Syriens Diktator Bashar al-Assad soll nicht nur über ein umfassendes Chemie-Waffenarsenal, sondern auch über zahlreiche biologische Kampfstoffe verfügen. In einem Beitrag für die "Welt" (Mittwoch) schreibt der Waffenexperte Hans Rühle, das Regime in Damaskus arbeite an einsatzfähigen Erregern von Milzbrand, Pest, Tularemia (Hasenpest), Botulinum, Cholera, Ricin, Kamelpocken, Blattern und Aflatoxin.
Einige Stoffe seien schon getestet worden. Das Ausgangsmaterial stammte überwiegend aus der Sowjetunion, wo die Kampfstoffe schon bis zur industriellen Produktion und militärischen Einsetzbarkeit fortentwickelt worden seien. Bisher galten die syrischen Forschungen als nicht praxistauglich. Rühle, in den 80er-Jahren Leiter des Planungsstabes im deutschen Verteidigungsministerium, stützt sich bei seinen Ausführungen auf Geheimdiensterkenntnisse und einschlägige Forschungen.
Russland: "Westen stachelt Assad-Gegner an"
US-Präsident Barack Obama warnte Syrien am Montag vor dem Einsatz chemischer und biologischer Waffen. Syriens Vizepremier Kadri Jamil wies die Drohung als "Propaganda" zurück, die im Zusammenhang mit der US-Präsidentenwahl im November stehe. Berichte über Chemiewaffen seien lediglich ein Vorwand des Westens für eine militärische Invasion.
Ebenfalls Kritik am Westen übte am Mittwoch Russland. "Unsere westlichen Partner haben noch immer nichts getan, um die Opposition zu einem Dialog mit der Regierung zu bewegen", teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. "Sie stiften sie stattdessen offen dazu an, den bewaffneten Kampf fortzusetzen", hieß es. "Es ist klar, dass mit diesen Methoden eine politische Lösung der Krise unmöglich ist."
Rebellen werfen Armee Massaker vor
In Damaskus haben syrische Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten erneut ein Massaker verübt. Im Vorort Maadamiyat al-Sham seien 42 Menschen hingerichtet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Die Zahl dürfte aber steigen, denn in einem Keller wurden weitere Leichen entdeckt.
Der Bürgerkrieg in Syrien greift unterdessen immer mehr auf das Nachbarland Libanon über. In der Küstenstadt Tripoli dauerten die Kämpfe zwischen Alawiten und Sunniten weiter an. Nachdem am Dienstag bei den Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Assad sechs Menschen getötet und 75 weitere verletzt worden waren, wurden am Mittwoch nach Krankenhausangaben zwei weitere Menschen getötet. 15 Menschen, darunter fünf Soldaten, seien verletzt worden.
Der libanesische Regierungschef Najib Mikati rief die Sicherheitskräfte auf, "ihr Möglichstes zu tun, um diese absurde Schlacht zu beenden". Mikati warf den Beteiligten vor, den Libanon in den Konflikt im Nachbarland Syrien hineinzuziehen. Seit Mai gibt es immer wieder blutige Zusammenstöße in Tripoli.
(APA/dpa/Red.)
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