Gerade erst hatten die Gespräche zum iranischen Atomprogramm in Wien begonnen, als Israel schwere Vorwürfe gegen das Regime in Teheran erhob: „Der Iran macht immer größere Fortschritte bei der Entwicklung von Atomwaffen“, sagte am Freitag Premier Benjamin Netanjahu. „Wir haben zusätzliche Beweise dafür erhalten.“ Die Islamische Republik ignoriere dabei völlig die internationalen Forderungen im Atomstreit. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Donnerstag aus Diplomatenkreisen erfahren, dass der Iran in der unterirdischen Atomanlage in Fordow weitere Zentrifugen für die Urananreicherung eingerichtet hat. Diese seien nicht in Betrieb, zeigten jedoch die Bereitschaft des Iran, sich weiter der Forderung nach einem Ende der Anreicherung zu widersetzen.
Bei den gestrigen Gesprächen zwischen Vertretern des Iran und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien forderte die IAEA erneut Zugang zu verdächtigen Atomanlagen. Dabei geht es vor allem um den Militärkomplex Parchin südlich von Teheran, wo möglicherweise Tests mit nuklearem Material durchgeführt worden sind.
Das Treffen hat keine Annäherung gebracht. Es gebe weiterhin große Meinungsverschiedenheiten, sagte der Chef der Atominspektoren, Herman Nackaerts, nach den Gesprächen. Ein neues Treffen sei nicht geplant. Der Chef der iranischen Delegation, IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh, verwies bei allen fortbestehenden Problemen auch auf Fortschritte. "Es gibt aber weiter einige Meinungsverschiedenheiten, weil es ein sehr kompliziertes Thema ist." In der kommenden Woche wird der vierteljährliche Bericht der IAEA zum iranischen Atomprogramm veröffentlicht.
(Ag.)
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