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US-Wahl: Obsession mit Celebritys

01.09.2012 | 18:16 |  von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Allein durch seinen Auftritt und erst recht durch seine lakonischen, hingenuschelten Gags riss die 82-Jährige Hollywood-Legende Clint Eastwood die Parteibasis zu Begeisterungsstürmen hin.

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Ann Romney setzte ein vielsagendes Lächeln auf. Ein ironischer Zug huschte über ihr Gesicht, als sie den kabarett-reifen, etwas merkwürdigen Gig der Filmikone Clint Eastwood beim Parteikonvent der Republikaner in Tampa mit der Nonchalance einer First Lady kommentierte. „Clint ist einzigartig, und er tat etwas Einzigartiges. Wir sind dankbar für jede Unterstützung.“

Die Parteitagsregie, stramm aufs Skript getrimmt, zeigte sich hinter den Kulissen indes irritiert über die Einlage des prominenten Wahlhelfers aus Hollywood, die das Zeitlimit sprengte und so den sorgfältig choreografierten Ablauf des Parteitagfinales zur „Prime Time“ durcheinanderbrachte. Das Romney-Team war perplex: Der vermeintliche Coup des geheimnisumwitterten Überraschungsgasts, erst wenige Stunden zuvor enthüllt, war nicht nach Plan gelaufen. Politgurus kritisierten die improvisierte „Sideshow“, der ausschweifende Monolog habe von der Botschaft des Abends abgelenkt.


Obsession mit Celebritys.
Allein durch seinen Auftritt und erst recht durch seine lakonischen, hingenuschelten Gags riss der 82-Jährige allerdings die Parteibasis zu Begeisterungsstürmen hin. „Make my day“, rief ein Fan in der Sportarena – und Eastwood griff seinen berühmtesten „Oneliner“ auf, ein Zitat aus „Dirty Harry“. Er hatte sich geschworen, den Satz nie auf Kommando auszusprechen. Das besorgte ein williger Sprechchor, ehe der Star schmunzelnd und mit zerzauster Frisur abtrat.

„Hebt euch ein wenig Applaus auf“, hat Eastwood die Parteigänger eingangs gewarnt, als er unter Ovationen aus dem orange-roten Schattenriss des auf die Leinwand projizierten Revolverhelden trat und aus der Hüfte zu feuern begann – gegen Oprah Winfrey und den zur Witzfigur karikierten Vizepräsidenten Joe Biden. Tatsächlich stahl der Schauspieler und Regisseur dem Hauptdarsteller Mitt Romney die Show, anderntags avancierte Eastwoods Abrechnung mit Barack Obama zum dominierenden Thema. Im Internet geriet das Video zur Instant-Sensation, die „Blogosphäre“ bebte.

Diese Fixierung offenbart die an eine Obsession grenzende Leidenschaft der US-Gesellschaft für Celebritys – seien es sogenannte „A-Listers“ wie Eastwood, seien es B-und C-Promis wie Lindsay Lohan oder das TV-Starlet Kim Kardashian, dessen Scheidung von einem Basketballstar nach 70-tägiger Ehe im Vorjahr die Schlagzeilen beherrschte. Vor vier Jahren versuchten die Strategen John McCains dessen Rivalen Obama nach seinem Berlin-Trip und der Rede vor der Siegessäule vor 200.000 Menschen abwertend als „Berühmtheit“ zu punzieren. Die Attacke zielte, wie sich herausstellen sollte, ins Leere. Die Wahl Ronald Reagans zum Präsidenten und Arnold Schwarzeneggers zum Gouverneur kam schließlich nicht von ungefähr.

Das Weiße Haus reagierte postwendend und mit charakteristischer Coolness. Per Twitter versandte es ein Foto mit dem Hinterkopf des Präsidenten auf seinem angestammten Sessel am Kabinettstisch: „Dieser Platz ist besetzt.“ Die Botschaft bezog sich auf den leeren Barhocker auf der Bühne in Tampa, mit dem der einstige Actionheld und renommierte Regisseur Zwiesprache hielt. „Halt's Maul“, schnaubte er den imaginären Präsidenten an. Obama-Berater David Axelrod gab sich verwundert: „Was sollte das?“ Für Satiriker vom Schlage eines Jon Stewart und Parodisten bei der Oscar-Verleihung lieferte Eastwoods Auftritt freilich eine ideale Vorlage.

