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Niederlande: Sparmeister steht vor der Wiederwahl

12.09.2012 | 13:14 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (DEN HAAG) (DiePresse.com)

Bei der Parlamentswahl hat der liberale Premier Mark Rutte überraschend gute Chancen, im Amt zu bleiben. Der 45-Jährige führte einen starken Wahlkampf. Rechts- und Linkspopulisten schwächeln.

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Mark Rutte will sein eigener Nachfolger werden: Der rechtsliberale niederländische Premierminister hat keine Lust, nach der Parlamentswahl am heutigen Mittwoch das „Torentje" (Türmchen), wie sein Amtssitz in Den Haag heißt, zu verlassen. Und seine Chancen stehen nicht schlecht: Seine „Partei für Freiheit und Demokratie" (VVD) könnte durchaus wieder die stärkste politische Kraft werden.

Der 45-Jährige führte einen starken Wahlkampf und glänzte durchaus in den TV-Debatten. Er hat sich seinen jugendlichen Elan bewahrt - wegen oder trotz seiner fast zweijährigen Amtszeit. Allerdings versäumte er es, seinen Premierbonus im Wahlkampf voll auszuspielen: Zu oft trat er als „einfacher VVD-Spitzenkandidat" auf, anstatt auch einmal in die Rolle des Ministerpräsidenten und Staatsmannes zu schlüpfen. Das könnte ihn und die VVD doch einige Stimmen kosten.

Die ersten Wahllokale öffneten um 6 Uhr vor allem in Bahnhöfen. Außer in Schulen und Rathäusern können die Niederländer auch in einigen Supermärkten, Kaufhäusern und einem Strandclub ihre Stimme abgeben. Bis 11 Uhr hatten 13 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben, in etwa so viele wie bei der Wahl 2010. Die ersten Prognosen werden nach Schließung der Wahllokale um 21 Uhr erwartet.

18-Milliarden-Paket geschnürt

Rutte inszeniert sich gern als Optimist, erscheint stets gut gelaunt, zugänglich und jovial. Viele politische Hürden hat bisher er gemeistert. Doch als ihm sein parlamentarischer „Toleranzpartner" Geert Wilders von der rechtspopulistischen Freiheitspartei (PVV) im April das Vertrauen entzog, war es Schluss mit lustig - und das Minderheitskabinett aus VVD und Christdemokraten (CDA), das für sein Überleben Wilders' Billigung brauchte, am Ende. Neuwahlen wurden fällig.

In seiner Amtszeit gelang es Rutte, ein Sparpaket mit einem Volumen von 18 Milliarden Euro zu schnüren, das in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden soll, damit Holland wieder die Euro-Stabilitätsnorm eines staatlichen Haushaltsdefizits von unter drei Prozent des BIPs erfüllt. 2013 soll das staatliche Budgetdefizit von rund 4,6 Prozent des BIPs auf 2,9 Prozent sinken. Es gelang Rutte auch immer wieder, mit wechselnden Mehrheiten zu regieren - vor allem dann, wenn Wilders einmal nicht den Mehrheitsbeschaffer im Parlament geben wollte.

Rutte ist nämlich flexibel. Manche kreiden ihm das als „Prinzipienlosigkeit" an. Er ist Junggeselle, wohl einer der begehrtesten des Landes, verkörpert eine neue Politikergeneration, mehr Politmanager denn Vaterfigur. „Er hat frischen Wind in die Politik gebracht, weil er unkompliziert und offen ist. Er ist pragmatisch, kein Ideologe", sagt der Politologe Henk te Velde von der Uni Leiden. Der britische Premier David Cameron und Rutte hätten in der Art, wie sie ihr Amt ausübten, viel gemein. Aber Rutte habe mehr Charisma. Er selbst sagt über sich: „Ich will der Premier aller Niederländer sein."

Flexibler Calvinist

Rutte stammt aus einer calvinistischen Familie mit sieben Kindern. Er wurde am 14. Februar 1967 in Den Haag geboren, studierte an der altehrwürdigen Universität in Leiden Geschichte und wechselte nach Abschluss seines Studiums 1992 zum mächtigen, international tätigen Nahrungs- und Waschmittelkonzern „Unilever". Dort machte er als Manager im Personalwesen eine vorübergehende Karriere, bevor er schon 1998 endgültig in die Politik wechselte. Diesen Schritt hatte er schon als Vorsitzender der Jugendorganisation der VVD (1988-91) und als Mitglied des Parteivorstandes (1993-97) gründlich vorbereitet.

Die Partei dankte dem talentierten Historiker sein Engagement und machte ihn zunächst zum Staatssekretär für Arbeit und Soziales und zum Staatssekretär für Kultur und Wissenschaft (2002-06), als die VVD mitregierte.

