Wien/Washington/AG. Bisher hatte die US-Regierung verbreitet, dass Terrorpate Osama bin Laden vor seinem Tod versucht habe, sich zu verteidigen. Der Ex-Navy-Seal Matt Bissonnette behauptet nun aber, Bin Laden habe keine Gegenwehr geleistet. Bissonnette war laut eigenen Angaben bei der Aktion der US-Spezialeinheit im Mai 2011 im pakistanischen Abbottabad dabei und hat seine Erfahrungen im Buch „No Easy Day“ niedergeschrieben. Das Werk, das pünktlich zum 11. September erscheinen soll, sorgt bereits seit einer Woche für Aufsehen. Die US-Zeitung „Huffington Post“ gibt an, eine Kopie des Buches zu besitzen und hat gestern Passagen daraus veröffentlicht.
Bissonnette erzählt, einer der Seals habe Sichtkontakt mit einem Mann im Stiegenhaus des Gebäudes gemeldet. Kurz darauf seien einige Schüsse gefallen. Als die Seals das Schlafzimmer Bin Ladens stürmten, sei der Terrorchef dort bereits mit einem Kopfschuss gelegen, eine Frau habe sich über ihn gebeugt. Anschließend hätten Seals auf Bin Ladens Oberkörper gefeuert. Wer dem al-Qaida-Chef zuvor in den Kopf geschossen hat, bleibt unklar. Es könnte Bin Laden selbst, einer seiner Getreuen oder ein Seal gewesen sein.
„Wir waren keine Obama-Fans“
Laut Bissonnette waren die Seals wenig erfreut darüber, dass US-Präsident Obama die Tötung Bin Ladens für seine Wiederwahl ausschlachten könnte: „Wir scherzten, dass wir seine Wiederwahl sichern würden. Niemand von uns war ein großer Obama-Fan.“
Der Erscheinungstermin des Buches ausgerechnet wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl und die Seitenhiebe gegen Obama werfen die Frage auf: Will sich der Ex-Seal mit seinem Buch auch dafür rächen, dass er unfreiwillig Wahlkampfhilfe leisten musste?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)
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