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Peking ziert sich mit Hilfszusagen für Europa

30.08.2012 | 17:36 |  Von unserem Korrespondenten Felix Lee (Die Presse)

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in China brachte der deutschen Wirtschaft Milliardenaufträge. Doch Peking spart nicht mit Kritik am Reformwillen der Europäer bei der Bewältigung der Eurokrise.

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Peking. Die Liste der Abkommen ist lang: In den Bereichen Energie, Medizinwirtschaft und Biotechnologie wollen Chinas Führung und die deutsche Bundesregierung künftig noch enger zusammenarbeiten. Die Unterrichtsminister beider Länder planen für 2013 ein deutsch-chinesisches Sprachjahr. Beim Klimaschutz und der Elektromobilität gibt es künftig Kooperationen und überhaupt soll die Umweltpartnerschaft ausgebaut werden. Auch die Milliardenabschlüsse der deutschen Wirtschaft können sich sehen lassen: Verträge in einem Umfang von rund 4,8 Milliarden Euro haben die Unternehmer im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel unterzeichnet.

Was die Zahl der Unterschriften anbelangt war Merkels China-Besuch also bereits nach dem ersten Tag ein voller Erfolg. Insgesamt 22 Minister, sieben aus Deutschland, 15 aus der Volksrepublik, haben sich am Donnerstag unter Leitung der Kanzlerin und des chinesischen Premiers Wen Jiabao zu ihren bisher zweiten Regierungskonsultationen in Peking getroffen. Wen sprach von einem „Geist der Kooperation“, Merkel würdigte die Gespräche als eine „sehr viel direktere und auch Schwierigkeiten überwindende Art und Weise der Kooperation“.

Der chinesische Premierminister wiederum machte keinen Hehl daraus, dass ihm der Reformwillen der Europäer bei der Bewältigung der Eurokrise zu langsam sei. Er mache sich „persönlich ganz große Sorgen“, sagte er. Schon beim Schuldenschnitt für Griechenland hatte die Volksrepublik Verluste hinnehmen müssen. Deswegen halten sich die Chinesen derzeit auch mit dem Kauf italienischer und spanischer Staatsanleihen zurück. Merkels Hauptanliegen auf dieser Reise nach mehr chinesischer Hilfe bei der Eurokrise kam die chinesische Führung daher auch nur bedingt nach. Es blieb bei ein paar vagen Zusagen.

Altmaier wird zurückgepfiffen


Düpiert wurde überraschend der deutsche Umweltminister Peter Altmaier – aber gar nicht so sehr von der chinesischen Seite, sondern von der Kanzlerin. Altmaier hatte vorher noch angekündigt, dass er die bei der EU-Kommission eingereichte Dumping-Klage bei seinem Besuch in Peking ansprechen werde. Mehrere europäische Solarhersteller haben bei der EU-Kommission Klage gegen China eingereicht und werfen den chinesischen Herstellern vor, sie würden auf dem Weltmarkt Solarpanele anbieten, die unter dem Herstellungswert liegen. Doch Merkel, die sich bisher noch nicht öffentlich dazu geäußert hatte, kündigte nun an, dass sie den Handelsstreit ohne Klage lösen wolle. „Es wäre besser, dies in Gesprächen zu lösen.“ Wen wiederum pflichtete ihr bei: „Dies ist ein Vorbild für die Lösung von Handelsstreitigkeiten für die ganze Welt.“

Doch so harmonisch die Gespräche nach außen hin wirkten – ein paar heikle Themen kamen dann doch zur Sprache. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mahnte Merkel mehr Freiheit für ausländische Journalisten ein, nachdem sich im Vorfeld des Besuches 26 deutsche Korrespondenten (darunter der Autor) über die zunehmend repressiven Arbeitsbedingungen in China beschwert hatten. „Polizei und Staatssicherheit behindern unverändert unsere Arbeit und drohen unverhohlen damit, unsere Visa nicht zu verlängern, wenn wir über ,sensible' Themen berichten“, klagen die Korrespondenten in dem Brief. Wen äußerte sich dazu nicht.

Keine Einigung gab es auch bei dem brisanten Thema Menschenrechte. Merkel beteuerte zwar, dass sie das Thema angesprochen habe. Doch zu mehr als dem Satz, dass beide Seiten „die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit und der Wahrung der Menschenrechte betonen und ihre Bereitschaft zur Fortsetzung des Menschenrechtsdialogs“ bekräftigen, konnte man sich in der gemeinsamen Schlusserklärung nicht durchringen.

Auf einen Blick
Beim China-Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel sind Wirtschaftsverträge in einem Umfang von 4,8 Mrd. Euro unterschrieben worden. Merkel reist bereits zum sechsten Mal in ihrer Amtszeit nach China. Sie wird von sieben Ministern und Wirtschaftsvertretern begleitet – Merkels Abordnung ist damit die größte deutsche Delegation seit jeher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

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6 Kommentare

Kung Fu

Übersetzt-schwere Arbeit.

Die denkt wohl

dort gäbs was umsonst. So blöd sind die Chinesen auch wieder nicht. Ausserdem haben die genug eigene Probleme weil ihre eigene schöne Fassade ziemlich stark bröckelt. Ist halt auch nicht das Wahre, diese Kommandowirtschaften. Und schönrechnen können nicht nur Manager in der österreichischen Staatsnahen.

wieviele Milliarden sollen denn die Chinesen

in das europäische Loch ohne Boden schütten?die kaufen lieber ein paar Goldmünzen...


Antworten Gast: Be-obachter
31.08.2012 13:16
0 0

Re: wieviele Milliarden sollen denn die Chinesen

Es wär' schon geholfen, wenn die Chinesen auf die Europäischen Entwicklungshilfemilliarden verzichten würden...

Gast: Freiheit
30.08.2012 20:14
1 0

glaubt europa wirklich irgend jemand wird ohne

gegenleistungen/konditionen helfen? es sind ja nicht alles so naiv und schicken milliarden an jemanden der nur sagt wird was machen aber es nie macht..... ich glaube den meisten in europa waere ein licht aufgegangen wenn die krise umgekehrt gewesen waere - wenn deutschland ein problem haette. da waere kein geld aus griechenland, italien, spanien, frankreich so leicht geflossen. ich kann mich noch sehr gut an die kommentare der spanier erinnern als in deutschland die arbeitslosenzahlen nach der euro einfuehrung nach oben gingen und zur gleichen zeit spanien von einem hoch zum anderen gingen (fuer sie). da war keine solidaritaet oder mitgefuehl obwohl ja diese verschiebung grossteils darauf begruendet war, dass firmen jetzt ohne waehrungsrisiko nach deutschland verkaufen konnten aber die billigeren loehne in spanien hatten. objektiv gesehen damals - naja deutschland muss reformieren um wieder wettbewerbsfaehig zu sein und jetzt - naja spanien muss reformen umsetzen. aber dieses ganze solidaritaetsgesummse...... bitte. jeder wusste dass dies passieren wird...

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