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Wie der Iran den Frust der Atomwächter anreichert

31.08.2012 | 18:33 |  WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Der neue Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde zu Irans Nuklearprogramm drückt enorme Enttäuschung über Teherans Hinhaltepolitik aus und den starken Verdacht, Iran vertusche Atomwaffenexperimente.

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Wien/Teheran. Der Tenor des neuesten Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien, der in der Nacht auf Freitag vertraulich an die Mitgliedstaaten verteilt wurde und natürlich sofort durchsickerte, lässt sich in drei Sätze packen: Teheran baut trotz Einsprüchen des UN-Sicherheitsrats seine Urananreicherung weiter aus; in einer Forschungsanlage werden vermutlich Spuren von Atomwaffenexperimenten verwischt; und mit dem Iran zu verhandeln ist sowieso sinnlos.

Der Bericht kommt zu einem Zeitpunkt, da Israel immer klarer mit Krieg gegen den Iran droht; bereits zu Jahresbeginn hatten sich die Andeutungen verdichtet, Jerusalem werde im Herbst, jedenfalls aber noch vor den Wahlen in den USA, zuschlagen, sollte sich der Iran hinsichtlich seines umstrittenen Atomprogramms nicht kooperativ geben, sprich: Die Urananreicherung, wie seit nunmehr fast zehn Jahren von IAEA und UN gefordert, suspendieren und durch Inspektionen den Verdacht ausräumen, dass man im Tarnmantel eines zivilen Nuklearprojekts an der Bombe baue.

 

In Kürze genug Bombenmaterial

Doch dann geht aus dem Bericht hervor, dass in der Anreicherungsfabrik von Fordo nahe Teheran, sie ging 2011 ans Netz, die Zahl der Zentrifugen seit Mai auf mehr als 2100 verdoppelt wurde. Davon ist nur ein Teil aktiv, aber damit seien schon rund 66 Kilogramm Uran auf einen 20-prozentigen Anteil an spaltbarem U-235 angereichert worden. Rechnet man den Output der Anlage Natanz hinzu, habe der Iran 189 Kilogramm Uran dieser Qualität; von 20 Prozent aber lässt sich der Stoff rasch auf die mindestens 90 Prozent U-235 anreichern, die für Atomwaffen nötig sind – laut französischen Experten dürfte der Iran damit in wenigen Monaten endlich genug Grundmaterial für eine erste Bombe haben.

Heikler noch sind die Vorwürfe der IAEA wegen der Militärbasis Parchin: Dort werde, wie Satellitenfotos zeigten, seit Monaten versucht, durch Umbauten und Erdarbeiten, durch Fluten mit Flüssigkeiten und Abrisse etwas zu vertuschen – man wisse aber ziemlich sicher, dass es dort eine Stahlkammer für Tests mit Zündsystemen für Atomwaffen gebe, zuletzt sei sie mit Planen verdeckt worden, um der Aufklärung zu entgehen.

Man habe seit Ende 2011 und mit dem Mandat des Sicherheitsrats versehen versucht, Parchin zu besuchen, doch seien alle Gespräche dazu mit Teheran gescheitert, die Versuche, die brisantesten Fragen zu klären, fruchtlos geblieben. Es sei weiter nicht auszuschließen, dass Iran an Kernwaffen arbeite.

 

„Psychologische Kriegsführung“

Dieser wies den Bericht als „politisch motiviert“ zurück. Der Abgeordnete Kazem Jalali, Mitglied des sicherheitspolitischen Ausschusses im Parlament, sprach von „psychologischer Kriegsführung“. Außenminister Ali Akbar Salehi sagte, die Aussagen zu Parchin seien haltlos, ein Stützpunkt lasse sich nicht einfach „säubern“. Die Außenminister Deutschlands und Frankreichs, Guido Westerwelle und Laurent Fabius, verlangten vom Iran „Klarheit“ und stellten noch härtere Sanktionen in den Raum.

Israels Premier Benjamin Netanjahu will den Iran vor der Vollversammlung der UNO Ende September als „größte Gefahr für den Weltfrieden“ brandmarken. US-Generalstabschef Martin Dempsey warnte die Israelis am Freitag vor einem militärischen Alleingang.

