und er dürfte den mannhaften Untergang mit seinem Schiff dem klugen taktischen Schachzug vorgezogen haben.
Es ist noch einmal gut gegangen - der Seebär ist noch in keinem Wahlkampf unterlegen.

Antworten Antworten Antworten Gast: der lügenbaron
22.08.2012 12:28
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Re: Re: Re: bestellter schreiberling oder naiver adabei?

Sie ersparen sich eine Menge Polemik wenn Sie genaues Datum und Uhrzeit dieser Basescu-Aussage hinschreiben.

Antworten Antworten Gast: der lügenbaron
22.08.2012 09:39
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Re: Re: bestellter schreiberling oder naiver adabei?

(die Million, die dann doch zu den Urnen ging, füllte das Quorum auf ohne den Ausgang ernsthaft zu beeinflußen).
Die restliche Argumentation: Mona Pivniceru als Aufräumefrau, eigenständiger Weg Rumäniens als Geisterfahrer in der Welt, die frisierten Wählerlisten und die Unverfrorenheit des Verfassungsgerichts sie nicht zur Grundlage der Entscheidung zu machen - sie ist des Schweigens würdig.

Swoboda, der unfaehigste aller Rotsocken, er lebt noch?

Wahrscheinlich mit Monstergehalt in Brüssel, wie es sich für einen Sozialisten gehört??!!