Die Internationale Atomenergiebehörde IAEO hat am Freitag zum Auftakt neuer Gespräche mit dem Iran erneut den Zugang zu verdächtigen Atomanlagen in dem Land gefordert. Dabei geht es vor allem um den Militärkomplex Parchin südlich von Teheran, wo möglicherweise Tests mit nuklearem Material durchgeführt worden sind. "Wir wollen alle offenen Fragen klären und werden den Iran fragen, wo sie (die Iraner) mit ihrer Antwort stehen, uns nach Parchin zu lassen", sagte der Chef der IAEA-Inspektoren, Herman Nackaerts, am Freitag in Wien.
Der iranische IAEO-Botschafter Ali Ashgar Soltanieh äußerte vor Beginn des Gesprächs am Freitag Zuversicht. "Wir erwarten Fortschritte bei diesem Treffen", sagte der Diplomat. "Die Tatsache, dass wir diese Gespräche mit der Behörde fortsetzen, zeigt, dass wir entschlossen sind, zu einem positiven Ende zu kommen." Beide Seiten seien bemüht, die Differenzen zu überwinden, sagte Soltanieh, ohne auf Einzelheiten einzugehen.
Neuen Verdacht erregten Satellitenaufnahmen von Parchin. Diese sollen zeigen, dass Materialien abtransportiert, Gebäude abgerissen und Flächen gesäubert wurden. Zudem gibt es noch zahlreiche weitere offene Fragen im jahrelangen Streit um das iranische Atomprogramm. Diplomaten rechnen nicht mit einem Durchbruch.
Die neuen Gespräche kommen unmittelbar vor der Veröffentlichung eines neuen Iran-Berichts der Atomwächter. Darin könnten neue Vorwürfe enthalten sein. Der Iran könnte mit seiner neuen Gesprächsbereitschaft versuchen, den Inhalt des Berichts in seinem Sinne zu beeinflussen, hieß es in Wien.
Sonderteam aus "Detektiven"
Die IAEO soll angeblich auch ein Sonderteam zur Untersuchung des iranischen Atomprogramms zusammenstellen. Das sagten vier Diplomaten in Wien gegenüber der Nachrichtenagentur AP, wie die israelische Zeitung "Haaretz" am Freitag berichtete. Das Team soll aus "Detektiven" bestehen, die auf Waffentechnologie, Geheimdienstanalysen, Strahlungsmessung und auf andere Gebiete spezialisiert sind, die Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm geben könnten.
Die Bildung eines Teams, das sich nur auf ein Land konzentriert, ist ein ungewöhnlicher Schritt der IAEO. Damit zeige sich die Prioritätensetzung der Atombehörde bezüglich des Iran angesichts der Befürchtungen, die Islamische Republik könnte sich der Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen nähern, hieß es. Es sei auch ein Hinweis auf die zunehmende Frustration der IAEA-Verantwortlichen über die Weigerung des Iran, mit den Atominspektoren zusammenzuarbeiten.
Israel und der Westen verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet das und pocht auf ihr Recht der friedlichen Nutzung von Atomenergie. Die Atomwächter in Wien kritisieren seit Jahren, dass der Iran mit ihnen nur unzureichend zusammenarbeitet und damit seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.
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