Hintergrund

Der Iran hat seit den 1980ern heimlich ein A-Programm hochgezogen, das aber 2002 aufflog. Vordergründig ist es zivil, es gibt aber massive Hinweise, dass der Iran zumindest an einen Punkt gelangen will, von wo aus er bei Bedarf rasch Atomwaffen bauen kann. Teheran dementiert das, da der Islam Atomwaffen verbiete.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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8 Kommentare

iarael hat auch atomwaffen

und bekommt obendrein von den deutschen noch die weltbesten brenstoffzellenuboote geschenkt, die derart modifizert wurden, dass die atomraketen damit direkt vom persichen golf auf den iran abgeschossen werden können

aber darüber regt sich ja keiner auf, genauso wenig wie über die tatsache, dass der deutsche steuerzahler milliarden verliert, weil die regierung beschließt ein völkerrechtsbrechendes land, von dem ein großteil der bevölkerung deutschland abgrundtief hasst, aufzurüsten.

1 0

Geheimdienstmitarbeiter bei der IAEA

Iran hat recht, wenn es den Bericht der IAEA als politisch motiviert zurückweist. Die IAEA ist eine technische Organisation, es arbeiten dort aber offiziell "unbezahlte" Geheimdienstmitarbeiter mit, die in Iranfragen ihre Behauptungen in die Berichte einbringen. Wirklich nachzuweisen ist Iran keine illegale Aktivität. Es hat zwar die Urananreicherung trotz UN-Resolution nicht ausgesetzt - aber diese ist auch unveräußerlicher Bestandteil des NPT. Der Sicherheitsrat setzt sich da selber über Völkerrecht hinweg. Und die aktuellen Vorwürfe was Parchin angeht, sind mit technischem Sachverstand betrachtet haltlos, so ein ehemaliger IAEA Inspekteur: http://irananders.de/home/news/article/falscher-verdacht-militaerkomplex-parchin-im-visier.html. Hier wirken also offensichtlich die Geheimdienstler am Bericht mit. Da ist es doch kein Wunder, dass Iran die IAEA nicht in ihre Militäranlagen lässt. Die Iraner kommen ihren Verpflichtungen nach. Wenn sie nicht darüber hinausgehen, ist das ein Kriegsgrund?

so einen Artikel bringt die Bunte auch zusammen...


Gast: SinusP
01.09.2012 14:12
5 0

Der böse Iran und die liebe IAEO

"Teheran baut trotz Einsprüchen des UN-Sicherheitsrats seine Urananreicherung weiter aus; in einer Forschungsanlage werden vermutlich Spuren von Atomwaffenexperimenten verwischt; und mit dem Iran zu verhandeln ist sowieso sinnlos."

Vielleicht baut Teheran seine Urananreicherung weiter aus, weil es sich sein Recht auf Atomenergie nicht nehmen lassen will. Schon gar nicht von scheinheiligen Anti-Diplomaten. Alle Länder der Welt haben das Recht auf eine Nutzung atomarer Energie und der Iran soll auf seines verzichten, weil westliche Länder ihn zu einem "bösen Staat" ernannt haben...

In seiner Forschungsanlage werden VERMUTLICH Spuren verwischt... hoffentlich täuscht man sich nicht im selben Ausmaß, als es damals im Irak und den existierenden Massenvernichtungswaffen der Fall ware..
Dass bereits Vermutungen ausreichen, um jemanden zum Schuldigen zu erklären ist traurig.

"und mit dem Iran zu verhandeln ist sowieso sinnlos." - die rolle des bösen wolfs hat der iran bereits, wieso das also ändern wollen?


Gast: xom
01.09.2012 09:23
3 0

nam

komisch, in anderen medien liest sich die angelegenheit vollkommen anders. angeblich sollen die iaea-mitarbeiter KURZ VOR einer einigung mit dem iran - von der iaea selber zurueckgezogen worden sein. auszerdem findet derzeit im iran die nam-konverenz mit ca. 130 teilnehmenden staaten statt. wie isoliert ist dieser angeblich "vollkommen irre" staat denn wirklich?

immer die selbe lügen!:-/

....

Nur mit der Ruhe!

Die USA und die Russen haben Jahrzehntelang Atomwaffen wahren Erzfeinde und doch hatte keiner den anderen angegriffen oder sogar zerstört. Lässt doch den Iran seine Freude an der Atomwaffe, Israel hat ja auch seine Freude an der Atombombe. Aber keiner der beiden wird sich Erlauben den anderen mit der Atomwaffe anzugreifen. Ich kann mir einen traditionellen Krieg zwischen den beiden vorstellen, aber nie einen Atomkrieg. Die Atomverseuchung ist viel zu groß und währe fatal für beide Völker.

6 0

Wir wollen einmal was über Israels Atomprogramm und Arsenal wissen.

Das ist mindestens genauso gefährlich!