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Kolumbien: Regierung und linke Guerilleros wollen verhandeln

28.08.2012 | 17:32 |  von unserem Korrespondenten Andreas Fink (Die Presse)

Die stark geschwächte Farc und Kolumbiens Regierungsvertreter treffen einander Anfang Oktober zu „Sondierungsgesprächen“ in der norwegischen Hauptstadt. Es ist dies der dritte offizielle Verhandlungsversuch.

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Buenos Aires/Bogotá. Schon mehrere Tage lang kursierten die Gerüchte. Nachdem am Montag zwei TV-Sender die Nachricht verbreiteten, trat schließlich Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos vor die Fernsehkameras und bestätigte, dass seine Regierung „Sondierungsgespräche“ mit den „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ (Farc) aufgenommen habe, um einen Ausweg aus dem fast fünf Jahrzehnte dauernden Konflikt  zu finden. Die TV-Kanäle RCN und Telesur hatten berichtet, dass Regierungsvertreter und Farc am 5. Oktober in Norwegens Hauptstadt Oslo zusammentreffen sollen.

So konkret wollte Santos noch nicht werden, er sagte, dass es vor allem gelte, die „Fehler der Vergangenheit“ zu vermeiden. Ziel jeglicher Verhandlungen müsse ein Ende des Konfliktes sein. Gleichzeitig stellte der Präsident klar, dass die militärischen Operationen der Armee fortgeführt würden. Die Präsenz des Militärs „auf jedem Zentimeter des nationalen Territoriums“ werde aufrechterhalten. Seit seinem Amtsantritt 2010 habe er seine in der Verfassung festgeschriebene Verpflichtung wahrgenommen, nach Frieden zu streben, versicherte Santos. Auch die zweitgrößte Guerillaorganisation ELN könne in den Prozess einbezogen werden.

Die Ankündigung wurde positiv aufgenommen, in aktuellen Umfragen sprachen sich über 70 Prozent der Bürger dafür aus, den Krieg durch Gespräche zu beenden.  Es ist der dritte offizielle Verhandlungsversuch. 1984 handelte Präsident Belisario Betancur einen Waffenstillstand aus, der nur zwei Jahre hielt. 1998 vereinbarte der konservative Staatschef Andrés Pastrana mit dem Farc-Führer „Tirofijo“ die Einrichtung einer „Sicherheitszone“. In dem Gebiet von der Größe der Schweiz sollten sich die Guerilleros zu Bauern wandeln. Tatsächlich wurde daraus eine Drogenfabrik und ein grüner Gulag für mehr als 1000 Entführte. 2002 marschierte die Armee ein. In den folgenden acht Jahren erlebte die Farc unter dem kompromisslosen Alvaro Uribe eine Treibjagd, in der die Guerillatruppe die Hälfte ihrer Kämpfer und ihre wichtigsten Führer verlor.

Womöglich noch mehr Anschläge

Wegen der massiven militärischen Schwächung der Guerilleros geben kolumbianische Kommentatoren der aktuellen Initiative größere Erfolgschancen als früheren Versuchen. Ein zusätzliches Hoffnungszeichen geht von der positiven Wirtschaftsentwicklung des 46-Millionen-Landes aus. Andererseits haben die Kolumbianer in 48 Jahren Konflikt gelernt, den Farc gründlich zu misstrauen.
Experten rechen damit, dass die Guerillaorganisation ihre zuletzt wieder häufigeren Anschläge auf Militär und Staatseinrichtungen gar noch ausweiten könnte, um ein möglichst gutes Verhandlungsergebnis herauszuholen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

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2 Kommentare

Viva Colombia!

Hoffentlich gelingt der Friedensprozess!

Gast: Lisandro Meza
28.08.2012 22:04
1 0

Cumbia Cumbia

Colombia! Tierra querida!!
Hoffentlich gibt's endlich Frieden und gerechte Landverteilung. Solange wenige ganz viel haben und ganz viele ganz wenig, wird es aus der sozialen Misere nicht herauskommen. Na, aber hoffentlich hört endlich dieser sinnlose Krieg auf!

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