Wien/Damaskus/Paris. Es scheint ein neuer Beweis für die Präsenz von „Gotteskriegern“ in Syrien zu sein: Nach Angaben der islamistischen Internetseite KavkazCenter wurde der bekannte tschetschenische Rebell Rustam Gelajew in Syrien getötet. Der Sohn des verstorbenen tschetschenischen Rebellenführers Ruslan Gelajew soll bei einem Gefecht mit syrischen Regierungstruppen erschossen worden sein. Schon seit geraumer Zeit wird berichtet, dass ausländische Islamisten an der Seite der syrischen Rebellen gegen Machthaber Bashar al-Assad kämpfen sollen.
Die Auseinandersetzung zwischen Aufständischen und Regime geht mit unverminderter Härte weiter. Wie erst gestern bekannt wurde, sollen in einer Stadt nahe Damaskus Regierungstruppen am Dienstag ein Massaker verübt haben. Laut der in London ansässigen „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ hätten regimetreue Soldaten in Maadamiyat al-Sham mehrere Menschen hingerichtet und einen Trauerzug beschossen. Mindestens 42 Opfer konnten bisher identifiziert werden, nach Befürchtungen der Aktivisten dürften es noch deutlich mehr werden. Am Mittwoch bombardierte die syrische Luftwaffe mehrere Viertel der umkämpften Handelsmetropole Aleppo.
Medizinische Hilfe vom Ausland
Einem siebenköpfigen Team der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) ist es unterdessen gelungen, ein kleines Spital in Nordsyrien zu errichten. Die Organisation ist laut eigenen Angaben die einzige medizinische Nichtregierungsorganisation mit Personal in Syrien. Zusammen mit syrischen Ärzten baute das Team innerhalb von sechs Tagen ein Haus zu einem improvisierten Krankenhaus um. Das an einem geheimen Ort in Nordsyrien gelegene Spital befindet sich in einer von Rebellen kontrollierten Region.
Eine Aufenthaltsgenehmigung hatte das Ärzteteam von der syrischen Regierung nicht erhalten. „Sie machten uns klar, dass wir auf eigene Gefahr arbeiten würden“, sagte der eben aus Syrien zurückgekehrte Projektkoordinator Brian Moller bei einer Telefonkonferenz in Paris. Seit der Öffnung des Krankenhauses am 21. Juni wurden bis Mitte August 300 Patienten aufgenommen und 150 Operationen durchgeführt. Behandelt wurden sowohl Zivilisten als auch Soldaten. Die meisten haben Kriegsverletzungen erlitten, wie schwere Schuss- oder Splitterwunden. „Wir konnten leider nicht alle vor dem Tod retten“, sagte Kelly Dilworth, eine für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitende Anästhesistin.
Patienten kommen von überall
Die Existenz des Krankenhauses sprach sich schnell herum: „Die Menschen strömen aus ganz Syrien in unsere Klinik“, schilderte Moller. „Vielen Regimegegnern wird der Zugang zu staatlichen Krankenhäusern verwehrt. Außerdem fehlt es überall an Medizin.“
Nach Ansicht des MSF-Experten verschlechtert sich die humanitäre Situation täglich. Die Menschen würden sich den Rebellen oder den Regierungstruppen anschließen oder flüchten. Der Konflikt belaste die Bevölkerung psychologisch extrem: „Die Menschen fühlen sich verlassen. Sie rechnen nicht mit einer baldigen Lösung des Konflikts.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)
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