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Eine PR-Schlacht gegen „Patin“ Merkel

23.08.2012 | 18:04 |  von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Talkshow-Stammgast Gertrud Höhler legt sich in „Die Patin“ mit der „mächtigsten Frau der Welt“ an – und warnt die Deutschen vor einer neuen Diktatur. Dabei ist so manche Kritik an Kanzlerin Merkel gar nicht neu.

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Berlin. Gertrud Höhler kann man schwer entkommen. Wer deutschen Talkshows nicht bewusst aus dem Weg geht, stößt alsbald auf die distinguierte, wortgewaltige Dame mit dem wallenden grauen Haar und dem eleganten Hosenanzug. Sie beriet Helmut Kohl und die Deutsche Bank. Man kennt sie als streitbar, aber charmant. Doch nun hat sie den Charme abgelegt: Nervös und reizbar reagierte sie auf kritische Vorabberichte zu ihrem neuen Buch. Kein Wunder, denn Höhler zieht in die Schlacht ihres Lebens. Sie legt sich mit der „mächtigsten Frau der Welt“ an: Angela Merkel.

Die immens steile, nie ganz offen ausgesprochene These: Das „System M“ führe Deutschland schleichend in eine dritte Diktatur, nach Naziregime und Kommunismus. Dabei ist so manche Kritik an der Kanzlerin gar nicht neu: Sie sei ohne Visionen, passe sich geschmeidig an wandelnde Stimmungen an, sei nur an ihrem Machterhalt interessiert und räume jeden Mann, der ihr gefährlich werden kann, vorsorglich aus dem Weg. Nur steigert Höhler diese Vorwürfe ins Dämonische, zum Damoklesschwert eines „System M“ – eines Politikstils, der die Wertebasis der Gesellschaft unterhöhlt.

Weil Merkel die „Moral in den Wind hängt“ und sich je nach Windrichtung konservativ, sozial oder grün gibt, zerstöre sie den politischen Wettbewerb. In der Energiewende werde mit den AKW auch der wirtschaftliche Wettbewerb ausgeschaltet. Und schließlich die Eurokrise, in der Abgeordnete durch Drohungen zu einem „alternativlosen“ All-Parteien-Konsens gezwungen werden.

Abgebrochene Interviews

Damit fügt sich das Bild: Systeme mit eingeschränktem Wettbewerb und hohen Zustimmungsraten der Mandatare „nennen wir totalitäre Systeme“. Noch sei Deutschland in einem „Übergangssystem“, aber der fatale Weg sei vorgezeichnet.

Um ihre kühnen Argumente zu untermauern, stützt sich Höhler auf O-Töne Merkels, deutet diese aber so negativ wie nur möglich. Auffallend die starken Ost-Ressentiments: Die „Leidenschaftslosigkeit und Wertneutralität“ der Kanzlerin sei „Westbürgern fremd“, doziert Höhler bei der Buchpräsentation. Immerhin lobt sie Präsident Gauck in den Himmel. Nicht jede Ossi-Politkarriere führt also ins kollektive Verderben – zumindest dann nicht, wenn Merkel sie verhindern wollte.

Trägt hier jemand eine persönliche Fehde aus? In dieses Horn stieß der „Spiegel“: Höhler rechne mit Merkel ab, weil diese ihr ein Ministeramt in der CDU vermasselt habe. Das genügte für einen offenen Brief einer PR-Strohfrau des Verlags, in dem der Redakteur als „Halunke“ denunziert wird. Bei einem Interview mit der „Süddeutschen“ drohte Höhler zweimal mit Abbruch, weil ihr die persönlichen Fragen nicht konvenierten. Zu einem Auftritt in der Sendung „Kulturzeit“ auf 3Sat ist es erst gar nicht gekommen: Schon unter der Maske sitzend, ergriff die Autorin zornig die Flucht.

Mag sein, dass es Höhler tatsächlich bitterernst meint mit ihren publizierten Sorgen. Plausible Alternativen für Energiezukunft und Eurokrise hat die Beraterin der Mächtigen auch nicht aufzuwarten. Aber wie man ein Buch so aggressiv wie möglich verkauft, kann jeder bei ihr lernen. Außer Thilo Sarrazin, der weiß das schon.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)

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6 Kommentare

Bundesverdienstkreuz für Frau Höhler

Wer den Werdegang von Frau Prof. Höhler betrachtet, kommt nicht umhin, dieser Frau ein gebührend Maß an Wertschätzung zu billigen. Frau Höhler ist ja auch eine mit dem Bundesverdienstkreuz der BRD beehrte Person. Ihre Beratungstätigkeiten für Spitzenfunktionäre der Deutschen Politik (Helmut Kohl und Dieter Althaus) und Wirtschaft (Alfred Ehrhausen, Ex-Bankchef der Deutschen Bank) lassen einen weiteren Eindruck zu dieser Frau zu. Und dieser Eindruck spiegelt nicht unbedingt eine einseitig orientierte oder frustrierte Frau wider, ganz im Gegenteil.

Unter dem Eindruck dieser Aspekte verdient die scharfe Kritik an Frau Merkel, entsprechend beachtet und bewertet zu werden.
Frau Höhler ist auf alle Fälle eine mutige Frau, und dies mit einem Format, welches nicht häufig anzutreffen ist.

Gast: Open Eye
24.08.2012 12:41
3 1

Respekt für Fr. Höhler...

...dafür dass sie das System Merkel klar beim Namen nennt.

Es ist schon mehr als bitter, dass Journalisten ihrer Kontrollaufgabe nicht nachkommen und sich lieber an der Seite der Mächtigen halten um missliebige Boten zu jagen.
Siehe Eurokrise.

Die Lücke zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung ist ein weiteres klares Indiz für ein sich totalitär entwickelndes System, einer Oligokratie.

....

ich dachte clinton ist mächtigste frau der welt

die neue Finanzdiktatur

der Reichen und Mächtigen ist doch eh schon da - der ESM muss nur noch vom Verfassungsgericht durchgewunken werden, dann gibts nicht mehr alle 3 Tage eine Krisensitzung in Brüssel sondern dann läuft alles schön hinter den Kulissen und Europas Politiker sind fein raus!

Gast: w1291
24.08.2012 09:52
4 1

Uebereinstimmung

Frau Prof. Höhler ist beinahe die einzige Person, die das Merkel System durchschaut und die den Mut besitzt die jämmerliche Politik dieser unseligen ostdeutschen Opportunistin Merkel anprangert.
Danke Frau Höhler! Leider werden ihre berechtigten Rufe im "diktaturanfälligen" Deutschland ungehört verhallen. Die Folgen werden fatal sein!

Gast: GEFE
24.08.2012 07:49
3 0

Die einzige Diktatur

ist die der Medien und EU.
Drum Widerstand bis zum Untergang.