Zielstrebiger Karrierist

In einer parteiinternen Kampfabstimmung setzte sich Rutte im Mai 2006 gegen seine Rivalin Rita Verdonk als neuer Fraktionsvorsitzender der VVD im Parlament durch. Eineinhalb Jahre später zementierte er seine Position: Er sorgte dafür, dass Verdonk aus der VVD geworfen wurde, weil sie Positionen vertrat, die mit dem liberalen Parteiprogramm nicht vereinbar waren.

Verdonk gründete darauf ihre eigene rechtspopulistische Partei TON (Trots op Nederland - Stolz auf die Niederlande), die sich aber inzwischen aufgelöst hat. Rutte hingegen schaffte es nach seinem parteiinternen Sieg ins „Türmchen" von Den Haag. Dort will er noch eine Weile bleiben, denn es macht ihm sichtlich Spaß.

Auf einen Blick
Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Partei des amtierenden Premiers Rutte und den Sozialdemokraten voraus: Beide würden demnach je 35 der 150 Sitze im Unterhaus des Parlaments für sich gewinnen. Die bisher drittstärkste Partei, die „Freiheitspartei“ des EU-Gegners und Rechtspopulisten Geert Wilders, könnte von 24 auf 19 Sitze schrumpfen, den Sozialisten wurden zuletzt 21 statt wie bisher 15 Mandate prognostiziert.

Die Presse, Print-Ausgabe, 12.09.2012

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139 Kommentare
 
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Gast: ZARA
15.09.2012 19:13
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Das ist eben die kurze Aufmerksamkeitsspanne die man dowas wie dem Wilders gönnt!

Bis man haltdie Spülung zieht und die br... Ka... im Gully verschwindet.

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frisur,popmusik...

sehr tief geht die analyse ja nicht,eher eine haemerede fuers bierzelt und das johlende publikum ist ja auch schon da.. was gibts auch schoeneres als modernen unterhaltungsjournalismus.

Gast: Die Wahrheit muß unterdrückt werden
14.09.2012 09:57
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"Wilders ist ein Gefangener seiner Bodyguards, die ihn rund um die Uhr bewachen müssen"

Ist ja unglaublich, seine Landsleute trachten ihm nach dem Leben. Da muß er doch rund um die Uhr beschützt werden!!!!
Alles klar, jetzt wissen wir es!

war halt ein bissal feig nicht in die regierung zu gehen!

sondern nur als mehrheitsbeschaffer zu fungieren, und dann bei den ersten unangenehmen aber notwendigen reformen neuwahlen vom zaun zu brechen!

ganz so dumm ist halt der wähler auch nicht, dass er derart plumpen populismus und unehrlichkeit nicht überreißt!

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Das war dann wohl die letzte Vorstellung dieses Clowns.

Haha,
wir haben alle sehr gelacht,
danke und auf Wiedersehen.

Antworten Gast: Bademeisterin
14.09.2012 10:39
2 1

Re: Das war dann wohl die letzte Vorstellung dieses Clowns.

Was ja nicht heisst, dass er nicht recht hat!

Wer zuletzt lacht, lacht am besten!

Schon gehört?

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Re: Re: Das war dann wohl die letzte Vorstellung dieses Clowns.

Hauptsache man lacht. ;)

viele können die Phrasendrescherei des Mannes mit der Mozartfrisur nicht mehr hören

Der Bericht klingt tendenziell.
Von der presse ist man Objektiveres gewöhnt.


Macht Hoffnung!

Die Österreicher durchschauen die billigen Populisten a la Strache vielleicht auch noch!

Antworten Gast: Peter Falk
13.09.2012 22:05
8 0

Re: Macht Hoffnung!

Na hoffentlich.
Leider lesen die meisten die "Krone", und dann glauben´s auch noch was da drinsteht!

Antworten Antworten Gast: StVO
17.09.2012 22:08
0 0

Re: Re: Macht Hoffnung!

Kein Wunder, wenndie Leser der Krone dieser glauben, sehen Sie sich die Ergebnisse des PISA-Tests. Teilgebiet sinnerfassendes Lesen, an.

Re: Re: Macht Hoffnung!

zuerst lesen sie die krone, und dann posten sie in deiPresse. weil hier das mühsame registrieren wegfällt.

konkret: was das forum angeht, ist die krone schneeweiß im vergleich zum braunen presse-forum!

Wilders war konstruktiv ...

