Der frühere Vizeaußenminister von Ex-US-Präsident George W. Bush, Richard Armitage, übt heftige Kritik an seiner Partei. "Es sieht so aus, als wollten manche Republikaner eine Partei Gottes aufbauen", sagte Armitage im Interview mit der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) und der französischen "Liberation". "Wissen Sie, wie die Partei Gottes in der arabischen Welt heißt? Hisbollah!"
Beide großen US-Parteien hätten sich radikalisiert. "Aber die Republikaner sind wahrscheinlich doppelt so weit nach rechts gerückt wie die Demokraten nach links".
In der Haltung zur Abtreibung hätten sich seine Parteigenossen, die ein absolutes Abtreibungsverbot sogar nach einer Vergewaltigung fordern, verrannt: "Ich lehne Abtreibung generell ab. Aber ich würde das niemals in ein Gesetz schreiben", sagt Armitage im Interview. "Als Mann steht es mir nicht zu, solche Entscheidungen für eine Frau zu treffen."
"Muskelstrotzende Außenpolitik nicht immer die weiseste"
Auch an den außenpolitischen Ansagen der Republikaner stößt sich der ehemalige Mitarbeiter von Ex-Außenminister Colin Powell: "Eine muskelstrotzende Außenpolitik ist nicht immer die weiseste". Armitage und Powell hatten unter Bush die Planung und Ausführung des vom Pentagon vorangetriebenen Irak-Kriegs kritisiert. Im November 2004 reichten beide ihren Rücktritt ein. Bei den Präsidentenwahlen 2008 unterstützte Powell den Demokraten Barack Obama.
In der Wirtschaftspolitik unterstützt Armitage zwar den von Republikanern geforderten Schuldenabbau, kritisiert aber die republikanischen Kongressmitglieder, wenn sie nur auf Kürzungen bestünden und jede Erhöhung der Einnahmen kategorisch ablehnten. Fast jeder republikanische Abgeordnete habe das Plädoyer des konservativen Strategen Grover Norquist unterschrieben, niemals neuen Steuern zuzustimmen. "Niemals würde ich mich selbst in so eine Sackgasse begeben", meint Armitage.
Gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hat Armitage persönlich nichts einzuwenden. Als das Romney-Team zum Wahlkampfauftakt Armitage als Berater anfragte, hatte er jedoch bereits dessen moderaterem - und erfolglosen - Vorwahlgegner Jon Huntsman zugesagt.
(APA)
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