Als Eastwood vor einem halben Jahr in einem aufsehenerregenden TV-Spot von Chrysler zur Super Bowl das Comeback der ramponierten Autoindustrie – und damit der Nation – beschwor, interpretierten dies viele als Wahlempfehlung für Obama. Vor wenigen Wochen deklarierte der Freidenker und Reagan-Fan, in den 1980er-Jahren kurz Bürgermeister der kalifornischen Kleinstadt Carmel, aber seine Unterstützung für Romney. „Er hat die Haare eines Präsidenten“, hatte er sich bereits bei den Dreharbeiten zu „Mystic River“ in Boston gedacht. Schließlich äußerte er den Wunsch nach einer Rolle beim Parteikonvent.

Angesichts einer Übermacht von Obama-Fans wie Clooney, De Niro & Co. ist Eastwood ein Solitär in Hollywood. Neben ihm bekennen sich nur wenige – Robert Duvall, Jolie-Vater Jon Voight oder der notorische Chuck Norris – zur Grand Old Party. Eastwood-Freund Morgan Freeman spendete erst eine Million Dollar für Obamas Wiederwahl. „Djangos“ beißende, auf Obama gemünzte Soundbites werden im Wahlkampf indessen rauf- und runtergespult werden: „Wer seinen Job nicht erledigt, den muss man feuern.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)

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7 Kommentare
Gast: Gruftmaus
02.09.2012 22:06
0 0

Ein Hohn.

Schon alleine die Worte/Kürzel: "US" und "Wahl" sind ein Hohn.
Was solls denn sein: Krieg um den Dollar durchzusetzen, oder Drohgebärden um Europa das letzte Hemd zu rauben, während man fleißig weiter stielt?
Beides ist derzeit im Gange.

Gast: hmmmmm
02.09.2012 18:55
0 0

Celebritys ?

mal ne englisch stunde besuchen lieber "journalist"

Also

lernen Sie Englisch Herr Vieregge. Der imaginäre Obama meinte zu Eastwood to "shut up" und nicht Eastwood zu Obama.

Hier war wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Ich war nie ein richtiger Eastwood Fan aber ich werde wohl noch einer. Ich würde mir so geradelinige Aussagen auch bei uns in Österreich einmal wünschen. Aber da hör ich doch immer nur das ewig gleiche Politgeseiere.

Eastwood war echt gut. Und wer Satire nicht versteht der sollte keine Presse lesen, und schon gar nicht darin schreiben.

Re: Also

Was sie sagen ist insofern falsch, als dass Eastwood wie fast alle Republikaner versucht hat den Demokraten Fehler in die Schuhe zu schieben, die von der Regierung Bush begangen wurden. Haben sie die seltsame "Rede" überhaupt gesehen? Vollkommen inhaltslos und ohne Aussage.

Re: Re: Also

Ich habs mir sogar zweimal angeschaut weil es mir so gefallen hat. Ausserdem wollte ich wegen dem Shut up sicher sein weil sicher einer kommt der mich darauf anspricht.

De Fehler der letzten vier Jahre wurden nicht von Bush begangen. Die vorher schon und die noch vorher von Clinton. Sich immer auf Bush ausreden ist ein wenig lahm. Obama hat mehr Show gemacht als die Probleme angepackt und er denkt immer noch dass man nur genug Geld auf Probleme schmeissen muss damit diese sich selbst lösen. Funktioniert aber nicht. Nicht bei den Amis und auch nicht bei uns wie wir sehen.

Ein eher...

...verstörender Auftritt!

Charlton Heston

Ich glaube so wird er geschrieben,endete so ähnlich.