.. und hat eine Minderheitsregierung unterstützt.
Dafür zahlt er jetzt.
Wie die FPÖ, die mit der ÖVP in eine Koalition ging, ohne ...
- das Zwangskammernsystem zu beenden
- den Wiederbetätitungsparagraphen zu canceln
- den ORF zu zertrümmern
- die Presseförderung abzuschaffen
- die Parteiförderung abzuschaffen

Dafür hat sie die Rechnung bekommen.
Sie müssen warten, bis die "Altparteien" den Karren an die Wand gefahren haben und vom Wähler vernichtet wurden.
Dann erst können sie an die Macht kommen.

Antworten Gast: zetto
14.09.2012 09:42
0 0

Re: Wilders war konstruktiv ...

vor allem war er eines: dumm genug, die Regierung auseinanderbrechen zu lassen, weil er meinte, bei wahlen zu profitieren.
Schwerer Fehler - dafür bezahlt er.

Re: Wilders war konstruktiv ...

bravo, weiter so!

ich hoffe, dass nicht nur die dumben anhänger unserer korrupten populisten so denken, sondern auch deren parteigranden.

dann ist dieser spuk demnächst tatsächlich vorbei und die ö-demokratie kann wieder gesund werden.

ps.: ein hinweis auf die schrecklichen auswirkungen der linkslinken medien hat in ihrem statement gefehlt. warum? sind sie derart vergesslich?

Presseförderung abschaffen ...

... und ORF zertrümmern sollte genügen.

Gast: b745
13.09.2012 20:58
5 13

strache hat die selbe zukunft


Gast: Lecter
13.09.2012 20:09
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Anständige Holländer

Anständig dass die Holländer an Bord des sinkenden Schiffes bleiben und weiter zahlen werden.

Antworten Gast: Peter Falk
13.09.2012 21:15
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Re: Anständige Holländer

..das sinkt nur dann, wenn Nationalpopulisten an die Macht kommen!

Die kapieren nämlich die Zusammenhänge nicht, deswegen muß man alles z´sammhauen, mehr fällt denen nicht ein!

Also, mehr zusammenhalten und zusammenarbeiten (in der EU), dann sind wir alle besser dran!

Und wieso sinkt es dann,

... wo doch kein Nationalpopulist an der Macht ist?

Antworten Antworten Antworten Gast: Peter Falk
13.09.2012 22:03
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Re: Und wieso sinkt es dann,

Geht´s ihnen persönlich denn so schlecht derzeit?

Aber im ernst:
..weil ständig nationale Interessen vor gemeinsame Interessen gestellt wurden. (Stichwort: Schulden machen). Kein Fiskalpakt zur Einführung des Euro (obwohl von der EU-Kommission empfohlen), uvm...

Übrigens:
Seit 2008 gab´s einige Krisen (Immo, Banken,etc..) falls sie es noch nicht wissen.
Diese sollte man überwinden, deshalb "Krisenmanagement" und nicht billigen Wahlkampf auf unser aller Kosten!! (den Südländern helfen sollte es uns Wert sein und kommt uns für die langfristige Zukunft jedenfalls billiger als den "Strache-Schilling" einzuführen!)

Re: Re: Und wieso sinkt es dann,

>>...ständig nationale Interessen vor gemeinsame Interessen...<<

Das wäre ja noch das geringere Problem. Das Hauptproblem ist, dass an erster Stelle - über dem allen und unheimlicher Priorität - noch die Interessen der Konzerne der Magnaten stehen und umgesetzt werden... ;-)

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Lecter
14.09.2012 00:10
1 5

Re: Re: Und wieso sinkt es dann,

Ohne auf das Geschwubel näher eizugehen-natürlich ist der Stracheschilling ein völliger Blödsinn da es ja bekanntlich keine DM mehr gibt wo man Ihn anbinden kann. Den Südländern kann man aus dem simlen Frund nicht helfen-weil die Menschen einen anderen Lebesstiel haben wie die Nordeuropäer und diesen nicht ändern werden. Die langfristige Zukunft ist ganz einfach - wenn die Zahler endgültig Pleite sind wird die Bevölkerung einfach nicht mehr mitgehen und die EU in dieser Form ist dann Geschichte.

Warum ist Wilders ein Gefangener seiner Bodyguards?

Komisch....

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Re: Warum ist Wilders ein Gefangener seiner Bodyguards?

Weil er sich gegen den Einfluss islamischer Gesetzgebung und Gebraeuche in Europa ausgesprochen hat.
PS: Nichts zu danken.

möglicherweise wurde hier massive wahlfälschung betrieben...

ich traue der europäischen finanzdiktatur und ihren politdarstellern mittlerweile ALLES zu!
(noch mögen mich 90% hier auslachen. fragt sich nur, wie lange noch).

 
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